Der Kunstmarkt bewegt sich von Rekord zu Rekord, doch gleichzeitig kämpfen Auktionshäuser mit sinkenden Einkünften. Wie ist ein solcher Gegensatz zu erklären?

Letzte Woche gab das Auktionshaus Sotheby's eine Verschlechterung der Zahlen für das zweite Quartal bekannt. Als Reaktion sank der Aktienkurs des Unternehmens um 7,5 Prozent auf 37,49 Dollar, der tiefste Stand in den vergangenen zehn Monaten. Der Rückgang beim Gewinn ist zum Teil darauf zurückführen, dass ein bekanntes Gemälde dem Auktionshaus weniger als erwartet einbrachte. Sotheby's verlor mit dieser Versteigerung also Geld. Zum Teil stecken aber strukturelle Probleme dahinter.

Top-Kommissionen sind hart umkämpft

Die harte Konkurrenz der führenden Auktionshäuser um besonders gefragte Kunstwerke wirkt sich negativ auf deren Profit aus. Und das, obwohl gleichzeitig Gemälde und Skulpturen von Pablo Picasso, Andy Warhol und Alberto Giacometti Rekordpreise einbringen, befeuert durch steigende Privatvermögen und dem Sechs-Jahres-Rallye der Finanzmärkte.

Doch um Top-Kommissionen zu gewinnen, offerieren Sotheby’s und seine Rivalen den Verkaufenden Anreize. So garantieren sie zum Beispiel minimale Preise oder kaufen die Werke vor Auktionen gleich selber. Damit bleibt ihnen am Schluss wenig, selbst bei Rekordauktionen. Als «eher holprig» beschreibt Tad Smith, Sotheby’s neuer CEO, gegenüber Investoren bei einem Nach-Gewinn-Gespräch, denn auch den Verlauf des letzten Quartals. «Wir haben viele Fortschritte gemacht, seit ich vor vier Monate dazu gestossen bin, aber es liegt immer noch unglaublich viel Arbeit vor uns.»

Massiver Einbruch bei Sotheby's trotz Rekordjahr

2007 erreichte das Jahresnettoeinkommen von Sotheby’s ein Rekordhoch, gleichzeitig waren auch die weltweiten Verkäufe von Kunst und Antiquitäten mit 48 Milliarden Euro laut European Fine Art Foundation auf einem Höchstpunkt angelangt.

Letztes Jahr wurde diese Marke vom Kunstmarkt mit Verkäufen von 51,2 Milliarden Euro übertroffen. Dies sind über drei Milliarden mehr als 2007. Im Gegensatz dazu lag aber das Nettoeinkommen von Sotheby’s 2014 bei ungefähr 118 Millionen Dollar, 45 Prozent tiefer als 2007.

Erstarkter Dollar trägt Mitschuld

Der Gewinn im zweiten Quartal sank gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent auf 67,6 Millionen Dollar. Grund dafür ist das Verschieben eines für London geplanten Verkaufs ins dritte Quartal und der starke Dollar, der alleine die Einkünfte um 11,3 Millionen verminderte.

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Auch der Verlust auf ein Top-Gemälde, das sie gegen Anfang Jahr erworben hatten, zehrt an der Substanz. Genauere Auskünfte zum Werk verweiger Sotheby's. «Dieses Gemälde wurde zusammen mit einem zweiten erworben, das bei der gleichen Auktion für einen ausgleichenden Gewinn verkauft wurde. So bald die Bezahlung geflossen ist und der Titel an den Käufer übertragen wurde, wird der Gewinn dann verbucht,» erklärt Patrick McClymont, Sotheby's Finanzchef.

Gewinnverbuchung verzerrt Zahlen

An zwei Gemälden beim Abendverkauf für Zeitgenössische Kunst im Mai in New York hatte Sotheby’s Besitzanteil. Solche Objekte werden im Auktionskatalog mit einem kleinen Dreieck gekennzeichnet.

Eines davon war Gerhard Richters «Abstraktes Bild» von 1992, das 28,2 Millionen Dollar einbrachte. Vor der Auktion wurde für Richters Werk noch ein Erlös von über 30 Millionen Dollar erwartet. Das zweite war Sigmar Polke’s «Dschungel» von 1967. Mit 27,1 Millionen Dollar wurde das Ziel von 20 Millionen Dollar deutlich Bild übertroffen. Diese Summe stellt für den deutschen Künstler einen neuen Rekord dar. «Insgesamt war der Deal also profitabel, doch schon jetzt verbuchen wir die Verlustseite, erst später dann den Gewinn,» so McClymont anlässlich des Gesprächs.

Problematische Verpflichtungen

Acht Millionen Dollar verlor Sotheby’s gemäss einer Investorenpräsentation im zweiten Quartal auf Garantien. In dieser Summe seien die Kommissionen nicht berücksichtigt, die auf diesen Garantien verdient würden, so eine Sprecherin. Das Auktionshaus kommentiere die Profitabilität seines Garantie-Portfolios nicht, wie sie dazu erläuterte.

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Ein Opfer des letzten Quartals war Roy Liechtensteins Gemälde «The Ring (Engagement)» von 1962. Dieses brachte in New York nur 41,7 Millionen Dollar ein, über acht Millionen Dollar weniger als erwartet. Das Werk war von Sotheby’s gegenüber dem Auslieferer Stefan Edlis garantiert worden. Der Sammler aus Chicago schenkte vor kurzem einem Chicagoer Kunstmuseum 42 Kunstwerke im Wert von mindestens 400 Millionen Dollar.

Geheimnisvolles Christie's

In den drei Monaten fiel Sotheby’s Einkommen um 1 Prozent auf 332 Millionen Dollar. Die grossen Auktionen finden jeweils im zweiten und vierten Quartal statt. Das Unternehmen berichtet, dass sich die Verkäufe für die erste Jahreshälfte auf 3,7 Milliarden Dollar belaufen würden, ein Plus von 5 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode.

Für den gleichen Zeitraum stieg Christie’s Rechnungstotal auf ein Rekordhoch von 2,9 Milliarden Pfund (4,5 Milliarden Dollar), wie das Londoner Unternehmen vermeldete. Christie’s war 1998 von François Pinaults Beteiligungsgesellschaft Artemis aufgekauft worden. Das Auktionshaus, das weder Einkommen noch Profit publiziert, veröffentlicht zweimal jährlich Verkaufstotals.

Es läge mehr drin bei Sotheby’s

«Wir glauben, dass Sotheby’s mehr verdienen kann, aber es ist noch zu früh, über die Wege dafür zu diskutieren,» so David Schick, Analyst bei Stifel Financial, in einem Bericht.  CEO Smith sagt, dass Sotheby’s sich darauf fokussieren wird, mit der Nutzung seiner Marke das Wachstum in den Bereichen Schmuck, Autos und Finanzdienstleistungen anzukurbeln. Das Unternehmen müsse auch im Bereich Privatverkäufe und bei der Zeitgenössischen Kunst zulegen, wie er feststellt.

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Ein Blick auf Sotheby’s Liste hochvermögender Kunden «zeigt, dass unsere Ressourcenallokation nicht perfekt mit unseren potentiellen Kunden übereinstimmt,» so Smith. «Wir werden das korrigieren.»

(jfr, mit Material von Bloomberg)