Auf dem Schweizer Markt sind Fahrzeuge mit offener Ladefläche, die auf SUV-Plattformen aufbauen, selten anzutreffen. In Europa gelten sie in erster Linie als Arbeitstiere für Handwerker. In den USA und in Asien hingegen sind diese Automobile als Familienfahrzeuge beliebt.

Mit einem modernen Design und einer komfortabel ausgestatteten Fahrerkabine, in der bis zu fünf Personen Platz finden, werden Pick-ups immer mehr für die tagtägliche Ansprüche an ein Auto salonfähig. In diese Nische will Ssangyong mit seinem neuen Actyon Sports fahren. Das 4,99 Meter lange Gefährt mit ­einer 2 Quadratmeter messenden offenen Ladefläche hat seine Reize. Der Auftritt ist weit entfernt davon, den Eindruck zu hinterlassen, spezifisch für die Werkstatt gebaut worden zu sein. Denn neben dem markanten Design, der Doppelkabine und dem komfortablen Innenraum mit Platz bis zu fünf Personen ist der Actyon Sports mit Allradantrieb lieferbar. Der 4×4-Antrieb und die weiteren Ausrüstungselemente des Wagens gehören heute zu einem typischen Life-Style-Produkt.

Bis Ende der 1990er-Jahre wiesen die Koreaner zwar immer wieder auf ihre Verbindung zu Mercedes hin, denn die Deutschen lieferten Motoren- und Getriebekomponenten nach Südostasien. Doch so richtig wollte sich der Erfolg dieser internationalen Achse nicht einstellen, zumal die Mercedes-Technik damals bereits in die Jahre gekommen war. Ssangyong versuchte zudem, mit – gelinde gesagt – merkwürdigen Karosserieformen Kunden zu gewinnen, die um jeden Preis auffallen wollten. Dieses Experiment schlug fehl. Erinnert sei an den Ssangyong Rodius, der mit seiner Heckpartie, so spotteten Kritiker, stark an einen Leichenwagen erinnert haben soll. Da brachten selbst Hinweise auf grosszügige Platzverhältnisse keine Wende zu besseren Verkaufszahlen.

Eine Neuausrichtung zeichnete sich erst ab, als sich die indische Mahindra-Gruppe, schwergewichtig ein Landwirtschaftsmaschinen- und Nutzfahrzeughersteller, für die Koreaner interessierte. Das Zusammengehen wurde zwar keine Heirat aus Liebe, aber die Inder brachten Geld für Neuentwicklungen mit. Zudem sahen sie die Chance, einen Fuss in den Personenwagenmarkt zu stellen.

Bisher hat sich die Strategie für beide Parteien – zumindest einigermassen – ausgezahlt. Seit 2011 steigen die Verkaufszahlen auch in der Schweiz wieder langsam an, allerdings auf einem äusserst niedrigen Niveau. Im vergangenen Jahr verkaufte Ssanyong 450 Neuwagen, ausgewiesen wird ein Plus von 30 Prozent gegenüber 2010. Dieses Jahr ist der Absatz weiter gestiegen, im 1. Quartal um 24 Prozent auf knapp 130 Einheiten.

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In der Hauptsache stützt sich Ssang­yong auf drei Modelle. Dazu gehört das 2010 vorgestellte Kompakt-SUV Korando. Er war das erste Fahrzeug der Koreaner nach dem Einstieg der Mahindra-Gruppe. Modernisiert wurde zudem das Flaggschiff, der Rexton, das luxuriös ausgestattete SUV, das mit einem attraktiven Preis von um die 60000 Franken zu haben ist.

Der jetzt lancierte Actyon Sports fällt nicht nur durch sein Design und seine Ausstattung, sondern ebenfalls durch einen günstigen Preis auf. Als Hecktriebler mit einem 2-Liter-Dieselmotor (155 PS Leistung) kostet er 24900 Franken. Mit Alltradantrieb und reichhalti­­ger Ausstattung kommt er auf 32900 Franken zu stehen. Für ein 6-Stufen-Automatikgetriebe sind nochmals 3000 Franken Aufpreis zu bezahlen.

Ssangyong hat sich zudem die Unterstützung der Designschmiede I.D.E.A. aus Mailand gesichert. Die Italiener, die sich übrigens im Besitz der St. Galler Quantum Kapital AG befinden, haben in Frankfurt und in Genf mit ­Fahrzeugstudien Aufsehen erregt. Wenn diese in nicht allzu ferner Zukunft in Produktion gehen sollten, ist es durchaus möglich, dass sich Ssangyong im Segment der SUV und Pick-ups im internationalen Konkurrenzumfeld einen festen Platz sichert.