Punktsieg für Hillary Clinton: Im ersten direkten TV-Duell mit ihrem Rivalen Donald Trump hat sich die demokratische US-Präsidentschaftskandidatin Blitzumfragen zufolge insgesamt besser geschlagen als der Republikaner. Die beiden Kontrahenten lieferten sich in der weltweit live übertragenen Debatte nach freundlichem Beginn den erwarteten harten Schlagabtausch.

Eineinhalb Stunden stritten sie vor allem über wirtschafts- und aussenpolitische Themen und sprachen sich gegenseitig die Eignung für den Posten im Weissen Haus ab. Vor einem Millionenpublikum bekräftigten sie dabei im Wesentlichen ihre Positionen. Ein vorentscheidender Stoss gelang keinem der beiden.

Clinton und Trump bleiben sechs Wochen Zeit, um die Wähler für sich zu gewinnen und ihre Anhänger zu mobilisieren. Drei Faktoren könnten für die Entwicklung bis zum 8. November entscheidend sein:

Die Unentschlossenen

Den Reuters/Ipsos-Umfragen zufolge sind etwa 27 Millionen US-Bürger - grob ein Fünftel der Wähler - unentschlossen. Das sind deutlich mehr als die zwölf Prozent zum gleichen Zeitpunkt bei der Wahl 2012. Ein zentraler Grund dafür ist, dass beide Kandidaten aussergewöhnlich unbeliebt sind.

Auf den ersten Blick scheinen die Unentschlossenen ähnliche Merkmale aufzuweisen wie viele Trump-Unterstützer: Sie sind überwiegend weiss, haben nicht studiert, sind älter und mit der Lage im Land frustriert. Allerdings: Etwa 60 Prozent sind Frauen, was eher Clintons Anhängerschaft entspricht. «Das sind die selben Frauen, die Hillary nicht vertrauen und sie für falsch halten», sagt die republikanische Strategin Katie Packer. «Aber Trump macht ihnen Angst.»

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Die anderen Kandidaten

Diese Unentschlossenen könnten sich allerdings auch einem der «third-party candidates» zuwenden - den anderen Kandidaten im Präsidialwahlkampf, die kaum in den Medien präsent sind. In diesem Jahr sind das insbesondere der Libertarian Gary Johnson und die Grüne Jill Stein. In Umfragen liegen sie unter 15 Prozent und wurden deswegen nicht zu den TV-Debatten eingeladen. Besonders angesichts der Unbeliebtheit von Clinton und Trump könnten sie eine grössere Anziehungskraft entwickeln.

Dagegen spricht die Sorge des amerikanischen Wählers, durch eine Stimmabgabe für einen «Dritten» den aus seiner Sicht ganz falschen Kandidaten zum Sieg zu verhelfen. So müsste ein Stein-Wähler im US-System bei einem knappen Rennen befürchten, dass seine Stimme am Ende Clinton fehlt und Trump den Sieg bringt - oder umgekehrt. Daher könnten die Anhänger von Johnson und Stein sich in der Wahlkabine doch für den Republikaner oder die Demokratin entscheiden.

Die Oktober-Überraschung

In den US-Medien wird seit Wochen über eine unerwartete Enthüllung im letzten Abschnitt des Wahlkampfs diskutiert, die Clinton schweren Schaden zufügen könnte. Da in den USA immer Anfang November gewählt wird, werden derartige Ereignisse in der amerikanischen Politik als «October surprise» bezeichnet.

Die Wahrscheinlichkeit einer Oktober-Überraschung gilt in diesem Jahr als hoch. Ende August hatte WikiLeaks-Gründer Julian Assange angekündigt, noch vor der Wahl bedeutende Unterlagen über Clinton zu veröffentlichen. Russische Hacker stehen zudem im Verdacht, Daten aus den Computern der Demokraten gestohlen zu haben. «Russland und Assange planen wahrscheinlich bereits eine Oktober-Überraschung, um die Wahl zu beeinflussen», sagte der demokratische Stratege Craig Varoga jüngst dem Sender CNN. Die Regierung in Moskau hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

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(reuters/ccr)

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