Die Produkte der traditionsreichen venezianischen Glasmanufakturen von Murano werden von internationalen Sammlern weltweit geschätzt. Neben finnischem Glasdesign stehen sie ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Als Königskategorie gilt dabei die Vase, denn an ihr lassen sich Inspiration und meisterhaftes Design besonders gut ablesen. Die grosse preisliche Bandbreite spricht einen breiten Sammlerkreis an.

Die Preise für die Objekte reichen von einigen hundert bis zu über hunderttausend Franken. Zu den Marktführern im deutschsprachigen Raum zählt das Münchner Auktionshaus Quittenbaum, das regelmässig Spezialauktionen mit Muranoglas durchführt. 450'000 Euro konnte Quittenbaum am 24. September 2014 mit Muranoglas umsetzen.

Fünfstellige Preise

Die seltene und aussergewöhnliche Vase «Al macchie» von Fulvio Bianconi erzielte 80'065 Euro und seine Vase «Scozzese» verdoppelte ihren Schätzwert auf 38'000 Euro. Beliebt waren auch die Raritäten aus dem Lebenswerk Ercole Baroviers: Die grosse Vase «Opalino a fiamma», um 1957, Schätzpreis 3'500 bis 4'500 Euro, erzielte 19'000 Euro brutto, und die interessanten Ringeinschmelzungen der Vase «Sidereo» waren ­einem privaten Sammler 7'900 Euro wert. Die fröhlich dekorierte Vase «Murrine battuto» von Ermanno Toso verkaufte sich für 8'900 Euro.

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Eine ebenfalls in «Battuto»-Technik gearbeitete glockenförmige Vase Carlo Scarpas, die in ihrer Farbgebung an das smaragdgrüne Wasser der Lagunenstadt erinnert, erzielte 16'600 Euro. Einen Bruttoerlös von rund 235'000 Euro erzielte Quittenbaum am 4. März diesen Jahres. Ercole Baroviers Vase «Tessere policrome» konnte ihre untere Taxe mit einem Zuschlag von 18'000 Euro verdoppeln. Das Top-Los, die Vase «A fasce verticale» von Fulvio Bianconi für Venini, erreichte gar 24'000 Euro. Zuschlagspreise knapp unter der Marke von 10'000 Euro wurden zudem für seltene Arbeiten aus dem Hause Barovier & Toso erzielt. Die nächste Spezialauktion mit Muranoglas bei Quittenbaum in München findet am 23. September 2015 statt.

Auge schulen im Bellerive in Zürich

Wer sein Auge für die «Cose fragili», diese zerbrechlichen Dinge, schulen will, sollte sich die gleichnamige Ausstellung im Museum Bellerive in Zürich nicht entgehen lassen. Mehr als 300 Objekte sind dort derzeit zu sehen: Seltene und aussergewöhnliche Glas­arbeiten, die seit den 1920er-Jahren in den bekannten Glasmanufakturen von Murano sowie in Künstlerateliers entstanden sind.

Den zeitlichen Auftakt bildet die von Ercole Barovier entworfene Serie «Primavera» aus hauchzartem, craqueliertem Milchglas, das mit dunklen Rändern abgesetzt ist. Mit der wachsenden Bekanntheit der Manufakturen in den 1930er-Jahren kamen zahlreiche externe Künstler nach Murano, die zusammen mit den Meisterglasbläsern Stücke von grosser innovativer Kraft schufen.

Gestalterische Freiheit und Produktivität

Der venezianische Architekt Carlo Scarpa etwa prägte eine revolutionäre neue Formensprache. Er entwarf zahllose Stücke und regte die Entwicklung neuer Werkverfahren an. Daneben griff er auch auf längst vergessene Techniken wie die aufwendigen Schleiftechniken des «Battuto» und «Inciso» zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten unter anderem Fulvio Bianconi, Ercole Barovier und Flavio Poli für neuen Aufschwung. In der Ausstellung sind die schönsten Vasen der 1940er- bis 1960er-Jahre zu sehen, als die gestalterische Freiheit in grosse Produktivität mündete.

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Spannende Einblicke in das zeitgenössische Schaffen mit venezianischen Glastechniken bieten Philip Baldwin und Monica Guggisberg, die ihren Werken mittels Schliffen Tiefe verleihen, während Ettore Sottsass auf die gewagte Kombination starker Unifarben vertraut. Die amerikanische Künstlerin Mary Ann Toots Zynsky wiederum komponiert aus einer Vielzahl farbiger Glasfäden Stücke von grosser malerischer Qualität.

Bis 13. September 2015