Der Kampf um die Vormachtstellung bei den Smartphones war noch nie so heftig wie jetzt. Seit der Lancierung des iPhone 6 letzten Herbst hat Apple hier­zulande und weltweit wieder die Marktführerschaft übernommen. Dieser Tage schlägt Samsung mit dem Galaxy S6 ­zurück. Beide Geräte sind radikale Konzeptbrüche mit den Vorgängermodellen.

Im Schatten dieses Zweikampfes fristet der taiwanische Hersteller HTC ein Mauerblümchendasein. Weltweit kommt er auf knapp drei Prozent Marktanteil, in der Schweiz dürften es nicht mehr sein. Nun will HTC mit dem One M9 aufholen. Anders als die beiden Grossen setzt man dabei auf Evolution, nicht auf Revolution.

Russen-Chic oder Grau-in-Grau

Die Hülle des M9 ist vollständig aus Aluminium gefräst (HTC spricht von einem Full Metal Body) und auf der Rückseite aufwendig gebürstet. Die Farbgebung mit Gold auf Silber wirkt edel und, sagen wir mal, auffällig; wem das zu sehr nach Russen-Chic aussieht, der findet auch eine Grau-in-Grau-Variante.

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Der Fünf-Zoll-Bildschirm scheint seltsam klein im Zeitalter von iPhone 6 Plus und Samsung Galaxy Note – wie aus einer ­anderen Epoche. Er begnügt sich ebenso wie der Vorgänger M8 mit Full-HD-Auflösung. Die reicht zwar für den Alltags­gebrauch, manche Konkurrenten bieten jedoch schon die vierfache Auflösung. Noch mehr aber stört mich, dass der Screen des M9 nicht übermässig hell ist.

Selfie-Handy

HTC bewirbt das M9 als Selfie-Handy. In der Tat ist die lichtstarke Frontkamera mit 4 Megapixeln Auflösung und Weit­winkel ideal für Selbstdarsteller. Satte 20 Megapixel bietet die Hauptkamera. Bei schwachem Umgebungslicht hat sie allerdings ganz schön zu kämpfen, der Autofokus ist langsam, und ein optischer Bildstabilisator fehlt ganz.

Gut gefällt mir der Sound des M9: Dank eingebautem Verstärker, Stereolautsprecher und Dolby Audio Surround können Sie spielend das ganze Tram beschallen. Im Alltagseinsatz wird dem Handy spürbar warm ums Herz – es liegt am Prozessor, der mehr als genug Rechenpower liefert. Trotzdem reicht der Akku für immerhin eineinhalb bis zwei Tage. Schade, ist das Gerät nicht wasserdicht.

Auch Gadgets wie Fingerabdrucksensor, Pulsmesser oder drahtloses Aufladen sucht man vergeblich. Clever dafür die Benutzeroberfläche Sense, die HTC über Android legt. Sie zeigt je nach Standort automatisch die meistbenutzten Apps an: Im Büro sind etwa Kalender und Tabellenkalkulation im Schnellzugriff, unterwegs die Fahrplan-App, daheim Facebook und YouTube.

Fazit: Das HTC One M9 ist ein wertiges Smartphone. Technisch hinkt es der Konkurrenz in einigen Punkten hinterher, ist dabei aber nicht günstiger. Dass das reicht, die Vormachtstellung von Apple und Samsung zu durchbrechen, bezweifle ich.

HTC One M9
Infos:
www.htc.com/ch-de
Erhältlich: im Fachhandel
Preis: Fr. 799.– 

Bewertung:★★★

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have 
★★★★ cool ★★★★★ wegweisend