Tokio wurde im 20. Jahrhundert zwei Mal fast vollständig dem Erdboden gleich gemacht. 1923 war es das Grosse Kanto-Erdbeben. Im Zweiten Weltkrieg legten die Bombenabwürfe der Alliierten Tokio in Schutt und Asche. Von diesen Einschnitten hat sich die japanische Hauptstadt längst erholt.

In den letzten siebzig Jahren hat sie sich gar zur grössten globalen Mega-City entwickelt. Heute leben im Grossraum Tokio rund 38 Millionen Menschen. Und stets bleibt die Angst vor dem nächsten grossen Beben. Eine Naturkatastrophe wie 1923 würde schätzungsweise 9700 Tote, 147’6000 Verletzte und 378’000 zerstörte Gebäude fordern, wie eine Studie vor einem Jahr ergab.

Besonders sensibel für Aspekte der Sicherheit

Vielleicht ist es gerade diese anfällige geographische Lage, die Tokio besonders sensibel für alle Aspekte der Sicherheit macht. Auf die Naturkatastrophenprävention, die Sicherheit der Bürger sowie die perfekte verkehrstechnische Organisation wird in dieser Metropole seit jeher viel Wert gelegt.

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Und so kommt es, dass The Economist in einer kürzlich veröffentlichten Studie die grösste Stadt der Welt auch gleich zur sichersten erklärt hat – vor Singapur und Osaka. Nur Japan und Australien (Sydney und Melbourne) sind mit jeweils zwei Städten in den Top 10 vetreten.

50 ausgewertete Städte

Die vier Kategorien «digitale Sicherheit» (Cyberkriminalität, Idenitätsbetrug, etc), «gesundheitliche Sicherheit» (Spitalbetten, Lebenserwartung, Luft- und Wasserqualität, etc) «infrastrukturelle Sicherheit» (Qualität der Strassen und Elektrizität, Verkehrstote, Naturkatastrophen-Prävention, etc) und die «persönliche Sicherheit» (Kriminalität, Polizeipräsenz, etc) hat das britische Magazin für diese Studie ausgewertet. 50 Städte hat es unter die Lupe genommen.


In drei Kategorien liegt die japanische Hauptstadt in den Top 5. Einzig bei der «gesundheitlichen Sicherheit» muss sich Tokio mit dem 8. Rang zufrieden geben. Alles in allem macht dies die japanische Hauptstadt zur weltweiten Nummer 1.

Ausnahme unter den Mega-Cities

Wer einmal in Tokio war, der mag diese Einschätzung bestätigen. In nur wenig anderen Grossstädten fühlt man sich sicherer. Die japanischen Kriminalitätsstatistiken untermauern die Auswertung von The Economist

So ist Tokio auch der Beweis dafür, dass eine Mega-City – eine Stadt mit mehr als 10 Mio Einwohnern – sehr sicher sein kann. Trotz allem ist die japanische Hauptstadt eine Ausnahme. Nur gerade mal sechs Mega-Cities haben es im Ranking von The Economist in die Top 25 geschafft. 14 weitere Mega-Cities sind in der unteren Hälfte zu finden.

Sicherheit nicht gleich Lebensqualität

Eine sichere Stadt ist aber nicht unbedingt eine attraktive Stadt. Denn die Entscheidung, wo man leben möchte, hängt nicht nur vom Faktor Sicherheit ab. Der Arbeitsmarkt, politische Freiheiten, das kulturelle Angebot oder ein gutes geschäftliches Umfeld zählen ebenso dazu.

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So liegt Tokio in der Economist-Rangliste «der besten Städte zum Leben» lediglich auf Rang 16, ein Rang hinter Osaka. Toronto, Montral und Stockholm haben hier die Nase vorn.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf asienspiegel.ch - News aus Japan, China und Korea.