Gerhard W. Fischer, 65, Konzernchef und Verwaltungsratspräsident der Panalpina Welttransport Holding in Binningen BL, war bisher ausserhalb der Speditionsbranche ein wenig bekannter Manager. Auch seine Wahl zum Verwaltungsratspräsidenten der neuen Post erregte im letzten Jahr wenig Aufsehen. Erst die Krise um Post-Generaldirektor Jean-Noël Rey brachte den gelernten Kaufmann ins Scheinwerferlicht der Medien. Das späte Comingout des hochkarätigen Logistikfachmanns überrascht: Mit einem Nettoumsatz von über drei Milliarden Franken, rund 10 000 Mitarbeitern und über 260 Büros in 66 Ländern gehört Panalpina weltweit zu den Grossen der Speditionsbranche. Schon früh hat der vife Pfarrerssohn vorausgesehen, dass der europäische Landverkehr nach Abbau von Zollschranken kein grosses Geschäft mehr sein wird. Dies im Gegensatz zum mächtigen lokalen Konkurrenten Danzas, der in eine tiefe Krise stürzte und noch heute um seine Form ringt.

Gefährten aus früheren Tagen
Gerhard Werner Fischer arbeitet seit bald 35 Jahren in der Panalpina-Gruppe. In dieser Zeit hatte er Gelegenheit, sich einige einflussreiche Freunde zu schaffen, unter ihnen der legendäre VR-Präsident Walter Schneider. Als sich 1987 unter Panalpina-Konzernchef Werner Ruoff die Zahlen verschlechterten und Diskussionen über die Ausrichtung des Unternehmens geführt wurden, holte Schneider den damaligen Nigeria-Chef Fischer ins Headoffice und machte ihn zum Konzernchef. Fischer sei ein innovativer, kreativer und gerechter Typ, urteilt Schneider heute, er habe sich positiv weiterentwickelt und sei die ideale Besetzung. Der eloquente Fischer sei ein «super Unternehmertyp», sagt der Transportexperte Severin J. Schlegel, Geschäftsführer des Basler Rittmann-Verlags und Freund Fischers. Angebot und Strategie stimmen offenbar: Im letzten Jahr hat Panalpina «einen Quantensprung» (Fischer) beim Umsatz erreicht und den Gewinn verdoppelt.

Sein innerer Kreis
Im Unternehmen gilt Fischer als Patriarch der alten Schule, der straff führt, Leistung fordert und hohe Stücke auf die Mitarbeiter an der Front hält. Wer talentiert ist, den fördert er umsichtig. Seine engsten Mitarbeiter sind zurzeit der designierte neue CEO und Präsident der Konzernleitung, Bruno Sidler, der neue Leiter aller Panalpina-Landesorganisationen, Thomas Christ, sowie der bisherige Finanzchef Werner Regli. Als «gute Seele» zählt auch Fischers dynamische Sekretärin Nelly Kortemeyer zu diesem inneren Kreis. Am 5. Juni übergibt Fischer das Kommando. Enge Bande hat Fischer, selbst Stiftungsrat, zum Old Boys Club der Panalpina-Besitzerin, der Zuger Ernst-Göhner-Stiftung, die auch im Verwaltungsrat der Binninger Gruppe sitzt. Besonders zu Stiftungspräsident Peter Saxer, einem Rechtsanwalt aus St. Gallen, zu Vizepräsident Otto Schmid, dem pensionierten Geschäftsführer der Stiftung, sowie zu Stiftungsrat Jürg Furger, Rechtsanwalt in Zürich, hält Fischer gute Kontakte.

