Die Oberstufen-Schulpflege von Pfäffikon ist auch etwas; insofern ist die Aussage falsch, Rita Fuhrer sei in nur sieben Jahren «aus dem Nichts» an die Spitze der Zürcher Politik aufgestiegen. Beste Wahl als Zürcher Regierungsrätin - der Star der SVP: Aber «lovely Rita» kann auch anders. Die lächelnde Blondine wirft knallhart Polizei- und Kreiskommandanten aus dem Amt, weist Kollegen in die Schranken und lässt sogar Christoph Blochers SVP wissen: «Ich bin unabhängig und will es bleiben.» In die Politik ist sie nach eigenem Bekunden vor allem eingestiegen, «weil ich äusserem Druck nicht nachgegeben habe».

Die Hausfrau
«Sie kann das Unaufgeräumte nicht leiden», sagt Rita Fuhrers neuer SVP-Kollege im Zürcher Regierungsrat, Christian Huber. Sie bestätigt: «Richtig, ich war die mit Abstand längste Zeit in meinem Leben Hausfrau, und ich bin stolz darauf.» Ihr erstes halbwegs politisches Amt war mit knapp 18 Jahren im (katholischen) Pfarreirat von Thal. Damals habe ihr SP-Nationalrätin Doris Morf «unheimlich Eindruck gemacht, vor allem, wenn sie so ungeniert über die Paschamentalität der Männer schimpfte.» In der Zürcher Regierung hat sie Hans Hofmann in guter, Moritz Leuenberger eher als herablassenden Kollegen in Erinnerung. Eric Honegger habe sie als perfekter Gentleman öffentlich unterstützt.

Der Familienclan
«Ich bin ein Familienmensch!» der wichtigste Mann in ihrem Leben ist Fredy Fuhrer, gelernter Elektriker und heute Leiter der Gemeindewerke von Pfäffikon ZH. «Wir sind eine normale Schweizer Mittelstandsfamilie», sagt Rita Fuhrer. Als sie 19 Jahre alt war, stellte sich unverhofft Sohn Mischa (jetzt Bänkler) ein; sie musste ihre Ausbildung zur Hauswirtschaftslehrerin abbrechen. Zuvor hatte sie einen schweren Unfall überstanden. Es folgten schwierige Jahre als - zumindest auf dem Papier - ledige Mutter. Die Söhne Thomas (Medizinstudent) und Fabian (KV-Stift) folgten 1978 und 1981. Ritas Vater Josef Honegger, Bankverwalter in Thal SG und CVP-nahe, hatte seiner Tochter den politischen Virus vererbt.

Die Gegner
Ein Mädchen von 17 jahren hat Rita Fuhrer in die schwierigste Lage ihres politischen Lebens gebracht: Anja Peter aus Winterthur, Wortführerin in der Kontroverse um die von Rita Fuhrer zunächst mit grosser Härte durchgesetzte Ausschaffung bosnischer Jugendlicher. Die wortgewandte Schülerin brachte die Politikerin vor der Kamera des «Ziischtigs-Clubs» derart in Verlegenheit, dass Rita Fuhrer nach der Sendung in Tränen ausbrach. Was die bisher gefährlichste Pirouette in ihrem Politikerinnenleben gewesen war, will sie auch heute vor allem als «Kommunikationsfehler» sehen. Wenn sie angegriffen wird, reagiert Rita Fuhrer mit kalter Härte. Kantonspolizei-Kommandant Eugen Thomann und der Winterthurer Kreiskommandant Paul Matter haben es erfahren; sie wurden schlicht rausgeschmissen. In der Polizeiaffäre hat Rita Fuhrer brilliert, in der anderen Sache steht die Klärung bislang noch aus. Jugendanwalt Martin Bornhauser, SP-Kantonsrat aus Uster, urteilt unerbittlich: «Wäre es nach ihrer Wohngemeinde gegangen, wäre sie 1995 nicht gewählt worden. Die Leute haben sie eben gekannt.» Rita Fuhrer politisiere aus vorgefassten Meinungen heraus, extrem personen- und wenig sachorientiert. Dem widerspricht Frau Fuhrer mit aller Vehemenz: «Nicht die Ergebnisse von 1995 sind massgebend; damals haben mich die Leute halt nicht in der Rolle der Regierungsfrau gesehen. Dieses Jahr bin ich auch in Pfäffikon gut gewählt worden. Ich kann gut zwischen persönlicher und sachlicher Kritik unterscheiden. Diese ist unter der Gürtellinie.»

Der Oberländer
Er wehrt sich, zu ihren Gegnern gezählt zu werden, obwohl er kein Freund ist: FDP-Nationalrat und Chefredaktor Oscar Fritschi. Für seinen «Zürcher Oberländer» war Rita Fuhrer lange als freie Mitarbeiterin unterwegs. Carl Bertschinger, das alte Krokodil unter den SVP-Drahtziehern der Gegend, lotste sie als Schulpflegerin in die SVP. 1991 kam sie auf Anhieb auf Platz drei der SVP-Bezirksliste für den Kantonsrat. Als Max Binder in den Nationalrat kam, konnte sie 1992 nachrücken. Ihr neuer Zürcher Regierungsratskollege Christian Huber, der als Präsident mit Rita als Vize die SVP Pfäffikon leitete, geriet zu Unrecht in den Ruf, die Politikerin «erfunden» zu haben. Die beiden hatten sich vor der gemeinsamen Zeit in der Ortspartei nicht einmal gekannt. «Sie hat mich noch nie um Rat gefragt», sagt Huber. «Wenn schon, dann ist es eher umgekehrt.»

Die SVP-Connection
Mit Christoph Blocher habe sie ein gutes Verhältnis, «aber ich bleibe unabhängig». Er sei ein Stratege, der blitzschnell denke. Die Wertschätzung ist gegenseitig. Blocher: «Sie hat eine rasche Auffassungsgabe, gesunden Menschenverstand, Durchsetzungskraft.» Zum SVP-Brain-trust gehört auch Hans Kaufmann, einst Chefanalyst der Bank Bär und jetzt Nationalratskandidat. Rosemarie Maurer, Präsidentin der Landfrauenvereinigung, ist Rita Fuhrer als Vertrauensperson wichtig, Nationalrat Walter Frey schätzt sie als welterfahrenen und doch bodenständigen Berater. Ihre Zürcher Connections könnten ihr noch nützen: Spätestens seit ihrer brillanten Wiederwahl wird sie für die Nachfolge von Bundesrat Adolf Ogi als Gegnerin der Berner Regierungsrätin Elisabeth Zölch und der Bündner Nationalrätin Brigitta Gadient gehandelt.
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