Fünf sollen es sein, besser noch zehn – bei Krawatten ist es wie bei Unterhosen: Zwei Tage hintereinander die gleiche tragen, ziemt sich nicht. Ebenso gehört eine kleine Sonderkollek­tion für besondere Anlässe wie Opern­besuche, Jubiläen, aber auch Beerdigungen in den Schrank des stilvollen Mannes.

Da Krawatten jedoch wie alle übrigen Kleidungsstücke aktuellen Trends unterliegen, ist es nicht immer einfach, die passende zu finden. Welche Form? Welches Muster? Und wie am Ende Jackett, Hemd, Einstecktuch und Krawatte optimal kombinieren? Einer, der darauf eine fachkundige Antwort weiss, ist Santo Terranova, Verkaufsleiter bei Bernie’s. Beim Besuch an der Zürcher Usteristrasse 12 erklärt er uns daher die wichtigsten Regeln in Bezug auf den richtigen Binder.

«Trug der Mann in der letzten Saison noch schmale Krawatten, gilt in diesem Jahr die mittlere Breite als Normmass», sagt der Experte. «Dies bedeutet in Zahlen etwa 8 Zentimeter.» Bei der Länge sind 145 Zentimeter Standard, wobei es auch für grosse oder sehr beleibte Männer Exemplare mit 155 Zentimetern gibt.

Eine gute Krawatte ist zudem immer von Hand geschnitten und vernäht und natürlich aus Seide. «90 Prozent der weltweiten Produktion kommen aus Italien, der Rest aus England», weiss Santo Terranova. «Wichtig bei der Fertigung ist, dass ein einfarbiges Seidenfutter mit eingenäht wird. Nur dieses sorgt am Ende dafür, dass die Krawatte sich gut binden lässt und optimal fällt.» Alternativ kann als Futter aber auch das gleiche Material wie beim Binder selbst gewählt werden; dies wird dann «Self Tipped» genannt.

Bei Farben und Mustern ist fast alles ­erlaubt, solange sie nicht aus der Comic-Welt stammen und mit Hemd und Jackett ein harmonisches Trio bilden. Dazu der Verkaufsleiter: «Ist die Krawatte laut, muss das Hemd leise sein und umgekehrt.» Pflicht ist auf jeden Fall eine Pochette (Einstecktuch), die sich farblich in einem weiteren Teil des Outfits wiederfindet; ­optimalerweise im Hemd.

Beim Binden gibt es laut einer Studie von zwei Physikern der Universität in Cambridge über 80 verschiedene Möglichkeiten. In diesem Jahr ist der Four-in-Hand, welcher auch als einfacher Knoten ­bekannt ist, die beste Wahl. Gleiches gilt für den halben Windsor. Da die Krawatte sich in der Regel unter den Hemdkragen schmiegt, sollte dieser auch bei der Wahl des richtigen Knotens beachtet werden. Die Faustregel hier: Je breiter der Kragen, desto breiter sollte auch die Krawatte sein, wobei der diesjährige Trend wieder zur mittleren Breite tendiert. Und bei der ­Länge stösst die Spitze des richtig gebundenen Binders auf den Gürtel. Dies gilt für jeden Mann, gleich welcher Statur.

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Damit die Freude an der neuen Krawatte lange erhalten bleibt, sollte diese nach jedem Tragen aufgeknotet und anschliessend immer hängend oder aufgerollt in der Schublade aufbewahrt werden. Ist sie doch einmal zerknittert, einfach das heisse Bügeleisen dicht über der Krawatte entlangführen. Alternativ kann die Krawatte auch auf einen Bügel gehängt in der Nähe der Dusche deponiert werden. Der heisse Wasserdampf «bügelt» die Seide auf ganz natürliche und vor allem schonende Art und Weise.

Abschliessend der Tipp: Unliebsamen Flecken wie Wein, Tomtensauce oder ­Eigelb sollte man behutsam zu Leibe rücken. Saucenspritzer nur vorsichtig mit ­einer Serviette wegtupfen und darauf achten, die Flecken nicht noch tiefer in den Stoff einzureiben. Der gelbe Klecks des Frühstückseis und ähnliche Substanzen können am einfachsten mit einem sau­beren Messerrücken abgekratzt werden. ­Anschliessend sollte die Krawatte in der Reinigung professionell gesäubert werden. Und wenn die nächste Reinigung auf Reisen nicht in Reichweite liegt: Helle Krawatten lieber im Schrank lassen. Kleinste Kleckser stellen diese Binder sofort in den Schatten.

Santo Terranova ist seit Ende 2011 für die exklusive Schweizer ­Modekette Bernie’s als Einkäufer für den Herrenbereich zuständig. ­Zuvor war er fast 20 Jahre als ­Modeberater und Filialleiter des Bernie’s Uomo in Zürich tätig.