Dieser Tage feiert Jörg Eugster ein kleines ­Firmenjubiläum. Eines der augenfälligeren Sorte: Seit zehn Jahren trägt der Ostschweizer den immer gleichen Brillen-­Typ. Mit der immer gleichen Gestellfarbe: Türkis.

Für den Autor und Keynote-Speaker mit Fokus Digitalisierung ist die Brille weit mehr als nur eine Sehhilfe. Der türkise Gesichtstupfer sei ein «unglaublich starker und wirkungsvoller Eyecatcher», sagt Eugster. Was seinem Geschäft zugute komme: «Das steigert meinen Wiedererkennungswert.»

Dem brillentechnischen Zufall überlässt Eugster, der dem Türkis-­Look auch mit gleichfarbigen Socken, Krawatten und Unterhosen huldigt, nichts: «Ich habe immer zwei türkis Gleitsicht­brillen ­sowie etwa zehn Sonnenbrillen in Türkis ­vorrätig. Mit einer anderen Farbe auffallen wäre meinem Wiedererkennungswert abträglich.

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Statement-Brillen für Autorität

Dass Wirtschaftskapitäne, Politiker und andere Meinungsführer ihren «Face Value» mit Statement-Brillen steigern wollen, ist weitverbreitet. Das sieht auch Carmen Waldburger so: «Viele versuchen, mit ­starken Fassungen einen Ausdruck von ­Dominanz zu erreichen. Aber wer natür­liche Autorität hat, muss das eigentlich nicht zusätzlich per Brille herausstreichen.»

Für die «Handelszeitung» hat Waldburger, Visilab-Optikerin und Leiterin des Moduls Brille in der Ausbildung beim Schweizer Fachverband für Farb-, Stil- und Imageberater/-innen FSFM, ein Sextett auffälliger Brillenköpfe unter die Lupe genommen.

Waldburger nennt drei Regeln, damit der Mehrwert im Gesicht ­tatsächlich zum Tragen kommt. Nummer eins: «Man sollte die Augenbrauen sehen. Ohne Augenbrauen spielt die Mimik nicht.» Nummer zwei: «Die Brille sollte zur persönlichen Gesichtsform passen. Eine Brille wirkt dann unaufdringlich und harmonisch, wenn sie so breit ist wie die breiteste Stelle im Gesicht, beispielsweise Wangenknochen oder Unterkiefer.»

Gesichtsharmonie als oberstes Gebot

Aufpassen müsse beispielsweise, wer ein sogenanntes Trapez-Gesicht habe. Also ein Gesicht, das sich gegen unten verbreitert: «Wenn sich hier die Brille gegen unten verschmälert, wird damit das breite Kinn unnötig betont. Unschön.» Weil im Berufsleben oft der erste Eindruck entscheidet, betrifft Waldburgers Tipp Nummer drei das Thema «Gesichtsharmonie»: Um beim Gegenüber eine schnellstmögliche Harmonie zu erzeugen, «sollten Form und Farbe des Brillengestells zu Haar- und Augenfarbe passen. Und bei Damen auch zum Lippenstift.»

Portrait von Carmen Waldburger

Carmen Waldburger, Visilab-Optikerin und Leiterin des Moduls Brille beim Schweizer Fachverband für Farb-, Stil- und Imageberater/-innen FSFM. 

Quelle: ZVG

Dass Jörg Eugster sein Farb-Ensemble demnächst auch noch mit türkis Lippenstift aufpeppt, darf ausgeschlossen werden. Aber der Brillen-Typus bis ins Jahr 2030 ist gesetzt: «Ich werde bestimmt die nächsten zehn Jahre mit türkiser Brille und in türkisen Kleidern herumlaufen. Das ist so stark mit meiner Person verknüpft, dass ich so ­etwas Positives nicht mehr aufgeben darf.»

So viel strategische Brillen-Durchdachtheit macht zunächst fast sprachlos. Was sagt man da? Vielleicht dies: Brille: Zielmann.