Spätestens seit 2020 sind Saudi-Arabien und die Formel 1 eng verbandelt. Damals schloss Saudi Aramco, der grösste Ölproduzent der Welt, einen potenten Sponsoring-Vertrag mit der Rennserie ab. Und ein Jahr später bekam der schwerreiche Wüstenstaat sein eigenes Formel-1-Rennen. 2024 findet dort sogar der Saisonauftakt statt.

Nun soll Saudi-Arabien erwogen haben, die Formel 1 gleich ganz zu übernehmen. Laut Informationen von «Bloomberg» dachte der saudische Staatsfonds vergangenes Jahr über einen Übernahme-Deal nach. Rund 20 Milliarden Dollar hätten die Saudis geboten für die Formula One Group, die für die Werbung und kommerzielle Verwertung der Formel 1 verantwortlich ist.

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Doch der Deal ist bereits im Anfangsstadium gescheitert. Der jetzige Eigentümer, Liberty Media, war nicht an einem Verkauf interessiert.

Sollte das US-Medienunternehmen seine Meinung ändern, wäre der Staatsfonds weiterhin ein ernsthafter Bieter, wie involvierte Personen gegenüber «Bloomberg» sagten. Vertretende des Staatsfonds und von Liberty Media reagierten nicht auf Bitten um Stellungnahme. 

Liberty Media profitiert vom erzeugten Formel-1-Boom

Den Kauf der Formel hätte sich für Saudi-Arabien finanziell lohnen können – trotz des Mega-Angebots von 20 Milliarden. So ist der Rennsport für Liberty Media ein florierendes Geschäft. 2017 übernahm das Medienhaus des Milliardärs John Malone die F1-Vermarktungsrechte für insgesamt 8,5 Milliarden Dollar. Seitdem hat der Rennsport an Popularität gewonnen, wodurch auch der Nasdaq-Börsentitel der für die Formel 1 zuständigen Unternehmenssparte profitiert hat. Die entsprechende Liberty-Media-Aktie hat sich in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt.  

Liberty Media ist es erfolgreich gelungen, einen neue Generation von Rennsportfans zu erreichen – etwa indem das Unternehmen die Präsenz der Formel 1 in Asien ausgebaut hat. Und in der grössten Volkswirtschaft der Welt, in den USA, verhalf die Netflix-Serie «Formula 1: Drive to Survive» zu neuer Beliebtheit. 

Auch der Nahe Osten ist ein Schwerpunkt für die F1-Eigentümer. Die Region richtet in der kommenden Saison 4 der total 23 Rennen aus. Darunter sind neben den Grand Prix in Saudi-Arabien und Katar der Auftakt im März in Bahrain und das Saisonfinale Ende November in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emiraten. 

Formel 1 negiert «Sportswashing»-Vorwürfe 

Unter dem Kronprinz Mohammed bin Salman hat sich Saudi-Arabien für westlichere Unterhaltsformen geöffnet. Seitdem investiert der Wüstenstaat fleissig in den Sport.

Fussballstar Cristiano Ronaldo kickt nun in der saudischen Liga. Letztes Jahr führte das Land eine eigene, vom Staatsfonds finanzierte Golfserie ein. 2021 kaufte sich der Golfstaat in den englischen Traditionsfussballverein Newcastle United ein. Und zudem ist Saudi-Arabien immer wieder Gastgeber von Sportgrossveranstaltungen – unter anderem eben von einem Formel-1-Rennen.  

Durch die Investitionen erhofft sich Saudi-Arabien einen Imagegewinn – analog zu Katar mit der Fussball-WM. Die Sportfans sollen so von der Menschenrechtslage in den Wüstenstaaten abgelenkt werden. Das werfen ihnen zumindest Kritiker vor, die solches Vorgehen als «Sportswashing» bezeichnen.

Die Fédération Internationale de l’Automobile (FIA), bei der als Veranstalterin die Rechte an der Formel-1-Rennserie liegen, springt dem zahlungskräftigen Partner gerne wohlwollend bei. So hat FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem, ein Ex-Rennfahrer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien erst kürzlich gegen kritische Berichterstattung verteidigt. «Die Änderungen, die wir hier sehen, sind einfach unglaublich», sagte er er im Rahmen der Rallye Dakar. Das Wüstenrennen ist 2008 umgezogen nach: Saudi-Arabien.

Mit Informationen von «Bloomberg».

Wachstums-Champion Saudi-Arabien

Grosse Projekte, hohe Ausgaben: Der Golfstaat scheut keine Mühe, sein Image aufzupolieren.

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