Er war vom ersten Moment an Wunschkandidat des Finma-Verwaltungsrats. Als bisheriger Vize und engster Mitarbeiter von Patrick Raaflaub, der die Finanzaufsichtsbehörde ab 2009 mit harter Hand führte, verkörpert der gebürtige Brite Mark Branson Kontinuität. Doch dann bremste Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf die vorgespurte Wahl, indem sie forderte, der Wahlprozess müsse ausgeweitet werden. Dies ­allerdings mehr aus grundsätzlichen Erwägungen, gilt das persönliche Verhältnis der beiden doch als gut.

Fachlich dürften wenige Kandidaten gegen Branson ­bestehen können, der sich mit seiner Dossiersicherheit und seinem grossen Einsatz als Leiter des Geschäftsbereichs Banken selbst bei den Beaufsichtigten Respekt verschafft hat. Dies nicht nur bei den Grossbanken, sondern auch bei den kleineren Instituten, die anfangs befüchteten, der Ex-UBS-Banker würde ihre Anliegen weniger verstehen. Aus dem Umfeld der Finma verlautet denn auch, dass die definitive Wahl Bransons schon bald erfolgen dürfte. Deutsch spricht der Brite inzwischen sehr gut, wie sein Auftritt an öffentlichen Podiumsdiskussionen jüngst zeigte. Noch zu Beginn seiner Finma-Zeit stand er dem VR auf Englisch Red und Antwort. Wunschkandidat ist er auch bei vielen Mitarbeitern, die seine Unaufgeregtheit als Chef schätzen.

Die Weggefährten

Mit seinem Ex-Chef Patrick Raaflaub hatte Mark Branson ein enges Vertrauensverhältnis, alle wichtigen Dossiers betreuten sie gemeinsam. Die beiden denken in aufsichtsrechtlichen Fragen ähnlich, sind allerdings unterschiedliche Typen: Der abgeklärte Brite gilt als weit weniger verbissen als Raaflaub. Kennen gelernt haben sie sich erst bei der Finma. Enge Mitarbeiter waren stets Ursula La Roche und Michael Loretan, die im Rahmen der Bankenaufsicht für die UBS und die CS zuständig sind.

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Wichtigster beruflicher Förderer in Bransons Zeit vor der Finma war der ehemalige UBS-Chef Luqman Arnold, der seiner Karriere bei der Grossbank mit mehreren Beförderungen Schub gab. Man kannte sich aus Projekten bei der UBS-Investmentbank SBC Warburg, wo Branson 1997 eingetreten war. Dort traf er auch auf den damaligen COO David Solo, der heute als CEO des ­Vermögensverwalters GAM wirkt. Später betraut mit den Marketingaktivitäten der UBS, war Branson auch für das Segelteam ­Alinghi von Ex-Serono-Chef und Ex-UBS-Verwaltungsrat Ernesto Bertarelli zuständig. Als ­Präsident des UBS Verbier Festivals entwickelte er ein gutes Verhältnis zu Gründer Martin Engström, mit dem ihn die Begeisterung für klassische Musik verbindet.

Die Karriere

Finma-Präsidentin Anne Héritier Lachat hat Branson nicht nur aktuell als Nachfolger von Raaflaub portiert, sie spielte auch als einfaches VR-Mitglied bei seinem Eintritt eine wichtige Rolle, war sie doch Mitglied des internen Nominationsausschusses. Bundesrat Hans-Rudolf Merz musste das hohe Lohnpaket absegnen, das Ex-Banker Branson bei der Finma bekommen sollte – auch wenn sein Salär von etwa 500 000 Franken ­eine Einbusse gegenüber dem UBS-Lohn bedeutete.

Bei der UBS war Branson über lange Zeit zuständig für die Vereinheitlichung der verschiedenen Marken im Haus, eines der ­bevorzugten Dossiers des damaligen CEO Peter Wuffli. Im Jahr 2006 schickte ihn Wuffli wieder an die Front, als Chef der UBS in ­Japan. Dort sollte Händler Tom Hayes der Bank den Libor-Skandal einbrocken, der auch auf Branson zurückfiel. Die betroffenen Händler rapportierten ­allerdings nicht an ihn, interne Untersuchungen wiesen Branson keine Verantwortung für den Skandal nach. Auch persönlich kannte Branson Hayes nicht.

Die Familie

Mark Branson, geboren 1968, ist britischer Staatsbürger und wuchs in der Grafschaft Essex auf. Er studierte in Cambridge Mathematik und Management Studies und erwarb an der Universität Lancaster einen Master in Operational Research. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder, die Familie lebt in der Nähe von Zürich.

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Bransons Gattin ist Orchester­musikerin. Entsprechend interessiert er sich sehr für klassische Musik und war in seiner Zeit bei der UBS Chairman der Fondation de L’Orchestre de Verbier. Er gilt als sportlich und hält sich mit Joggen fit, mehrmals ist er Marathonrennen gelaufen. Mark Branson gilt als begeisterter Fussballfan und verfolgt die Clubspiele auf der Insel. Sein Herz schlägt für den Ost­londoner Club West Ham United.

Die Gegenspieler

Mehrere Parlamentarier, etwa CVP-Präsident Christophe Darbellay oder SVP-Nationalrat Thomas Aeschi, haben Zweifel an der Wahl Bransons angemeldet. Vor allem die Tatsache, dass er kein Schweizer ist, stösst auf. Bundesrätin ­Eveline Widmer-Schlumpf forderte, man müsse weitere Kandidaten prüfen, womit sie Spekulationen anheizte. Genannt wurde etwa Daniel Roth, Leiter Rechtsdienst des Finanzdepartements, der aber kein Interesse bekundete.

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Mit Nationalbank-Präsident Thomas Jordan liefert sich die Finma ein Seilziehen um die Vorherrschaft in der Aufsicht. War das Verhältnis von Jordan zu Raaflaub durch Animositäten belastet, ist dafür jenes zu Branson weniger verkrampft. Zu Ex-UBS-Präsident Marcel Ospel, der sich in einen Machtkampf mit Förderer Luqman Arnold verstrickte, hatte Branson ein distanziertes Verhältnis. Nicht zu den «Raaflaub Boys» – wie die Truppe um den Direktor intern genannt wurde – gehörte bei der Finma der langjährige Chefjurist Urs Zulauf, der für den in der Vergangenheit gepflegten kooperativen Umgang mit den Beaufsichtigten stand.

Die UBS-Connection

Eugen Haltiner, Präsident der Finma von 2006 bis Ende 2010, war vorher lange im Group Managing Board der UBS. Man kannte sich, hatte beruflich aber wenig miteinander zu tun. Haltiner soll fachlich stets hohe Stücke auf Branson gehalten haben. Vor der Einstellung von Branson per Anfang 2010 gab es ein Assessment in Zürich, nach Vorschlägen von Headhunter Egon Zehnder.

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Der Verwaltungsrat sprach sich einstimmig für Branson aus. Eng war die Zusammenarbeit mit dem heutigen Finma-VR Joseph Rickenbacher, der von 2009 bis 2010 Chief Risk Officer im Bereich Wealth Management der UBS war, wo Branson nach 2008 als Finanzchef wirkte. Rickenbacher wechselte erst 2011 zur Finma, war bei der Anstellung von Branson ­also nicht involviert.