Im November 2013 war Petro Poroschenko Milliardär und voller Zuversicht. Bei einem Treffen des World Economic Forum im Intercontinental Hotel in Kiew stellte der Schokoladenfabrikant in Aussicht, dass das Handelsabkommen zwischen der Ukraine und der Europäischen Union die Konjunktur in der Ukraine ankurbeln würde. Seinem Unternehmen, der Roshen Confectionery Corp. wäre es dann möglich, die Ausfuhren von Schokolade in die EU dramatisch zu steigern.

18 Monate danach ist Poroschenko Präsident der Ukraine. Sein Vermögen ist im gleichen Zeitraum zusammengeschmolzen.

Das Abkommen mit der EU kam nicht zustande, die Wirtschaft des Landes verzeichnete einen Einbruch. Poroschenkos Vermögen verlor rund 30 Prozent an Wert auf etwa 720 Millionen Dollar (639 Millionen Euro), gemäss Berechnungen des Bloomberg Billionaires Index.

Erzeugte Roshen im Jahr 2012 noch 400'000 Tonnen an Süssigkeiten, sank die Produktion in den beiden darauffolgenden Jahren um ein Viertel. In Russland, dem wichtigsten Exportmarkt für Roshen, wurde die Einfuhr der Erzeugnisse des Konzerns verboten. Ein in Russland gelegenes Werk wurde von der Regierung in Moskau beschlagnahmt.

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Offizielle Rolle erschwerte das Geschäft

Das Geschäft von Poroschenko sei durch seine offizielle Rolle schwieriger geworden. Hinzu kommen Entscheidungen, die er als Präsident treffen müsse, sagte Juri Jakymenko, Analyst beim Forschungsinstitut Razumkow Center for Economic and Political Studies in Kiew.

Als er im Vorjahr Wahlkampf führte, versprach Poroschenko Roshen zu verkaufen. Indes, ein Käufer fand sich nicht. Es gebe kaum Interesse an dem Konzern, dessen Wert Poroschenko mit drei Milliarden Dollar beziffert, sagte Roshen-CEO Wjatscheslaw Moskalewski, der auch Minderheitsaktionär ist. «Es ist völlig ausgeschlossen, dass die Gesellschaft derzeit zu diesem Preis verkauft wird», sagte Moskalewski in einem Interview am Firmensitz in Kiew. «Niemand hier ist in der Lage, irgendetwas zu verkaufen.»

«Nachfrage ist ausgeprägt schwach»

Der Hauptgrund dafür liegt in der labilen Lage der ukrainischen Wirtschaft. Im Krieg mit den prorussischen Separatisten sind mehr als 6100 Menschen ums Leben gekommen. Das Land verharrt in einer tiefgreifenden Rezession. Misswirtschaft, Korruption und Bürokratie schrecken mögliche Investoren ab. Ein mit dem Vorgang vertrauter Investmentbanker sagte, lediglich Nestlé SA habe Interesse an Roshen gezeigt, sei aber nicht bereit, mehr als eine Milliarde Dollar zu zahlen. Nestlé gab keinen Kommentar ab.

«Die Gespräche werden fortgesetzt, aber die Nachfrage ist nicht bloss schwach, sie ist ausgeprägt schwach», sagte Boris Loschkin, Leiter der Präsidialverwaltung. «Investoren wollen sich nicht hier ansiedeln», so Loschkin weiter.

Viele haben an Vermögen eingebüsst

Die Krise hat nicht bloss das Vermögen von Poroschenko verringert. Alle Bevölkerungsschichten, von Arbeitern über die Mittelklasse bis zu den Oligarchen sind von der Krise erfasst worden. Das Vermögen des Magnaten Rinat Achmetow etwa mit Interessen im Kohle- und Stahlsektor, die überwiegend in oder in der Nähe der von Rebellen kontrollierten Gebiete liegen, ist nach Schätzungen von Bloomberg Billionaires etwa 7,6 Milliarden Dollar reich. Vor zwei Jahren waren es noch 22,4 Milliarden Dollar.

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Gleichwohl will sich Poroschenko vom Kronjuwel in seinem Firmenkonglomerat, dem 1996 aus mehreren Vorläufergesellschaften geformten Keks-, Backwaren- und Schokoladenhersteller Roshen, nicht trennen. CEO Moskalewski besteht darauf, zu betonen, es sei dem Präsidenten mehr an der Weiterentwicklung als an einem Verkauf gelegen.

Erreichte der Umsatz 2014 noch 730 Millionen Dollar, dürften es dieses Jahr weniger als 500 Millionen Dollar sein. In der Schätzung ist Russland ausgenommen, wo die Situation «zu unabsehbar» sei, sagte Moskalewski. Gleichwohl sind 2015 50 Millionen Dollar für Investitionen vorgesehen. «Ich arbeite hier für das Ziel, Gewinne zu erwirtschaften, nicht für einen Verkauf. Wenn ich ein Haus zum Verkauf baue, dann gehe ich anders vor, als bei einem Haus, in dem ich selbst leben will», umschreibt Moskalewski seine Strategie.

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(bloomberg/ccr)