Cocktailring – das klingt eine Spur dekadent, nach sonnigen Spätnachmittagen, flatternd bunten Kleidern und High Heels, man sieht Sonnenuntergänge, das Meer und feudales Ambiente vor sich. Und man denkt an Drinks, welche mit leuchtenden Farben und fruchtiger ­Süsse verführen. In solch imaginären Szenerien steckt ein Hauch Wirklichkeit. Tatsächlich soll die Gattung der Cocktailringe in den 1920er-Jahren in den USA entstanden sein, als zu Zeiten der Prohibition rauschende Feste mit Alkohol verboten waren und Cocktailpartys dennoch gefeiert wurden – mit elegant gekleideten Frauen, die besonders auffällige Ringe trugen. Cheers! Bei ­jedem Trinkspruch funkelten diese Schmuckstücke im Licht, zogen den Blick an und brachten Glamour und exaltierten ­Luxus ins Spiel.

Ruch von Aufregung und Extravaganz

Solch verbotene Partys gibt es heute nicht mehr, doch die Form der grossen, ausladenden Schmuckstücke hat die Zeiten überdauert. Auch den Ruch von Aufregung und Extravaganz hat sich der moderne Cocktailring bewahrt. Immerhin bedarf es nach wie vor Mut, mit einem übergrossen bunten Schmuckstück an der Hand aufzutreten. Diesen Mut hatten die Frauen insbesondere in den 1950er- und 1960er-Jahren, als Cocktailringe beliebt und in Mode waren – ein Trend, der vor mehr als zehn Jahren wieder auflebte und mittlerweile einen Schmuckklassiker hervorgebracht hat.

Heute sind die übergrossen Ringe fester Bestandteil in den Kollektionen der feinen Juweliershäuser – zum Beispiel bei Chopard, wie Caroline Scheufele, Co-Präsidentin des Hauses, erklärt. «Für mich ist ein Cocktailring ein Klassiker, der sich durch seine Grösse und Auffälligkeit auszeichnet. Am bekanntesten war er einst mit einem grossen, zentral gefassten Edelstein – häufig in der Form des Cabochons geschliffen. Vor allem aber ist der Cocktailring ein selbstbewusstes Statement der Frau, die ihn trägt. Er fällt auf und setzt ein klares Zeichen.»

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Ein Blickfang und alles andere als diskret

Dass es Selbstbewusstsein bedarf, um solch exaltierten Schmuck zu tragen, betonen auch andere Schmuckexperten: «Ein Cocktailring ist ein Blickfang und nicht diskret. Für uns besticht er durch Thematik, Farbe, Komposition und Material», ergänzt etwa Oscar R. Steffen, Direktor Schmuck bei Juwelier Bucherer in Luzern.

Cartier setzt laut Jacqueline Karachi, in Paris Director of High Jewelry Creation Studio, auf die Kraft der Bilder: «Beim Entwurf steht für uns im Vordergrund, eine Geschichte zu ­erzählen. Und ein Edelstein erzählt wahrhaft eine Geschichte. So ist jeder Ring wie eine kleine Skulptur, in der wir versuchen, die Schönheit des Edelsteins zu betonen.»

Caroline Scheufele von Chopard stellt ebenfalls die Wirkung von ausgefallenen Steinen in den Mittelpunkt: «Der Ring muss etwas Dramatisches besitzen und natürlich ein echter Eyecatcher sein. Der Stein ist der Star und muss dementsprechend in Szene gesetzt werden.»

Skulptural, auffällig, farbig und glamourös – passt ein solches Schmuckstück überhaupt zu jeder Frau? «Jawohl», sagt Oscar R. Steffen von Bucherer: «Es ist allerdings typabhängig, welche Formen und Farben einer Frau stehen. Auswahl gibt es genug: Von Ringen mit Opal oder Perle bis hin zu auffälligen Farbsteinen oder dem Indigolith, einem blau-grünen, sehr dezenten Edelstein aus der Turmalin-Gruppe, den ich persönlich im Smaragd-Schliff sehr mag. Richtig gewählt, unterstreicht der Cocktailring die Persönlichkeit der Trägerin.»

Zu dieser Auswahl von Bucherer zählen Ringe der Jubiläumskollektion (siehe auch Seite 33) sowie der Ring Rêve de France, der zur Eröffnung des Flagship Store in Paris entworfen wurde – mit einem seltenen Mogok-Saphir von genau 18,88 Karat. Der Ring trägt als Bezug zu Paris das Motiv der Bourbonen-Lilie sowie die französischen Nationalfarben und verkörpert durch die Karatzahl – die exakt dem Gründungsjahr des Hauses entspricht – «symbolhaft gelebte Bucherer-Handwerkskunst», wie Steffen schwärmt.

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Auf einen modernen Look setzt zum Beispiel Bulgari mit der Kollektion Parentesi, in der markant gefasste, facettierte Farbsteine im Mittelpunkt stehen – in verschiedensten Nuancen von zart bis kräftig.

Weniger ist halt manchmal mehr

Wer aus dieser Vielfalt mit Geschick auswählt, findet nicht nur den richtigen Schmuck für seinen Typ, sondern auch für jeden Anlass. Caroline Scheufele: «Einen Cocktailring kann man überall tragen – auf privaten Partys, auf dem roten Teppich und sogar im Büro. Es muss gar nicht die grosse Robe sein, eher das schlichte festliche Kleid. Man kann einen Cocktailring auch als alltägliches Accessoire tragen, dann am besten zu unkomplizierter Kleidung – etwa zu einem schwarzen Rolli, einem Business-Kostüm oder zu Jeans und weisser Bluse.» Wichtig ist dabei laut Oscar R. Steffen die gekonnte Abstimmung mit anderem Schmuck: «Das bedarf Stil, Überlegung und Freude am Inszenieren, dann gibt es keine Konventionen. Ich empfehle allerdings: Less is more! Dezenter Schmuck passt immer, zum Beispiel Diamant- oder Perlohrstecker.» Dem stimmt Caroline Scheufele zu: «Ein Cocktailring sollte den Blick des Betrachters geradezu magisch anziehen und seine Trägerin zum Hingucker machen. Es sollte daher kein anderes grosses Schmuckstück den Blick ablenken.»

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Geschichte der Ringe Diese ­begann mit Mammutelfenbein

Materialien
Die ältesten Ringe, die je gefunden wurden, sind aus Mammutelfenbein und mehr als 21000 Jahre alt. Derartiger Handschmuck wurde in allen Kulturen und bei allen Völkern getragen, dabei wurden Herstellungsweise und Materialien immer feiner. Aus edlen Metallen gefertigt – allen voran Silber und Gold – wurden Ringe dann ein Zeichen von Reichtum, Stand und Herrschaft.

Deutung
Die unendliche Kreisform des Ringes führte zu vielen magischen Deutungen. Er wurde zum Ewigkeitssymbol und zum Zeichen des unlösbar Verbundenen, offenbarte auch die Zusammengehörigkeit zwischen zwei Menschen. Schon bei den Römern finden sich erste Zeugnisse über den Ehering, der sich im Laufe der Zeit immer wieder veränderte. Mal trug er vielsagende Symbole wie turtelnde Tauben oder verschlungene Herzen, dann ­wieder hütete er im Inneren verborgene Botschaften und Gravuren. Später wurde es üblich, eher schlichte Ringe als Zeichen der ­Liebe ­auszutauschen – die Trauringe.

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