Wer ein Gebäude plant, baut, saniert oder unterhält, kommt am Brandschutz nicht vorbei. Das Thema ist stark reguliert und es müssen seitenweise Auflagen erfüllt sein. Das ist teuer. Rund 2 bis 3 Prozent der Bausumme einer Immobilie gehen für Brandschutzmassnahmen drauf.

Doch der Erfolg gibt dieser Investition recht. «In der Schweiz gibt es jährlich nur noch rund 10’000 Brände im Wohnungsbereich und etwa 25 Personenschäden», sagt Aleks Brkic, Leiter des Bereichs Real Estate Development bei Lifetec AG. «Niemand wartet einfach untätig auf die Feuerwehr, die vielleicht erst dann eintrifft, wenn das Gebäude bereits in Vollbrand steht.»

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Kurzer Vergleich der Zahlen

Vergleichen wir diese Zahlen einmal mit Erster Hilfe: Im Schweizer Gewerbe zählen wir jedes Jahr rund 300’000 medizinische Notfälle. Rund 30’000 Personen erleiden ein akutes koronares Ereignis, schätzungsweise 16’000 einen Hirnschlag und 8000 einen Herz-Kreislauf-Stillstand.

Die Überlebenschancen der Betroffenen sind grösser und bleibende Behinderungen geringer, je schneller die medizinische Notfallbehandlung einsetzt. Die Überlebensraten in solchen Notfällen variieren von Kanton zu Kanton, liegen aber sehr tief, teilweise bei nur 5 Prozent.

Im Tessin überlebt immerhin rund die Hälfte aller Patienten mit Kammerflimmern ihren Herz-Kreislauf-Stillstand. 10’000 Brände und 8000 Herz-Kreislauf-Notfälle, diese Zahlen liegen in einer ähnlichen Sphäre.

«Bei Wohngebäuden stellt sich häufig die Frage nach den Kosten und nach dem Nutzen – und wie man die Kosten beispielsweise durch die Nebenkostenabrechnung auf die Mieter abwälzen kann.»

25 Personenschäden im Vergleich zu mindestens 4000 Opfern, das sind definitiv zwei unterschiedliche Hausnummern. «In sehr vielen medizinischen Notfällen kommt jede Hilfe zu spät, wenn wir auf den Rettungsdienst warten», sagt Aleks Brkic. «Wir überlassen in diesen Fragen noch viel zu viel den Rettungskräften. Die Bevölkerung muss sich selbst helfen können.» Er plädiert deshalb dafür, die Erste Hilfe etwas mehr wie den Brandschutz zu behandeln und das Thema im Real-Estate-Development vermehrt mitzudenken. Das sei einfach und auch nicht besonders teuer.

Sensibilisierung ist notwendig

Immer mehr Planer, Architekten, Bauherren, Immobilienverwalter und Baugenossenschaften setzen solche Projekte um und machen sich Gedanken. Besonders Sicherheitsbeauftragte stellen diesbezüglich auch Forderungen.

Sie wissen: In einem Unternehmen kann es rechtlich heikel werden, falls etwas passiert und man nicht genug für die Sicherheit und Gesundheit von Mitarbeitenden oder Kunden getan hat. Allerdings dürfte mindestens ein Drittel aller Herz-Kreislauf-Notfälle zu Hause eintreffen.

In Wohngebäuden stellt sich dann jedoch häufig die Frage nach den Kosten und nach dem Nutzen – und wie man die Kosten beispielsweise durch die Nebenkostenabrechnung auf die Mieter abwälzen kann. «Das sollte aber kein Problem sein», meint Brkic.

«Wenn ein Mieter einen monatlichen Betrag in der Höhe eines Kaffees für ein Erste-Hilfe-System im Gebäude bezahlt, macht er das ziemlich sicher gerne. Schliesslich kann ein Herz-Kreislauf-Notfall auch jüngere Menschen treffen, die eigentlich gut auf sich achten. Und zufriedene Mieter, die sich im Gebäude sicher fühlen und deshalb seltener umziehen, verursachen weniger Leerstände. Das ist auch ein finanzieller Gewinn.»

Mit gutem Beispiel voran

Gute Beispiele gibt es einige. Um zwei zu nennen: Der Bernapark und das Areal Suurstoffi. Zuerst zum Bernapark. Das Areal der ehemaligen Kartonfabrik Deisswil liegt in unmittelbarer Nähe der Stadt Bern.

Heute ist es ein Quartier, welches Wohnen, Arbeit und Freizeit an einem Ort vereint. An neun neuralgischen Punkten des Areals wurden Erste-Hilfe-Systeme installiert, sodass aus jeder Wohn- oder Gewerbeeinheit innert 30 Sekunden ein Defibrillator (AED) erreicht werden kann. Das ist absolut effizient.

«Trotz guten Beispielen – Potenzial gibt es noch viel. »

Auf dem ehemaligen Industrieareal Suurstoffi in Risch-Rotkreuz wurden vier Erste-Hilfe-Systeme mit Defibrillatoren für den Aussenbereich angebracht. Anhand eines exakten Modellplans des Areals wurden alle Daten akribisch ausgewertet, um zu bestimmen, an welchen neuralgischen Punkten diese Systeme am effizientesten sind.

Daraufhin wurde das ganze Areal abgefahren und geprüft, ob alle Wohnungen, Büros, Schulen und Kindertagesstätten ausreichend abgedeckt sind, damit innert ein bis zwei Minuten ein solches System erreicht werden kann.

Zudem wurde berücksichtigt, dass die freistehenden Systeme zwar gut sichtbar und auffallend sind, sich aber auch gut in die Harmonie des Areals einbetten.

Gleich viele Defibrillatoren wie Feuerlöscher

Trotz guten Beispielen – Potenzial gibt es noch viel. In der Schweiz sind derzeit rund 30’000 bis 40’000 AED installiert. Doch längst nicht alle funktionieren im Notfall. Kontrollen werden teilweise vernachlässigt und die Ausfallquote ist hoch, Aleks Brkic schätzt sie auf rund 40 Prozent.

Werden diese Geräte dann wirklich gebraucht, ist entweder die Batterie entladen oder die Pads sind nicht leitfähig. Das führt zu verheerenden Situationen.

«Wir haben in unsere eigenen Geräte viel Technologie eingebaut, um das zu verhindern», sagt Brkic. «Über Cloud-, IoT-, M2M- und GPS-Technologie wissen wir immer, wo und in welchem Zustand ein AED von uns ist.»

Ganz generell müsse die Zahl der Defibrillatoren steigen, sagt Brkic: «Selbstverständlich macht ein AED auf dem Matterhorn nicht viel Sinn, aber mit 40’000 Geräten sind wir noch sehr weit weg von einem Optimum. Ehrlich gesagt: Es müsste ungefähr gleich viele haben, wie es Feuerlöscher gibt.»