BMW will sein Profil als Marke für finanziell potente Kunden weiter schärfen. Die Münchner haben in dieser Beziehung ­gegenüber Mitkonkurrent Audi Nachholbedarf. Die VW-Tochter mit den vier Ringen lancierte im Winter eine gross angelegte Öffentlichkeitskampagne für ­ihren Allradantrieb. Denn Audi will noch stärker vom Image der sportlichen Allradmarke profitieren, zumal heute jeder dritte in der Schweiz gekaufte Wagen über Vierradantrieb verfügt.

Die Schweiz lässt sich als ­Alpenland für eine Kampagne als Kulisse hervorragend nutzen. In Fernsehspots und auf grossflächigen Plakaten wird die Eid­genossenschaft von Audi als «Land of quattro» vorgestellt. Die BMW-Gruppe ihrerseits hatte von Dezember bis Februar Werbespots geschaltet und der eingeschneiten Schweiz den Namen ­«X-Drive Country» gegeben. Damit wies sie einerseits auf ihren Allradantrieb hin, anderseits auf die technische Kompetenz ihrer Ingenieure, BMW-Modelle besonders für widrige Wetterverhältnisse tauglich zu machen.

Technische Kompetenz und Sicherheit passen zum Selbstverständnis der Bayern. Die Welt von BMW wäre fast vollständig im Lot – wäre da nicht die Quattro-Konkurrenz. Den Begriff Quattro kennt inzwischen die halbe Welt, ebenso den damit verbundenen Slogan «Vorsprung durch Technik».

Vor diesem Hintergrund sind die Anstrengungen der Konkurrenz verständlich, es der Marke mit den vier Ringen gleichzutun – und das durchaus über die Schneesaison hinaus. Letztes Jahr lag Audi mit 22083 neu immatrikulierten Personen­wagen in der Markenrangliste der Schweiz auf Platz zwei, hinter Konzernschwester Volkswagen.

Darauf will BMW, national 2012 die Nummer vier mit 18947 verkauften Autos, reagieren. BMW-Fahrer – und solche, die es werden könnten – sollen hautnah er­leben, was modernste Autotechnik alles kann. BMW macht dies im Sinne von ­Kundenbindung, namentlich der X-Drive Challenge. Diese Veranstaltung soll es nach der diesjährigen Premiere auch im nächsten Winter Kunden wieder ermög­lichen, auf verschneiten Strassen in den Alpen die Leistungsfähigkeit des in München entwickelten Allradantriebs 1:1 zu testen. Heuer führte die Testroute aus dem Mittelland ins tief verschneite En­gadin.

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Für die Autofahrer ist einzig entscheidend, dass sie sowohl mit der Quattro- als auch mit der X-Drive-Technik sicher und komfortabel durch jede Jahreszeit kommen. Während Audi bereits ein um­fas­sendes Quattro-Programm für seine ­Fahrzeugpalette anbietet, zieht nun BMW nach. Nicht nur ihre Fahrzeuge der 1er-, 3er-, 5er-, der X3- und X5-Reihe können mit Allradtechnik bestellt werden, sondern neuerdings auch das 6er-Gran-Coupé wie auch die grossen Limousinen der 7er-­Reihe.

Die Allradtechnik ist im Gran Coupé für das Modell 650i mit dem kraftvollen V8-Benzinmotor und 450 PS Leistung ­lieferbar. Wer die ­gros­se Luxuslimousine bevorzugt, dem stehen Dieselmotoren zur Auswahl (im 730d, 740d und 750d). Die Selbstzünder sind heute in der Oberklasse ­salonfähig geworden. Das war anlässlich der Weltpremiere des Flaggschiffs Ende der 1980er-Jahre undenkbar. Ähnliches gilt für den Verbrauch. Einst lag dieser für die grossen Limousinen zwischen 12 und 20 Litern für 100 Kilometer. Heute sind es für die Dieselversionen – und auch den Allradantrieb – noch 6 bis 8 Liter nach EU-Norm. Die Preisunterschiede zwischen den Heck- und den 4×4-Versionen betragen 1400 (730d) und 6700 Franken (750Li). In der Preiskate­gorie ab 104800 (730d) und 125900 Franken (650i) fallen allerdings solche Preisdifferenzen kaum mehr gross ins Gewicht.

Wer aber hat im technischen Bereich die Nase vorne, BMW oder Audi? Darüber streiten selbst die Experten.