BMW oder nicht? Diese Frage mag sich so mancher Anhänger der weiss-blauen Marke stellen, wenn er sich die technischen Angaben des neuen 2er Active Tourer anschaut. Was BMW-Fans beim Kompaktvan besonders in die Nase sticht, ist der Frontantrieb. Mit diesem bahnt sich ein grundlegender Wechsel an. Schliesslich wurden die Münchner bisher nicht müde, die Fahrcharakteristik ihrer heckgetriebenen Modelle bei jeder sich bietenden Gelegenheit als einzigartig zu betonen.

Es stellt sich zudem die Frage, wa­rum BMW mit ihrer Kernmarke auch noch in diesen Bereich vorstösst, wenn sie doch mit dem zur Gruppe gehörenden Mini bereits dort mitspielt? Und warum Frontantrieb, wenn die Plattform bereits für den Allradler ausgelegt ist, also die Kardanwelle nach hinten sowieso eingeplant ist?

«Neue Kunden ansprechen»

Die offizielle Antwort aus München: «Wir wollen neue Kunden ansprechen.» Etwas unverblümter sagt es ein Manager in einem Gespräch unter vier Augen: «Volumen, Volumen, Volumen.»

Es wäre aber zu einfach, zu behaupten, das allein sei ausschlaggebend. Die BMW-Gruppe blickt auf ein Rekordjahr zurück, hat ihre Erzrivalen Audi und Mercedes distanziert und zudem noch die 2-Millionen-Grenze bei der Produktion überschritten. Die Mitbewerber aber geben jetzt angestachelt Gas, nicht zuletzt mit ihren frontgetriebenen Kompaktwagen. BMW will bewusst in diesem Segment dagegenhalten und so seine Spitzenposi­tion innerhalb des Dreigestirns der deutschen Edelmarken verteidigen.

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Mit Blick auf fremde Märkte

Die Strategie der Münchner hat Konsequenzen, zumindest was das Markenbild betrifft. Denn BMW beginnt mit dem Frontantrieb seine bis jetzt geltende Markenphilosophie zu verwässern – wenn auch nur am Rande. Und woher sollen die Kunden kommen? Wohl nicht aus der eigenen Gruppe und auch nicht von Audi oder Mercedes. Vielmehr schielt München auf Familien mit Kindern, die mit dem Gedanken spielen könnten, im mittleren Preissegment zur Prestigemarke aus Bayern zu wechseln.

Wenn BMW mit dem 2er Active Tourer auf neue Kunden hofft, die bisher einem Kompaktvan von Opel, Ford, Hyundai und Co. den Vorzug gaben, schliesst das mit ein, dass diese Klientel willens ist, um einiges tiefer als bisher in die Tasche zu greifen. Eine Kalkulation, die nur aufgehen kann, wenn sich die Konjunktur weiter stabilisiert. Ein anderer Faktor bei diesen Überlegungen ist die wachsende Mittelschicht in den Schwellenländern, für die das Label aus München für sich gesehen wohl mehr zählt als die technische Frage nach Heck- oder Frontantrieb.

Wer den 2er Active Tourer beurteilen und die Frage «BMW oder nicht?» beantworten will, darf sich aber nicht ausschliesslich auf den Antrieb beschränken. Ein Blick auf Ausstattung und Verarbeitung macht klar: Dort werden die Weiss-Blauen ihrem Qualitätsanspruch gerecht. Der 4,34 Meter lange Kompaktwagen präsentiert sich im Innenraum als echter BMW. Hochwertige Materialien werden für die Verkleidung ausgewählt und eine sorgfältige Verarbeitung prägt das Bild, nicht nur im Top-Modell 225i.

Hoher Verarbeitungsstandard

Zudem präsentiert sich der Innenraum erstaunlich geräumig. Die Rückbank ist für drei Personen (zwei Erwachsene, ein Kind in der Mitte) ausgelegt. Sie kann in der Längsachse verschoben werden, die Lehnen der drei Sitze lassen sich im Verhältnis 40 : 20 : 40 umlegen.

Als Motoren kommen in der Schweiz vorerst drei Varianten zum Einsatz, zwei Benziner (218i/136 PS; 225i/231 PS) und ein Diesel (218d/ 150 PS). Für die Kraftübertragung sorgt eine Achtstufen-Automatik (im 225i Serienausstattung). Ein wichtiger Punkt ist für BMW – neben Qualität und Komfort – das Fahrverhalten. Die Ingenieure haben für den Frontantrieb einen hohen Aufwand ge­trieben. Doch ganz verleugnen lassen sich die angetriebenen Front­räder nicht, vor allem beim Beschleunigen.

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BMW 2er Active Tourer

Preis Die Basis­preise beginnen bei 38 800 Franken und enden bei 46 900 Franken – ohne Optionen wohlgemerkt.

Motoren Diese sind BMW-like, die ­Verbrauchswerte aber verbesserungsbedürftig. Das Top-Modell 225i schluckt für 100 Kilometer gegen 8 Liter Treibstoff und ist damit um gut 2 Liter vom angegebenen Verbrauch aus dem EU-Zyklus entfernt.

Auftritt Grosse Rückleuchten prägen die Ansicht von hinten.

Stauraum Die maximal 1510 Liter sind bei Kompaktvans ein wichtiges Kaufelement.

Innenraum Hochwertige Materialien und sorgfältige Verarbeitung.