Châteauneuf-du-Pape – das neue Schloss des Papstes. Der Name lässt historische Bedeutsamkeit vermuten. Tatsächlich liess Papst Johannes XXII. zwischen 1318 und 1333 auf einer Anhöhe nördlich von ­Avignon ein Schloss als Sommerresidenz erbauen, um der brütenden Hitze der Ebene entfliehen zu können. Vom ehemals imposanten Bau ist nach der Sprengung durch deutsche Truppen im Jahre 1944 nur noch ein Eckturm übrig geblieben.

Was dagegen bis heute erhalten geblieben ist und was es schon lange vor dem Bau der neuen Papstresidenz gegeben hat, ist der Weinbau. Châteauneuf-du-Pape gehört nicht nur zu den bekanntesten, sondern auch mit dem aus dem Jahre 1936 stammenden AOC-Reglement zu den ersten Appellationen Frankreichs.

13 Rebsorten als Ausgangsbasis

Wie in vielen Weinbauregionen Europas kultivierte man im südlichen Rhonetal vor der Ankunft und Ausbreitung der Reblaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Vielzahl von Rebsorten. Als das AOC-Reglement für die Châteauneuf-du-Pape-Weine ausgearbeitet wurde, existierten noch zahlreiche von ihnen.

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Dies erklärt, weshalb insgesamt 13 Rebsorten für die Produktion des Châteauneuf-du-Pape erlaubt sind: Neben den im Süden Frankreichs verbreiteten roten Sorten Grenache noir, Mourvèdre, Syrah und Cinsault und drei weiteren roten Varietäten auch sechs weisse Sorten, darunter Roussanne und Picpoul. Die Hauptsorte ist die ursprünglich aus Spanien stammende Grenache noir, mit der rund 60 Prozent der 3200 Hektaren der Appellation bestockt sind.

Galets speichern die Sonnenwärme

Charakteristisch für das karge Terrain des Gebiets sind die grossen runden Steine, die Galets. Sie heizen sich tagsüber in der Sonne auf und strahlen die gespeicherte Wärme nachts wieder ab. Gleichzeitig schützen sie den Boden vor dem Austrocknen. Neben diesen steinigen Böden trifft man auch auf Parzellen mit sandigen Böden ohne Steine. Die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit, die Lagen der Rebberge sowie die Möglichkeit, aus 13 zugelassenen Rebsorten auswählen zu können, gibt den Winzern viel Spielraum bei der Suche nach ihrem eigenen Stil. So sind die Sortensätze je nach Weingut recht verschieden, wobei die Weine meist aus 50 bis 70 Prozent Grenache noir, 20 bis 30 Prozent Syrah, 10 bis 20 Prozent Mourvèdre und kleinen Mengen anderer Sorten assembliert werden.

Eines der wenigen Weingüter, die alle 13 autorisierten Sorten für die Produktion ihres roten Châteauneuf-du-Pape verwenden, ist das Château de Beaucastel. Seit 1953 im Besitz der Familie Perrin, wird das Gut heute von den Brüdern Jean-Pierre und François Perrin geführt. Bereits ihr 1978 verstorbener Vater Jacques Perrin verbannte Anfang der 1970er-Jahre sämtliche Chemikalien aus Weinberg und Keller und stellte auf biodynamischen Weinbau um, gut zwei Jahrzehnte bevor ­andere Winzer den gleichen Schritt wagten. Neugier und Weltoffenheit, zugleich aber auch grosser Respekt vor der Tradition und ein gesundes Misstrauen gegenüber schnelllebigen Moden prägen auch das Selbstverständnis und die Arbeit seiner Söhne. «Wir versuchen, Tradition und Modernität zu ­verbinden», so Jean-­Pierre Perrin. Und: «Wir hüten uns aber, überstürzt zu handeln. Es ist in unserem Beruf ein Zeichen von Weisheit, gut darüber nachzudenken, weshalb unsere Vorfahren bestimmte Sachen ­getan oder nicht getan haben.»

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Ein Gastronomisches Kulturgut

Der Châteauneuf-du-Pape vom Château de ­Beaucastel ist ein Terroirwein par excellence. Er ist mehr als nur ein handelbares landwirtschaftliches Produkt, er ist ein gastronomisches Kulturgut! Jean-Pierre Perrin bringt es auf den Punkt: «Einen Wein wie diesen kann man nicht imitieren, indem man irgendwo in der Neuen Welt ein paar Rebstöcke pflanzt und im Keller noch ein bisschen herumpröbelt.»

Mit seiner finessenreichen Vollmundigkeit und seinen ausgeprägten Aromen von reifen Früchten, Gewürzen und Pilzen sowie seinem grossen Alterungspotenzial gehört der Château de Beaucastel zu den ganz gros-sen Weinen Frankreichs und hat deshalb auch einen stolzen Preis. Doch im Vergleich zu anderen Weinen von vergleichbarem ­Niveau hält sich sein Preis (der 2012er kostet 87 Franken) noch durchaus im Rahmen.

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Die Weine von Château Beaucastel sind bei Divo (www.divo.ch) erhältlich.