Apple-Computer sind selten Vorreiter in dem, was sie haben, dafür umso häufiger in dem, was sie weglassen. Nicht nur in Sachen Optik – keiner hat die minima­listische Design-Philosophie von Dieter Rams so konsequent umgesetzt wie Apple-Chefdesigner Jonathan Ive. Auch, was die Hardware betrifft. Der erste iMac machte 1998 Schluss mit der Floppy Disk. Das MacBook Air schaffte 2008 das CD-Laufwerk ab, das Netzwerkkabel und den austauschbaren Akku. Das MacBook ein Jahr später killte Firewire. Jedes Mal war der Aufschrei gross.

Nun präsentiert Apple wieder ein ­radikales Gerät. Nicht nur, was die Optik angeht. Auch, was die Hardware betrifft. Das neue MacBook ist mit 926 Gramm extrem leicht für ein ausgewachsenes Notebook, und mit 13,1 mm Dicke (man müsste das Wort in Anführungszeichen setzen) dünner als mein iPad Air mit angesteckter Logitech-Tastatur. Ich bin kein Apple-Fan, bei diesem Gerät aber ist es Liebe auf den ersten Blick: Das Gehäuse wirkt elegant, wunderbar wertig und sehr stabil. Mein Testgerät kam in Mausgrau, pardon, Space Grey daher, eine Farbe, die Verschmutzungen und Fingerabdrücke dankbar aufnimmt. Es gibt auch eine Variante in Silber und eine in Gold – die ausnahmsweise nicht nach kitschigem Russian Chic aussieht.

Zwölf-Zoll-Schirm mit auf­fallend dünnem Rand

Im sehr kompakten Gehäuse steckt ein prima Zwölf-Zoll-Schirm mit auf­fallend dünnem Rand. Ausserdem eine normal grosse Tastatur. Ihr Tastenhub ist sehr gering, man gewöhnt sich jedoch bald daran. Nur die winzigen Scroll-Tasten nerven. Das Touchpad erkennt die Druckstärke und simuliert mittels Elektromagnet einen Widerstand wie beim Mausklick. Klasse!

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Die Stereolautsprecher geben einen erstaunlich guten Sound wieder, weniger gefällt mir aber die miese Webcam. Der Prozessor ist nur mässig leistungsfähig. Das heisst einerseits, dass das MacBook wenig geeignet ist für Videobearbeitung oder Hardcore Gaming. Und anderseits, dass das Gerät keinen Lüfter braucht und absolut geräuschlos ist. Die Batterie reicht für maximal neun Stunden, also knapp einen Arbeitstag.

Und damit sind wir beim radikalen Teil des MacBooks. Es hat alle Schnittstellen abgeschafft – bis auf eine: Ein USB-C-Port dient zum Laden, zum Datenaustausch und zum Anschluss externer Geräte. Noch ist der Standard nicht verbreitet, noch braucht es – teure – Adapter, um alte Geräte anzuschliessen. Aber bald wird das ganz normal sein. Wie jedes Mal.

Fazit: Das MacBook ist das, was der Smart 1998 bei den Autos war: ein radikales Konzept für die Early ­Adopters. Wer mit den Einschränkungen leben kann, findet im MacBook einen tollen Zweitwagen, sorry: Zweitcomputer.

Apple MacBook
Infos und Bestellung bei: www.apple.com/chde/macbook
Preis: Fr. 1399.–

Bewertung: ★★★★

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★ cool ★★★★★ wegweisend