2001 war das Jahr des Hypes. Neben den später gecrashten Dotcom-Aktien befeuerte der Segway die Fantasie: Dem Elektro-Roller gehöre die Zukunft des Stadtverkehrs, war nicht nur Steve Jobs überzeugt, die Investoren träumten von Milliardenumsätzen. Ich selber bin den Einachser nie gefahren, nachdem ein Freund damit vor meinen Augen brutal aufs Gesicht gestürzt war (ein Softwarefehler war schuld, zeigte sich später). Auch sonst ist dem Segway der grosse Durchbruch verwehrt geblieben, bestenfalls sieht man heute Touristengruppen damit die Stadt erkunden.

Nun versucht es die Firma Airwheel mit einem ähnlichen Konzept. Auch das Power Wheel X3 wird mit dem Gewicht gesteuert und stabilisiert sich elektronisch. Allerdings fehlt die Lenkstange. Entsprechend schwer ist die Eingewöhnung: Eine halbe Stunde verbringe ich mit Fluchen, Balancieren, Straucheln und wieder Aufsteigen, bis ich überhaupt das Gleichgewicht halten und den ersten Meter zurücklegen kann.

Die Nachbarin hält ihr Fahrzeug in unserer kleinen Sackgasse in respektvoller Entfernung an, als sie mich auf dem kleinen Gefährt schlingern sieht: Ich fühle mich wie in der ersten Snowboard-Stunde. Kleine ­Bodenwellen erweisen sich als ernste Hindernisse, der Bordstein wird zur ­Eigernordwand.

Gelegentlich furchterregend

Nach einer Stunde ­Balancearbeit bin ich durchgeschwitzt bis auf die Knochen – aber es geht vorwärts: lautlos und maximal 18 Kilometer pro Stunde schnell, was durchaus beeindruckend ist. Und manchmal furchterregend. Der Hersteller empfiehlt das Tragen von Helm, Knie- und Ellbogenschonern. Und wer das Gleichgewicht verliert, gefährdet nicht nur sich selbst, denn das Power Wheel schiesst dann einige Meter unkontrolliert über den Asphalt, bis es liegen bleibt. Deshalb sollte man die ersten Stunden fernab von parkierten Autos und Passanten üben.

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Der Akku reicht für 15 Kilometer und ist nach eineinhalb Stunden wieder vollgeladen. Dank Tragegriff kann man den Roller auch ins Tram mitnehmen, allerdings ist er mit knapp zehn Kilo Gewicht und störenden Seitenflügeln nur schwer zu transportieren. Mit der Zeit und viel Übung kommt man auch mit schwierigem Untergrund (etwa Kies) zurecht. Pfützen durchpflügen darf man wegen der Elektronik freilich nicht. Und nach drei Wochen Praxis, sagt der Hersteller, könne man sogar gefahrlos die beiden Stützräder abmontieren. So weit bin ich aber nicht gekommen.

Fazit: Aller Anfang ist schwer. Aber danach ist das Power Wheel ein durchaus praktisches Fortbewegungsmittel mit hohem Spassfaktor. Und Sie ziehen damit mehr Blicke auf sich als in einem Ferrari Cabrio.

Power Wheel X3
Infos:
www.airwheel.net
Erhältlich: u.a. bei Galaxus.ch
Preis: Fr. 999.– (Strassenpreis ab Fr. 649.–)

Bewertung: ★★★★

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have 
★★★★ cool ★★★★★ wegweisend