Wissen Sie, wer den Wasserstoffmotor erfunden hat? Ein Japaner? Eben nicht. Es war ein Schweizer aus Martigny. François Isaac de Rivaz erfand den Wasserstoffmotor schon im Jahre 1807.

Was hat seit dieser wundervollen Erfindung zu unserem heutigen Lebensstil geführt, der so extrem vom Erdöl abhängig ist? Ob es um die Mobilität geht, um die Industrialisierung oder um unsere individuellen Bedürfnisse punkto Energie, wir sind gefährlich vom Erdöl und vom Dollar abhängig geworden.

Die Hauptreferenz der Weltwirtschaft ist die US-Staatsanleihe, was den US-Dollar zur weltweiten Leitwährung macht. Vielleicht sind die Entdeckung des schwarzen Goldes in den USA und die damit bis heute liierten Lobbykreise nach wie vor die Ursachen dieser Dominanz.

Wir wollen jedoch auch die Rolle des Ford T, des ersten industriell am Fliessband hergestellten Personenwagens, nicht ganz unterschätzen. «Ich werde ein Auto für die Massen bauen», versprach Henry Ford. Das mit einem Benzinmotor ausgestattete Modell T wurde 1908 für 980 US-Dollar auf den Markt gebracht. 19 Jahre später kostete das Auto dank industrieller Massenproduktion noch 280 Dollar. Kein anderes Auto konnte diesem Angebot ernsthaft die Stirn bieten.

Die Entdeckung des üppig vorhandenen und dadurch günstigen Erdöls bremste die Entwicklung von Projekten, die auf anderen Energien basierten. Doch die Elektroautos mit Wasserstoff als Treibstoff verschwanden nicht vollständig von der Bildfläche. Sie verschwanden nur aus dem kollektiven Bewusstsein – bis die Erdölkrise der siebziger Jahre und die Besorgnis um unsere Umwelt sie wieder auf die Agenda der Prioritäten setzten.

Heute ist es ein Leichtes, einen klassischen Verbrennungsmotor mit alternativen Treibstoffen zu betreiben, darunter auch Wasserstoff. Es gibt sogar Experten, welche die Meinung vertreten, Brennstoffzellen mit Wasserstoff als Treibstoff hätten einen zwei- bis dreimal besseren Wirkungsrad als ein Benzinmotor. Ausgestossen wird dabei Wasserdampf, es gibt keine giftigen Abfallprodukte, und die Motoren laufen leise. Kalifornien plant, 150 bis 200 Wasserstoff-Tankstellen für Fahrzeuge bis ins Jahr 2010 zu bauen. Ein neuer Lebensstil kündigt sich an.

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Erdöl, das am meisten, aber nicht immer am transparentesten gehandelte Gut der Welt, ist in US-Dollars kotiert, was dieser Währung eine schier unumstössliche Stabilität gibt und darüber hinaus die Macht, die Weltwirtschaft entscheidend zu beeinflussen. Gewiss hat der Petrodollar enorm zur Entwicklung unserer Gesellschaft beigetragen – einer Gesellschaft des Überflusses, ja des Überflüssigen. Man kann aber die Frage stellen, ob wir alle profitiert haben, was Wohlstand, Ethik und Ökologie anbelangt.

Denken wir zum Beispiel an einen nigerianischen Arbeiter, der in einem Ölfeld tätig ist. Selbst wenn er unter korrekten Bedingungen engagiert ist, wird sein Lohn auf den Rappen genau in der lokalen Währung entrichtet, derweil die einheimischen oder ausländischen Ölfeldbesitzer sich in Dollars bezahlen lassen. Man kann sich die Marge und den daraus resultierenden Profit vorstellen. Business is Business, niemand wird auf diese Marge verzichten wollen. Und der Graben zwischen Arm und Reich wird weiterhin existieren.

Ausser man erfindet eine weltweite Einheitswährung? Man könnte sie den «Global» nennen. Das Ziel: zum Wohlstand aller Menschen beitragen und den derzeit unanständigen Graben zwischen den gut und den weniger gut Betuchten auf ein akzeptables Mass verringern. Die Herausforderung: eine neue Weltordnung definieren, die in der Lage ist, den «Global» zu verwalten. Ich höre schon Leserinnen und Leser das Wort Uno murmeln, weil die Uno in die Millennium Development Goals investiert. Wie auch immer, eine neue Weltwährung, mit oder ohne Uno, wird die Machtkämpfe und Kriege zwischen den Nationen nicht verhindern. Doch der «Global» würde für unsere globalisierte Welt das gewährleisten, was der Euro für Europa: eine natürliche und voraussehbare Entwicklung.

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Sollte es zum Wechsel von der Petrodollar- zur Hydro-Global-Gesellschaft kommen, würde eine neue Zentral-Global-Bank nötig. Mit Sitz, so hoffe ich, in der Schweiz.

Paola Ghillani war von 1999 bis 2005 CEO der Max-Havelaar-Stiftung. 2005 gründete sie die Paola Ghillani & Friends AG, deren Ziel es ist, die Welt durch nachhaltiges Wirtschaften besser zu machen.