Die meisten Menschen verfolgen ein Leben lang eine Karriere, Thomas Matter fängt mit 45 Jahren bereits die dritte an. Zuerst war er Banker, dann Investor, nun will er in der Politik durchstarten. Seine Bekanntheit und seine Kontakte in Politik und Wirtschaft erlauben es ihm, das übliche Hochdienen durch Gemeinde- und Kantonsparlamente zu umgehen und direkt einen Sitz im Nationalrat anzupeilen. An der Delegiertenversammlung der SVP Ende Mai will sich der Baselbieter für den Kanton Zürich auf eine Wahlliste setzen lassen.

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Das gleiche Ansinnen hat Mobilezone-GründerHans-Ulrich Lehmann, auch er ein schwerreicher Unternehmer. Angesichts der von der BILANZ geschätzten Vermögen von 100 bis 200 Millionen Franken (Matter) und 200 bis 300 Millionen Franken (Lehmann) können die beiden den Wahlkampf praktisch aus der Kaffeekasse bezahlen.

Matter interessierte sich schon immer für Politik, ist aber erst letztes Jahr bei seinem Umzug der SVP beigetreten. «Die SVP ist heute die einzige Partei, die einen wirklich bürgerlichen Kurs verfolgt», sagt er. Mehrmals hat er sich politisch hervorgetan, etwa durch die Gründung der «IG Schweizer Unternehmer gegen wirtschaftsfeindliche Initiativen», mit der er erfolgreich die Steuergerechtigkeitsinitative der SP bekämpfte.

Die Freunde

Die junge Wirtschaftselite hat ihre eigenen Zirkel geschaffen, um sich auszutauschen. Thomas «Tommy» Matter gehörte zu den treibenden Kräften des Entrepreneurs’ Roundtable und des Clubs zum Rennweg, wo er auch Aktionär ist. Dies zusammen mitPhilippe Gaydoul, der ihn in den Verwaltungsrat der Gaydoul Holding geholt hat. Die beiden sind über gemeinsame Beteiligungen wie die Uhrenfirma Hanhart, das Schuhlabel Navyboot und die Neue Helvetische Bank verbunden. Auch Lotus-ChefDany Bahar, InvestorDaniel Aegerter, RechtsanwaltThomas Ladner, HeadhunterPascal Forster, Asset ManagerDaniel Riediker, Event-OrganisatorHans-Jürg Rufener und der IndustrielleAlex Wassmer gehören zum harten Kern. UBS-ManagerSergio Ermotti, der als Nachfolger vonOswald Grübel an der UBS-Spitze gehandelt wird, war Anfang der neunziger Jahre Matters Chef bei Merrill Lynch; mit ihm hat Matter immer noch Kontakt. An der Spitze der Neuen Helvetischen Bank platzierte er seinen langjährigen WeggefährtenDaniel Hefti. Mitaktionär ist der frühere UBS-ChefMarcel Rohner. Zur «Weltwoche» hat er viaRoger Köppel einen guten Draht, zur «SonntagsZeitung» viaMartin Spieler. Zu Matters Freundeskreis gehören auch BandleaderPepe Lienhard, der am gleichen Tag wie er Geburtstag hat, und dessen ManagerFreddy Burger.

Die SVP-Connection

Für einen Quereinsteiger ist der Banker in der SVP bestens etabliert. MitPeter Spuhler ist er befreundet und engagiert sich in der «IG Schweizer Unternehmer gegen wirtschaftsfeindliche Initiativen». Auch mit SVP-StrategeChristoph Mörgeli, dem Zürcher Kantonalpräsidenten Alfred Heer und dem TransportunternehmerUlrich Giezendanner tauscht er sich aus.Roberto Martullo, Ehemann vonMagdalena Martullo-Blocher und Schwiegersohn vonChristoph Blocher, ist als Präsident der SVP Meilen Matters direkter politischer Vorgesetzter. SVP-FinanzfachmannHans Kaufmann war einst Verwaltungsrat von Matters Swissfirst Bank. Zum Gedankenaustausch trifft sich Matter mit FDP-Doyen Ulrich Bremi. Kumpelhaft ist das Verhältnis zu FDP-NationalratFilippo Leutenegger. Schon öfters gingen die Väter mit ihren Kindern zelten – ihr Motto: «No woman, no cry.» Zum Tross gesellten sich Radiopionier Roger Schawinski undFrank Baumann, künstlerischer Direktor des Arosa Humor-Festivals, mit Kindern.

Die Gegner

Durch das Buch «Swissfirst – die verlorene Ehre einer Schweizer Bank» schloss Matter mit dem medialen und juristischen Rummel um das Ende seiner Bank Swissfirst ab. Nach Wirren um einen angeblichen Pensionskassenskandal zog er sich im Sommer 2006 zurück. InvestorRumen Hranov, der die PK-Affäre mit PR-BeraterSacha Wigdorovits lostrat, und er gehen sich aus dem Weg. Zu den ehemaligen Partnern, den Chefs der Bank am Bellevue –Martin Bisang, Hans-Jörg Graf undDaniel Schlatter –, ist sein Verhältnis «neutral» (Matter), obschon Kollegen fanden, Matter sei während der Affäre von ihnen im Regen stehen gelassen worden. Entspannt hat sich der Umgang mit dem Verlagshaus Ringier, seit ChefWerner De Schepper den «Blick» verlassen hat und Matters Vertrauensmann Marc Walder für eine grossflächige Entschuldigung sorgte. Weiterhin getrübt ist dagegen die Beziehung zur «NZZ am Sonntag» unter ChefredaktorFelix Müller. Abgewendet hat sich Matter vom Basler RechtsanwaltMartin Wagner, dem früheren Swissfirst-Vizepräsidenten, der sich während der Schlammschlacht öffentlich von Swissfirst distanziert hatte. Wagner sitzt im VR von Axel Springer Schweiz, Herausgeberin der BILANZ.

Die Familie

Matter ist in Sissach BL in gutbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen. VaterPeter gehörte als Chief Treasurer von Roche zum Kreis um Roche-FinanzchefHenri B. Meier und unterhielt beste Beziehungen zu BankerMartin Ebner und UnternehmerChristoph Blocher. Sein jüngerer BruderSamuel ist Partner einer Vermögensverwaltungsgesellschaft, der ältere,Frank, hat eine Filmproduktionsfirma in Basel. Fernseh- und RadiodirektorRuedi Matter ist sein Coucousin. Mit seiner zweiten Frau Marion und der kleinen Tochter ist Matter letztes Jahr von Zug nach Meilen an den Zürichsee umgezogen. Seine frühere EhefrauIsabelle, mit der er drei Töchter hat, wohnt in Küsnacht und politisiert in der FDP.

Seine Beteiligungen

Mit seiner Matter Group – Firmenlogo ist das Familienwappen – investiert der Banker in schweizerische und ausländische Unternehmen. Zum Portfolio gehören die Zahnklinikkette der SchwesternHaleh und Golnar Abivardi, der Fernsehsender 3+ vonDominik Kaiser, der für Tele Züri bietet, oder die von Swissmem-PräsidentHans Hess geleitete Technologiefirma Comet. Bei Swissquote vonMarc Bürki verliess Matter der Instinkt: «Ich verdiente gut, aber verkaufte zu früh.»