Die Gäste lehnen sich über die Reling, als der Katamaran von einem Landungssteg in Singapur ablegt. Vor der Insel Seletar springen sie ins Meer, planschen im erfrischenden Wasser. Das Programm ist wie bei einer normalen Bootsfahrt - doch die Gäste des Luxusausflugs sind Hunde.

Bootsbesitzer Joe Howe startete seine Firma Pet Cruise im Juli vergangenen Jahres. Auf seinem fast acht Meter langen Katamaran hält der ehemalige Börsenhändler auch Schwimmwesten für Hunde bereit.

An den Wochenenden kostet eine zweistündige Ausfahrt umgerechnet rund 30 Franken pro Gast, egal ob Hund oder Mensch, das ganze Boot kann für knapp 300 Franken gechartert werden. Sogar Schildkröten haben Kunden schon an Bord gebracht.

«Junge Paare haben Haustiere, bevor sie Kinder haben, als Überbrückung, und manchmal sogar als Ersatz für Kinder», sagt Howe. Pe pflichtet ihm bei: «Sie sind wie meine Kinder, weil ich Single bin und ein bisschen Zeit übrig habe.»

Hunde-Yoga im Trend

Nach offiziellen Zahlen gibt es in Singapur 57'000 registrierte Hunde. Die 5,3 Millionen Einwohner der dicht bevölkerten Insel leben mehrheitlich in Apartmentblocks, die nur wenig Auslauf für Hunde bieten. Der Stadtstaat hat trotzdem mehr als 250 lizensierte Zoogeschäfte, viele davon in Einkaufszentren, die vom Hamster bis zu Rassehunden alles im Angebot haben.

Marcus Khoo ist Leiter von Petopia, einem Laden, der Hundepflege mit Unterkunft und Verpflegung offeriert. Nach seiner Erfahrung sind die Besitzer bereit, Höchstpreise für das Wohlergehen ihrer Vierbeiner zu zahlen.

«Die Leute verstehen nun, dass ein hochwertiger Lebensstil für Hunde nicht nur ein Dach über dem Kopf und Essen bedeutet», sagt Koo. Billig ist die Hunde-Wellness nicht. Ein zwanzigminütiges Sprudelbad kostet bis zu 85 Franken, je nach Grösse und Rasse.

Auch Hunde-Yoga wird in Singapur immer beliebter, nachdem der Trend in Hongkong und Taiwan begann. «Die Haustiere werden stundenlang zu Hause gelassen, beim Yoga aber können Herrchen und Hündchen Zeit gemeinsam verbringen», sagt Rosalind Ow, die seit vergangenem Sommer in ihrem Super Cuddles Clubhouse entsprechende Kurse anbietet.

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Urnenhalle als letzte Ruhestätte

Besondere Behandlung wird auch den Verstorbenen zuteil. In der Sonntagsausgabe der Tageszeitung «The Straits Times» können Hundehalter Nachrufe für ihre toten Lieblinge veröffentlichen. Und im Haustier-Krematorium in einem Vorort Singapurs stehen nach der Beerdigung Nischen in einer Urnenhalle bereit.

«Bei den meisten gehören die Haustiere zur Familie», sagt Firmeninhaber Patrick Lim. «Ihr Tod ist dann eine sehr sensible Angelegenheit.» Eine einfache Einäscherung kann mit mehr als 350 Franken zu Buche schlagen.

Die Kehrseite des Trends ist im Tierheim zu besichtigen. Bis zu 600 ausgesetzte oder ungewollte Hunde, Katzen und sogar Meerschweinchen nimmt die Tierschutzorganisation SPCA jeden Monat auf.

«Viele Leute geben ohne nachzudenken einige tausend Dollar für einen Hund aus», sagt Geschäftsführerin Corinne Fong. «Das Entscheidende ist aber, ob der Hund den Rest seines Lebens bei ihnen verbringt oder nicht.»

(tno/sda)