Im Zuge des jüngsten Börsencrashs, stürzte der breitgefasste S&P 500 Index innerhalb kürzester Zeit um 35 Prozent ab und fiel bis auf ein Mehrjahrestief bei 2191,86 Punkten. Der Vergleich dieses Einbruchs mit historischen Börsencrashs zeigt, dass die Intensität der Bewegung in den ersten Tagen noch nie höher war als die beim Corona-Crash.

Christos Maloussis ist Market Analyst und Premium Client Manager bei der IG Bank.

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Zwar waren die von den Regierungen weltweit ergriffenen Massnahmen drastisch und in der Form noch nie da gewesen, jedoch werden wir die Nachhaltigkeit der Auswirkungen auf die Weltwirtschaft erst in der zweiten Jahreshälfte genauer beurteilen können. Die Intensität dieser aktuellen Bewegung lässt sich vielmehr über den vermehrten Einsatz von automatischen Handelssystemen und der gestiegenen Beliebtheit von passiv verwalteten börsengehandelten Fonds erklären. Beides hat zum deutlich beschleunigten Abverkauf geführt.

Der US-Arbeitsmarktbericht

Wie dramatisch die Auswirkungen der Krise kurzfristig jedoch sind, zeigt der US-Arbeitsmarktbericht. Zwar sind weltweit die Arbeitslosenquoten im Zuge der Corona Krise teils deutlich gestiegen, diese ist in den USA jedoch förmlich explodiert. Mit einer Quote von 14,7 Prozent verzeichnen die USA den höchsten Wert sein Beginn der Aufzeichnungen. Und dieser Wert dürfte im Mai nochmals deutlich übertroffen werden.

Im Durchschnitt erwarten von Reuters befragte Analysten eine Arbeitslosenquote von 19,8 Prozent. Dies wiederum hinterlässt deutliche Spuren in der für die USA besonders wichtigen Binnennachfrage. Fiel dieser Wert im März noch um 7,5 Prozent gegenüber denselben Monat im Vorjahr, wird für April sogar ein Rückgang von 12,6 Prozent erwartet. Dies sind keine guten Aussichten für die US-Wirtschaft, insbesondere da US-Präsident Donald Trump in dieser kritischen Phase den Handelskonflikt mit China neu aufflammen lässt.

Die Erholung 

Dass sich der S&P 500 jedoch so deutlich und schnell von den Tiefstständen erholt hat, liegt an zwei Faktoren. Zum einen haben sowohl die Zentralbank als auch die Regierung den Markt mit einer erneuten Geldflut beruhigt. Zum anderen profitiert der S&P 500 von der deutlichen Übergewichtung der Sektoren Technologie, Gesundheitswesen und Finanzdienstleister. Diese machen in der Summe mehr als 50 Prozent des Gesamtindex aus und haben den Gesamtmarkt gestützt.

Seit Erreichen des Tiefststandes bei 2191,86 Punkten sind 44 Handelstage vergangen (Stand: 27.5.2020 11:30 Uhr). Seither konnte der Index bereits mehr als zwei Drittel seiner während der Krise erlittenen Verluste wieder aufholen. Damit übersteigt die Kurserholung das viel beachtete 61,8 Prozent Fibonacci-Retracement Niveau und deutet auf eine erhöhte statistische Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Erholung hin.

Der Durchbruch

Gleichzeitig konnte der Index sowohl den 200-tägigen einfach gleitenden Durchschnitt wie auch den 200-tägigen exponentiell gleitenden Durchschnitt nach oben durchbrechen, was als Kaufsignal gewertet werden kann. Der nächste Widerstand bei 3035 Punkten dürfte zügig getestet werden und somit dem Index die Chance auf eine Anschlussbewegung bis auf das 78,6 Prozent Fibonacci-Retracement Niveau bieten. Hier verläuft gleichzeitig auch ein Widerstand aus der ersten Märzwoche. Jedoch ist Vorsicht geboten, da die Erholung auf fallenden Volumen basiert und somit ein Warnsignal darstellt.