Die zwei weltgrössten Zementkonzerne wollen sich zum unangefochtenen Marktleader verschmelzen. Was sich vor Jahresfrist in Minne als «Fusion unter Gleichen» anliess, ist mittlerweile zur Posse verkommen. Erst wurde das Umtauschverhältnis zugunsten Holcims korrigiert, dann musste der designierte CEO und Lafarge-Lenker Bruno Lafont auf den Chefsessel verzichten, und nun stemmen sich Grossaktionäre gegen den Deal.

Thomas Schmidheiny (69) dürfte diese Entwicklung nicht gefallen. Mit mehr als 20 Prozent ist er Holcim-Hauptaktionär und Taktgeber hinter dem Deal. Und im Gegensatz zu Lafarge vertritt er nach wie vor die Gründerfamilie beim Schweizer ­Zementmischer. Die Lafarge-Nachfahren sagten ­bereits 1947 Adieu und überliessen die Führung dem Management. Schmidheiny hingegen kontrolliert das Erbe seines Grossvaters und Firmengründers und sitzt im VR.

Nun gilt es, dieses Erbe zu regeln. Seine Kinder tummeln sich in der Kunst, dem Film oder der Architektur – aber nicht in der Zement­industrie. Spielverderber könnte der Russe Filaret Galtschew werden. Der zweitgrösste Holcim-Eigner äussert sich zwar nicht öffentlich – wie auch Schmidheiny nicht –, doch aus seinem Umfeld ver­lautet, dass er gegen den Deal sei. Der Showdown steigt an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 8. Mai.

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Die Freunde

Thomas Schmidheiny tummelte sich nie im innersten Kreis der hie­sigen Wirtschaftsprominenz. Der Unternehmer und Geniesser dränge sich nicht in den Vordergrund, heisst es. Einer seiner wichtigsten ­Gefolgsleute ist seit 20 Jahren Dieter Spälti. Der Sohn des ehe­maligen Präsidenten der Winterthur Versicherungen war erst als McKinsey-Berater für die Holcim-Vorläuferin Holderbank tätig und kümmert sich als Chef des Family Office Spectrum Value um die ­finanziellen Belange der Familie Schmidheiny.

Langjähriger Freund und Berater seit mehr als 40 Jahren ist Wolfgang Schürer, emeritierter Professor der Universität St. Gallen und ehemaliger Holcim-VR. Gut versteht er sich mit dem Kunsthändler und -berater Iwan Wirth. Aus seiner Zeit als Swissair-VR ist er mit dem Anwalt Hans Nater verbunden. Schmidheiny pflegt Freundschaften mit den ehemaligen Holcim-Managern Urs Bieri (stv. Konzernchef), Theophil Schlatter (Finanzchef) und Urs Böhlen (u.a. Chef Ost- und Südosteuropa).

Neben seiner Passion für die Winzerei liegt Schmidheiny sein Grand Resort Bad Ragaz am Herzen, mit dessen Präsidenten Wolfgang Werlé er es gut kann. Schmidheiny ist im Foundation Board der Managementschule IMD und lernte dort den ehemaligen IMD-Chef Peter Lorange schätzen. Mit Headhunter Bjørn Johansson spricht er sich in strategischen Personalfragen ab, PR-Mann Jörg Denzler macht seit 15 Jahren Schmidheinys Kommunikation.

Die Gegenspieler

Die geplante Fusion von Holcim und Lafarge bringt einige Holcim-Aficionados auf die Palme. Grösster öffentlicher Kritiker ist der Ex-Holcim-Chef Max Amstutz. Dieser kritisiert unter anderem die Machtteilung des Co-Präsidiums um den aktuellen Holcim-Präsidenten Wolfgang Reitzle und Lafarge-Lenker Bruno Lafont, der CEO hätte werden sollen. Mit Benno Schneider, dem Ex-Präsidenten der Spielbankenkommission, lag Schmidheiny über Kreuz wegen des Casinos in Bad Ragaz.

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Nicht gut zu sprechen ist er auf Karl Wüthrich. Der Swissair-Liquidator verklagte nach dem Untergang der Airline Verwaltungsräte und Management. Schmidheiny war damals Vizepräsident. An den Verantwortlichen blieb später aber nichts hängen.

Ärgster Widersacher in der Causa Holcim und Lafarge ist Filaret Galtschew. Mit seiner Eurocement hält er knapp elf Prozent an Holcim. Bislang hat er keine Stellung bezogen, doch sein Umfeld liess die Medien wissen, dass er den Deal derzeit ablehne. Weniger mag Schmidheiny dem Vernehmen nach Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, deren Steuer- und Unternehmenspolitik er nicht unterstützt.

Das vollständige Machtnetz von Thomas Schmidheiny lesen Sie in der aktuellen «BILANZ», erhältlich am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.