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Vincent Ducrot, künftiger CEO SBB, am hauptsitz in bern
Quelle: Nik Hunger

PersonVincent Ducrot

Mit Vincent Ducrot ist bei den SBB kein Generationenwechsel eingeläutet worden. Vielmehr soll der Freiburger die Bahn wieder aufs richtige Gleis bringen. Zuletzt sorgten nämlich Probleme mit der Pünktlichkeit, das Drama um die Dosto-Doppelstöcker, der Lokführermangel und ein tödlicher Unfall wegen defekter Türen für negative Schlagzeilen. Statt hochfliegender Zukunftsvisionen steht nun wieder der nüchterne Bahnalltag zuoberst auf der Pendenzenliste. Und Ducrot bringt alles mit, was es dazu braucht. In Freiburg ist man sich jedenfalls einig, dass der Ex-Chef der regionalen Verkehrsbetriebe TPF mit rund 1000 Mitarbeitern einen guten Job gemacht hat. Unter seiner Leitung modernisierte er die regionale Bahnfirma, und die Anzahl der Passagiere stieg zwischen 2011 und 2018 um fast 7 Millionen auf jährlich 32,5 Millionen.

Nun sind die SBB mit mehr als 33 000 Mitarbeitenden freilich ein anderes Kaliber. Doch seit seinem Antritt im April 2020 hat Ducrot schon einiges angepackt. So führte er etwa zwei neue Konzernbereiche ein, die im Hintergrund die Koordination zwischen den Divisionen und Abteilungen verbessern sollen. Als Ducrot bei den SBB begann, war er nicht von allem begeistert, was er vorfand: Jede Division habe nur für sich geschaut, viele Tätigkeiten seien unabhängig voneinander durchgeführt worden, sagte er zu BILANZ. Ducrot bezeichnete dieses Silo-Denken als «die Krankheit der SBB».

Der verwitwete Vater von sechs Kindern kennt die Bundesbahnen allerdings auch aus seiner Vergangenheit. 18 Jahre hatte er vor seiner TPF-Zeit für sie gearbeitet und ist die Karriereleiter vom IT-Mitarbeiter zum Chef Fern-verkehr hochgestiegen. Eine Anlaufzeit war daher in Bern nicht nötig. Allerdings war der neue Chef wegen der Pandemie am Anfang fast alleine im SBB-Hauptsitz. Das Kennenlernen der Mitarbeitenden erfolgte virtuell. Einen grossen Effekt hat Corona überdies auf die Bilanz. Zwar hat sich aufgrund des ausgedünnten Fahrplans die Pünktlichkeit bereits verbessert. Aber trotz der rund 400 Millionen Franken, die der Bund einschiesst, wird Ducrot sein erstes Jahr mit einem Defizit in den Büchern abschliessen. Wie es künftig in puncto Finanzierung weitergeht, sollen Gespräche zwischen SBB und Bund weisen. Dass die Bahn langfristig leiden wird, glaubt Ducrot jedenfalls nicht. Er ist überzeugt, dass die Passagiere wieder zurückkommen.

(Stand: Dezember 2020)

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