Die Post-Connection
Völlig überraschend wurde Fischer vom Unternehmensberater Hubertus G. Tschopp, den er von Golfturnieren her bestens kennt, angefragt, ob er im neuen Post-Verwaltungsrat Einsitz nehmen wolle. Kaum im Amt als VR-Präsident ab 1. Januar 1998, musste sich Fischer um die Wirren rund um Generaldirektor Jean-Noël Rey kümmern. Im Post-Verwaltungsrat kannte er neben SAirLogistics-Chef Klaus Knappik bereits Ex-Kreditanstalt-Generaldirektor Rudolf W. Hug, den er im Edesa-Verwaltungsrat sowie an Golfturnieren kennengelernt hatte. In den letzten Wochen hat Fischer das Gespräch mit Bundesrat Moritz Leuenberger geschätzt, der sozusagen als Eigner der Bundesanstalt Post die Interessen des Staates vertritt. Aus der Post will Fischer in den vier Jahren seiner Amtszeit in erster Linie einen selbsttragenden Betrieb machen, der den kostenintensiven Teil des Service publique aufrechterhalten kann. Zudem will er den heute «nicht mehr zeitgemässen» Beamtenstatus von Mitarbeitern unter die Lupe nehmen.

Sein äusserer Kreis
Sein Werdegang und die Ausrichtung der Panalpina auf die Luft- und Seefracht im Überseeverkehr bringen es mit sich, dass Fischer im besten Einvernehmen mit Luftfracht-Spezialisten steht: Wilhelm Althen (Lufthansa), Heiner Wilkens (Cargolux), Klaus Knappik (SAirLogistics) oder François Bachelet (Air France). Dass Fischer ein hohes Renommee in der Branche hat, zeigt sich darin, dass er bis letztes Jahr die Vereinigung Freight Forward Europe (Brüssel) der grössten Speditionsunternehmen Europas präsidierte. In diesem Lobbyklub sind neben Fischer auch Klaus-Michael Kühne (Kühne & Nagel) sowie Peter Wagner (Danzas) aus der Schweiz vertreten. Sehr wichtig nimmt Fischer die Panalpina-Beteiligung an der Edesa SA Holding (Luxembourg), deren Präsidium er vor zwei Jahren von Daimler-Benz-Boss Jürgen E. Schrempp übernahm. Die Edesa mit illustren Aktionären wie Credit Suisse, Daimler-Benz, ABB, Ford, General Motors, UBS, IBM oder De Beers will als Finanzierungsgesellschaft Projekte von KMU in Ländern Afrikas südlich der Sahara unterstützen.

Seine privaten Freunde
«Gerry» Fischer stammt aus einer Pfarrersfamilie: Schon sein Grossvater, aber auch sein Vater und sein Bruder Hans, der bis vor vier Jahren in Zürich als evangelisch-reformierter Pfarrer tätig war, übten diesen Beruf aus. Fischer wuchs in der Ostschweiz im Rheintal von St. Margrethen SG auf. Heute wohnt der passionierte Bentley-Fahrer, der in den letzten Jahren 50 Prozent seiner Arbeitszeit auf Reisen zu den Panalpina-Ablegern verbrachte, in Küsnacht ZH. In diesem Ort wohnen auch die Göhner-Stiftungsräte Otto Schmid und Jürgen Furger, zu denen Fischer und seine Genfer Frau Sylviane enge Kontakte pflegen. Die Ehefrauen spielen zusammen Tennis. Fischer hat zwei erwachsene Töchter und vier Enkelinnen. Nicht einfach für die Familie war Fischers neunjähriger Aufenthalt in Nigeria, währenddessen Frau und Töchter am Zürichsee wohnen blieben. Fischer ist ein «Bauchmensch», wie ihn ein ehemaliger Mitarbeiter bezeichnet, und den Genüssen des Lebens nicht abgeneigt. Als Besitzer eines Ferienhauses in Südfrankreich ist er Mitglied eines exklusiven Golfclubs in Cannes. Auch im Basler Golfclub im elsässischen Hagenthal ist der leidenschaftliche Golfspieler (Handicap 22) Mitglied. Nach Finanzguru Martin Ebner ist Fischer ein weiterer prominenter Fliegenträger.

 

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