In Lugano soll 2016 der erste Grosse Preis der Formel E auf Schweizer Boden ausgetragen werden. Doch nicht alle Bewohner sind vom Wettkampf der elektrischen Rennboliden in der eigenen Innenstadt angetan. Der Luganeser Stadtpräsident besänftigte am Dienstag vor Medienvertretern die Gemüter.

Eine Rennstrecke in direkter Innenstadtnähe, das kennt man bei der Formel 1 nur von Monte Carlo. Die komplett auf elektrische Fahrzeuge setzende Formel E dagegen machte schon in Berlin und London Halt.

Ausnahmeregelung für Lugano

Nun soll der emissionsarme Rennzirkus ab 2016 in Lugano ausgetragen werden. Es wäre das erste Automobilrennen von internationaler Bedeutung in der Schweiz seit über 60 Jahren, sagte der Stadtpräsident Luganos Marco Borradori am Dienstag vor Medienvertretern.

Das Schweizer Recht verbiete eigentlich die Ausrichtung von Automobilrennen – Lugano habe aber eine «Ausnahmebewilligung» vom Bundesamt für Verkehr erhalten. Auch New York und Montreal hätten sich für die Austragung im Jahr 2016 beworben, so Borradori.

Nebeneffekt für Veloverkehr

Die Luganeser Sektion der SP kritisierte in einer Mitteilung, dass die Stadt grosse finanzielle Risiken für das Projekt eingehe. Und dies in einer Zeit, in der in vielen sozialen Bereichen der Rotstift angesetzt werde. Fraglich sei zudem, warum für die Errichtung der Rennstrecke in der Innenstadt Bäume gefällt werden müssten.

Die Luganeser Stadtregierung reagierte am Dienstagnachmittag auf die Vorwürfe aus dem linken Lager: Der Rennstart werde in eine andere Strasse verschoben, so dass keiner der «11 bis 12 gefährdeten Bäume» abgeholzt werden müsse, sagte Borradori. Die Vorbereitungsarbeiten für die Formel E böten ausserdem die Gelegenheit, die Stadt besser für den Veloverkehr auszubauen. Borradori sprach von einem «Paradigmenwechsel» für die Stadt Lugano, den die Formel E einläuten könnte.

Noch die Hälfte der benötigten Gelder fehlen

Bis es soweit ist, müsse die Stadt aber noch bis zum 30. November weitere Sponsorengelder auftreiben – aktuell seien 50 Prozent der nötigen Mittel vorhanden. Die Gesamtkosten für ein Formel-E-Rennen beliefen sich auf neun Millionen Franken, sagte ein Sprecher der Stadtregierung auf Anfrage.

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Der internationale Automobilverband Fia habe ausserdem ein entscheidendes Wort mitzureden, ob und in welcher Form der von der Stadt Lugano vorgeschlagene Parcours zertifiziert werde kann. Lugano müsse sich über den Schweizer Verband «Auto Sport Schweiz» für die Austragung eines Grossen Preises bewerben. Lugano besitze aktuell aber das Exklusivrecht für einen Formel E-Wettbewerb in der Schweiz.

Das erste Rennen der aktuellen Formel E-Saison gewann übrigens der Schweizer Sébastian Buemi am vergangenen Samstag in Peking.

(sda/jfr)