Nichts gegen Segeln, aber es gibt wichtigere Dinge im Leben. Zu dieser Einsicht ist letztes Jahr auch Ernesto Bertarelli gelangt. Nachdem er mit seinem Kahn den America’s Cup gewonnen hatte, wandte er sich wieder jenem Sport zu, den er vor dem Abstecher ins Wasser schon gerne betrieben hatte. Und er tat es intensiv. Im Jahre 2005 verbesserte Bertarelli sein Golfhandicap von 15.3 auf 13.6. Wer selber Golf spielt, der weiss, dass dies in dieser Leistungskategorie eine beachtliche Steigerung ist.

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Wenn die alte Regel zutrifft, wonach das Handicap ungefähr der wöchentlichen Büropräsenz in Stunden entspricht, dann hat Bertarelli auf den Greens und Fairways kräftig geübt. Überhaupt dürfen wir feststellen, dass es die Spitze der Wirtschaft im vergangenen Jahr geballt auf den Golfplatz trieb. Die Schweizer Unternehmen schrieben nicht nur Rekordgewinne – manchen CEO gelangen überdies rekordverdächtige Handicap-Verbesserungen.

Der Zusammenhang der beiden Faktoren wird uns noch beschäftigen müssen.

UBS-Chef Marcel Ospel etwa, der bestbezahlte CEO des Landes, drückte 2005 sein Handicap von 35.9 auf 30.4. Noch toller trieb es Willy Strothotte, der Verwaltungsratspräsident des Rohstoffgiganten Glencore, der sich in zwölf Monaten von 24.8 auf 15.1 herunterspielte. Auch Swiss-Life-Chef Rolf Dörig, schon vorletztes Jahr gut im Schuss, legte von 20.1 auf 17.7 nochmals einen Zacken zu.

Nun sind spektakuläre Handicap-Senkungen natürlich leichter möglich, wenn die Spielstärke noch im zweistelligen Bereich liegt. Je mehr sich das Handicap null annähert, so weiss jeder Golfer, desto harziger und härter sind selbst kleinste Verbesserungen. Insofern ist schon sehr beachtlich, dass etwa Kurt Hausheer von PricewaterhousCoopers von 10.0 auf 7.1 herunterkam, Juwelier Franz Türler von 8.5 auf 5.3 und Privatbanker Yves Mirabaud von 6.6 auf 5.3. Auch hier muss die Büropräsenz etwas lückenhaft gewesen sein.

Selbst der zweitbeste Golfer unter den Schweizer Topmanagern, Phoenix-Mecano-CEO Benedikt Goldkamp, schaffte es nochmals um 0.6 Punkte hinunter auf 2.2. Der beste Golfer in der Wirtschaftselite bleibt Thomas Gottstein, der für die Credit Suisse in London im Bereich Equity Capital Markets tätig ist. Gottstein spielt ein Handicap von +1.3, muss also noch besser spielen als ein so genannter Scratch-Spieler, der mit dem golferischen Traumhandicap von null antritt. Gottstein golfte schon als Bub und liess als Junior gelegentlich sogar heutige Profigrössen wie José Maria Olazabal oder Colin Montgomerie hinter sich.

Noch bleibt die Frage, wie Rekordgewinne im Geschäft und verbesserte Handicaps zusammenhängen. Im letzten BILANZ-Ranking der Golfhandicaps, im Frühjahr 2005, war die Sache klar. Die Unternehmen, bei denen der CEO oder der Verwaltungsratspräsident golft, legten damals beim Aktienkurs im Durchschnitt um 20 Prozent zu, deutlich mehr als der Swiss Market Index (SMI). Golfende Manager, so zeigte sich eindeutig, sind bessere Manager.

Wir wiederholen den Test in diesem Jahr. Mit Stichtag vom 5. April verfolgen wir den zwölfmonatigen Börsenkurs von Firmen, deren CEO, VR-Präsident oder Inhaber Golf spielen. Wenn diese Unternehmen besser abschneiden als der SMI, ist es klar: Je mehr Zeit eine Führungskraft beim Golfen verbringt, umso besser für das Geschäft.

Die Konsultation der Tabelle (siehe «Die Börsenperformance von golfenden Managern» auf Seite 91) zeigt, dass der letztjährige Befund nach wie vor seine Gültigkeit aufweist: So legte der SMI über die vergangenen zwölf Monate um 35 Prozent zu. Die durchschnittliche Performance von Firmen mit golfenden Chefs liegt bei 41 Prozent. Golfer auf den Führungssesseln sind damit für ihre Unternehmen und ihre Aktionäre geradezu Gold wert, calvinistische Arbeitsmoral ausserhalb der Fairways hingegen volkswirtschaftlich äusserst bedenklich.

Die Handicap-Liste der BILANZ zählt dieses Jahr erstmals über 300 Namen. Es zeigt auch dies, wie Golf als Corporate Sport weiterhin vorankommt. Heute engagieren sich nicht nur höher positionierte Unternehmen wie Credit Suisse, Zürich FS, Jaguar oder Mercedes in diesem Sport, sondern zunehmend auch Firmen mit durchaus populärem Klang. Neuster Einsteiger ist Denner-Chef Philippe Gaydoul (Handicap 17.6), der sich dieses Jahr von der früheren Spitzenspielerin Lisa Baumgartner unter dem Motto «Golf und Wein» eine Turnierserie organisieren lässt, um sein flüssiges Angebot am 19. Loch bekannter zu machen.

Gleichzeitig nehmen auch Firmenturniere galoppierend zu. Die CEO der grösseren Schweizer Unternehmen werden inzwischen schon fast im Wochenrhythmus zu Turnieren eingeladen. «Feld-Wald-und-Wiesen-Turniere beginnen sich zu häufen», beobachtet auch Golfpromoter Michel Burckhardt. Burckhardt organisiert jeweils das Zürich Open in Schönenberg, das populärste der Pro-Am-Turniere der Schweiz, bei denen jeweils Topmanager in einem Team mit Golfprofessionals antreten. Im vergangenen Jahr schwangen etwa Lindt-&-Sprüngli-CEO Ernst Tanner und «Zürich»-CEO James Schiro die Schläger. Sie spielten mit Eduardo Romero, dem früheren Sieger des Spanish und des Scottish Open.

Wie sie gespielt haben, wollen wir nicht kommentieren. Wir erzählen zum Schluss lieber die Anekdote von Arnold Palmer, der Golflegende der sechziger Jahre. Palmer spielte in einem Pro-Am mit dem CEO eines der grössten US-Unternehmen.
«Wie finden Sie mein Spiel?», fragte der CEO nach ein paar Löchern.
«Es ist okay», sagte Palmer, «aber ich bevorzuge Golf.»

Kurt W. Zimmermann (Handicap 17.3, hat sich verschlechtert), Inhaber der Consist Consulting AG, Zürich, info@consist.ch