Die Unternehmenskrisen der letzten Jahre und das Thema der Doppelmandate haben die Frage nach einer effizienten Corporate Governance verstärkt ins Zentrum der Diskussion gebracht. Das System, durch das Firmen geführt und kontrolliert werden, interessiert nicht nur die Aktionäre. Die Diskussionen um die Überwachung von Geschäftsführern ist auch immer mehr zu einem Politikum geworden.

Heidrick & Struggles untersucht zweijährlich 20 Firmen in den jeweiligen europäischen Ländern, die am Stichtag 31. Dezember die höchste Börsenkapitalisierung aufweisen. Die aktuellste Studie analysierte die Geschäftsberichte 2004. Die Schweiz kann mit den grössten Verbesserungen aufwarten und belegt nun den zweiten Platz hinter Grossbritannien. In den Studien von 2001 und 2003 waren die grossen Schweizer Firmen noch auf den Plätzen neun und sechs gelegen. Zurückzuführen ist die klare Verbesserung vorwiegend auf die Einführung des Swiss Code of Best Practice beziehungsweise die Richtlinien betreffend Informationen zur Corporate Governance der SWX Swiss Exchange.

Trotz dem allgemein höheren Niveau der Corporate Governance verfügen laut der jüngsten Untersuchung 11 der 100 Topfirmen über eine ungenügende Aufsicht. Sie kommen höchstens auf 17 der möglichen 24 Punkte. Im vergangenen Jahr waren nur sechs Firmen ungenügend. Wie im Vorjahr errreichten zwei Firmen die maximale Punktzahl bei den Top 100. Interessanterweise gibt es auch bei den grossen Wertvernichtern punkto Corporate Governance gute Noten. Auch CS und Swiss Life erreichen das Maximum, ABB kommt immer noch auf sehr gute 23 Zähler.

Die Grundlage für die Beurteilung der Corporate Governance bildet ein Fragebogen mit drei Hauptkriterien und acht Fragestellungen: Aussagekraft des Geschäftsberichts, die Kompetenzen sowie die Organisation des Verwaltungsrats.

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Punkte gab es für Transparenz, Kompetenz und Organisation. Der Grad an Aussagekraft, den die Geschäftsberichte aufweisen, unterscheidet sich weniger im Informationsgehalt über die Verwaltungsräte als vielmehr in der Berichterstattung über die Unernehmensstrategien und -ziele. Im heiklen Punkt der Information über die Entschädigung an den Verwaltungsrat konnte eine markante Verbesserung ausgemacht werden. Heute legen 22 der untersuchten Unternehmen detaillierte Angaben über die Entschädigung dar; im Vorjahr waren es nur 8 Firmen.

Ein sehr erfreuliches Bild zeigt sich in der Gesamtkompetenz der Verwaltungsräte. Die drei untersuchten Kompetenzen (Kernkompetenz, Finanz- und Markt-Know-how) waren meist vorhanden. Die im Vorjahr ausgemachte Schwachstelle im Finanzbereich wurde laut der Umfrage in vielen Fällen behoben.

Bei der Organisation der Verwaltungsräte haben mehr Firmen zusätzliche Komitees geschaffen. Die Untersuchung hat auch gezeigt, dass von den 100 Firmen in 24 Fällen der CEO auch zugleich der Chairman ist (dies ohne Nestlé und Novartis). Angemerkt sei hier: Die Führung einer Firma in einer globalen und dynamischen Umwelt ist ungleich schwieriger geworden. Agiert der CEO und Chairman in Personalunion, kann er angesichts zunehmender Komplexität der Führungsanforderung rasch an seine Grenzen stossen. In den USA, aber auch stark zunehmend in der Schweiz wird eine Beschneidung der Machtfülle gefordert.

Die BILANZ-Studie der Corporate Governance zeigt ein positives Bild, und die Studie von Heidrick & Struggles bringt klar eine Verbesserung der Schweizer Firmen im internationalen Vergleich. Ohne gut funktionierende Corporate Governance wird eine Topbewertung an den internationalen Märkten nicht mehr zu erzielen sein.

Heidrick & Struggles

Im Jahr 1953 gründeten Gardner Heidrick und John Struggles in Chicago das Unternehmen Heidrick & Struggles. Der Geschäftszweck war für die damalige Zeit ziemlich aussergewöhnlich: die Vermittlung von Führungskräften. Heute ist Heidrick & Struggles International Inc. weltweit führend in der Vermittlung und Beratung von Führungskräften. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten insgesamt 1400 Mitarbeiter Einnahmen von 350 Millionen US-Dollar. In der Schweiz ist die Gesellschaft seit 1995 vertreten.