Erich Traber ist 83 Jahre alt und Jungunternehmer. Sein Start-up ist ein paar Monate alt, sein Produkt 200 Millionen Jahre. Zur späten Berufung kam es so: Vor über zwanzig Jahren durchquerte Erich Traber die USA von Florida nach Kalifornien und machte zufällig halt in Holbrook, Arizona. In der Gegend befindet sich eine der bedeutendsten Fundstätten von versteinerten Bäumen. In der Urzeit fielen die Stämme bei Vulkanausbrüchen und wurden unter Asche begraben. Die darin enthaltene Kieselsäure drang in die Stämme ein und führte im Lauf von Jahrmillionen zur Versteinerung. Traber kaufte zwei Ausstellungsstücke und fuhr weiter.

Die Erweckung folgte erst Jahre später, als er in der Region an einer Mineralienmesse weilte und erneut auf die Bodenschätze stiess, diese wundersame Kreuzung aus Edelstein und Holz. Seither ist Arizona für Traber fast so etwas wie ein Wallfahrtsort. Seit fünfzehn Jahren fährt er immer wieder hin, zuletzt Anfang Jahr. «Versteinerte Bäume sind Wunder der Natur», sagt er.

Neben der Geschichte der Bäume fasziniert ihn vor allem ihre Farbenpracht. Die Hölzer aus Arizona gehören wegen ihres weltweit einzigartigen Farbmusters zu den begehrtesten. Sie enthalten von Natur aus unterschiedliche Farbnuancen von satten Erd- bis zu feurigen Rottönen, die durch Elemente wie Eisen, Kupfer oder Mangan hervorgerufen werden. Zudem sind Einschlüsse von Quarz, Amethyst und anderen Materialien erkennbar.

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Traber baute mit viel Herzblut eine Sammlung auf, die mit weit über hundert Objekten zu den bedeutendsten der Welt gehört. «Nun ist die Sammlung so gross geworden, dass ich einen Teil davon verkaufen will», sagt er. An der «Giardina» werden erstmals Exponate in der Schweiz öffentlich gezeigt. Um ihre Herkunft zu veranschaulichen, wird eigens eine Wüstenlandschaft nachgebaut. Es sind nicht nur die bekannten runden Querschnitte von Bäumen zu sehen, sondern erstmals auch meterlange Platten, die aus dem Längsschnitt gewonnen werden.

Die Unikate sind exklusiv und entsprechend wertvoll. Eine Tischplatte in einer Grösse von 150×80 Zentimetern kostet bis zu 50 000 Franken. Das grösste Stück in Trabers Sammlung ist eine runde Platte von einem tausendjährigen Baum, hat einen Durchmesser von zwei Metern, wiegt eine Tonne und kostet gegen 200 000 Franken. Traber ist sich bewusst, dass er sich in einem absoluten Nischengeschäft bewegt, und rechnet damit, pro Jahr etwa 40 Tischplatten zu verkaufen.

Kundige Poliertechnik

Als Kaufmann kann er kalkulieren. 1959 gründete er einen Versandhandel für Konsumelektronik, schloss sich zehn Jahre später mit weiteren Elektronikdiscountern zu Interdiscount zusammen und verkaufte das Unternehmen 1996 an Coop. Für das Geschäft mit den versteinerten Bäumen gründete er vergangenes Jahr die Firma Crystal Wood. Dabei handelt er nicht nur mit den Bodenschätzen, sondern kontrolliert auch deren Verarbeitung: Traber hat eine Schleiferei im Elsass erworben – wohlwissend, dass sich Glanz und Maserung der Hölzer erst durch die kundige Schleif- und Poliertechnik entfalten.

Nach dem Kick-off an der «Giardina» werden die Stücke ab Mai auch im Freizeitzentrum Riverside in Glattfelden gezeigt. Angesagt ist die grösste Ausstellung von versteinertem Holz, die je in Europa zu sehen war. «Es ist ein Sprung ins Ungewisse», sagt Erich Traber über sein spätes Start-up, «aber es reizte mich, etwas zu machen, das es noch nicht gibt.»

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