Die Überraschung war gross, als im August bekannt wurde, dass ein unbekannter Schweizer Chef der Pro 7 Media AG wird. Für die wirklichen Insider hingegen machte die Berufung des Schweizers sofort Sinn. Sie kannten Urs Rohner längst als vorwärts stürmenden, schnell denkenden und nicht minder schnell handelnden Wirtschaftsanwalt, der im Medienrecht zu den jungen, internationalen Stars gehört. In Zollikerberg als Einzelkind in eher einfachen Verhältnissen aufgewachsen, wusste er sich schon bald durchzusetzen. Neben der Schule und dem Studium machte er zunächst und sehr eindrücklich im Sport Furore: Seine Rekordzeit über 110 Meter Hürden sichert ihm bis heute einen Rang unter den Top zehn auf der ewigen Schweizer Bestenliste. Als 32-Jähriger war er bereits Partner in der renommierten Anwaltskanzlei Lenz & Staehelin (L&S), wusste aber damals schon, dass er kaum bis zur Pensionierung Anwalt bleiben würde. Doch als ihn vor zwei Jahren die Credit Suisse mit einen Spitzenjob ködern wollte, war er noch nicht zum Wechsel bereit. Erst beim Glamour-Angebot aus München ist der Film-, Medien- und Opernfreund nun schwach geworden.

Im Banne von Leo Kirch
Von Leo Kirch, dem Hauptaktionär des Fernsehsenders Pro 7, auserkoren zu werden, kommt für die meisten einer Lebensversicherung gleich. Das durfte schon Teleclub-Chef Stefan Sager erfahren, als er 1984 vom öffentlichkeitsscheuen Münchner als noch nicht 30-Jähriger auserwählt wurde. Es war der nicht minder öffentlichkeitsscheue Sager, der Rohner zum grossen Film- und Fernsehunternehmer lotste. Als Anwalt war Urs Rohner schon seit geraumer Zeit für Teleclub und andere Kirch-Firmen tätig. Bei Teleclub und auch beim Kirch-Sender Sat 1 ist mit Martin Lutz ein weiterer Anwalt aus Rohners Kanzlei als Verwaltungsrat engagiert, und Teleclub-Manager Wilfried Heinzelmann ist ein Seitenwechsler aus dem gleichen Stall wie Rohner. Offizielle wie inoffizielle Verbindungen Kirchs, die Urs Rohners Intelligenz und seine ordnende Hand zu spüren bekommen werden, bestehen zu Friede Springer (Springer-Verlag), Otto Beisheim (Metro), Silvio Berlusconi (Fininvest) und wohl bald auch zu Rupert Murdoch (News Corporation), wenn sich dieser an Premiere, Leo Kirchs digitalem Bezahlfernsehen, beteiligt. Rohner wird wohl das nötige Licht in Kirchs Schattenreich bringen, damit der anvisierte Börsengang bald möglich wird.

Bei Pro 7
Obwohl Urs Rohner seine neue Tätigkeit erst am 1. Februar 2000 aufnimmt, fliegt der Anwalt bereits heute ein- bis zweimal in der Woche in die bayrische Metropole. Den Südtiroler Vorstandsvorsitzenden Georg Kofler, der den Sender aufgebaut hat und den der Zürcher ersetzen wird, bezeichnet er als «Supertyp». Die Belegschaft, zu der Stars wie Arabella Kiesbauer («Arabella») und Mo Asumang («Liebe Sünde») gehören, hat ihn freundlich-neugierig empfangen. Rohners Chef im Aufsichtsrat ist Hans Reischl, dessen Detailhandelskonzern Rewe wichtiger Aktionär bei Pro 7 ist. Schnittstellen zur Schweiz gibt es mit Beat Curti, der mit Rohner schon lange freundschaftlich verbunden und zusammen mit Klaus Kappeler (Medien Z) Gründer des neuen, noch nicht ganz überzeugenden Schweizer Fensters von Pro 7 und RTL ist. Da wird Urs Rohner genauer und - wie Senderchef Mario Aldrovandi hofft - trotzdem wohlwollend hingucken müssen. Ansonsten möchte Rohner mit der Programmierung seiner Kanäle nicht direkt zu tun haben. Gross im Geschäft mit Pro 7 ist auch der Zuger Berater Adrian Bauder, der für die Basler Consultingfirma Gsponer in München aktiv ist.

Seine Freunde
Rohner ist einer, den viele als ihren Freund bezeichnen. Er selber ist diesbezüglich eher zurückhaltend und spricht von vielen Kollegen im In- und Ausland sowie einem grossen Bekanntenkreis in Zürich. Zum engeren Freundeskreis zählen der Chef des Landesmuseums in Zürich, Andres Furger, die Göttis seiner Kinder, die Anwälte Andreas Girsberger - Bruder der baldigen Novartis-Kommunikationschefin Esther Girsberger - und Rudolf Tschäni. Weiter dazu gehören der frühere Journalist Kaspar Loeb (Interbrand), Markus Gisler («Cash») sowie Katja Stauber («Tagesschau») und ihr Mann Christian Gartmann (Radio Z). Mit Susanne Erb (Bulgari Berlin) verbindet ihn die gemeinsame Zeit im Spitzensport beim Leichtathletikclub Zürich. Hans Käser ist sein wichtigster Kontakt in den USA, der auf seine New Yorker Anwaltszeit zurückgeht.

Seine Gegner und Förderer
Als erfolgreicher, gelegentlich unzimperlicher Anwalt hat er von Berufs wegen viele Gegner. Der forsche, einschüchternde Auftritt, der zum Markenzeichen von Urs Rohners Kanzlei Lenz & Staehelin gehört, ist manchem Kontrahenten nachhaltig in Erinnerung geblieben. Keiner will allerdings namentlich genannt werden. Öffentlich bekannt wurden die Auseinandersetzungen seines Klienten Teleclub mit der Cablecom von Leo Fischer und insbesondere das Verfahren um die Geldwäscherei- und Betrugsaffäre Jürg Heer bei der Zürcher Bank Rothschild. Bei diesem Institut war L&S-Aushängeschild Peter Hafter Mitglied des Verwaltungsrates und zugleich als Anwalt tätig, mit Urs Rohner als Substitut. Hafter ist für Rohner Lehrmeister, Förderer und grosses Vorbild.
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