Seit Monaten laufen unverbindliche Gespräche über ein Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und den USA. Der Besuch von Guy Parmelin in den USA bringt nun etwas Bewegung in das Dossier: Der Wirtschaftsminister traf sich letzte Woche in Washington mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lightizer. Die beiden unterzeichneten eine Absichtserklärung. Die Länder sollen einen Deal nicht länger nur ausloten, sondern ernsthaft darüber verhandeln. Stimmen Bundesrat und der US-Kongress zu, rückt ein Freihandelsvertrag in Griffnähe.

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«Irgendein Deal wird hoffentlich herauskommen», sagt Martin Naville, der Chef der Handelskammer Schweiz-USA. Der Weg zu einem Abkommen sei aber noch weit. Es gebe viele Probleme, an denen eine Vereinbarung scheitern könnte, sagt der USA-Kenner.  «Nun ist es an der Schweiz, die USA zum tanzen zu bringen.» Schliesslich sei es der Bundesrat gewesen, der 2006 die letzten Freihandelsgespräche abgebrochen hatte. «Die Schweiz muss ihre Position klären.»

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Martin Naville: «Die Bauern müssen mit an Bord geholt werden»

Quelle: Keystone

Brüssel bringt die Schweiz unter Zugzwang

Vor dreizehn Jahren war der Bundesrat vor allem wegen dem Widerstand der Schweizer Bauern zurückgekrebst. Heute würden die Bauernvertreter aber eher Hand bieten für ein Abkommen, glaubt Naville. Beim Freihandelsvertrag mit Indonesien, den die Schweiz jüngst unterzeichnet hat, hätten sie sich auch flexibel gezeigt. «Die Bauern müssen mit an Bord geholt werden», so Naville.

Die Schweiz ist aus Sicht des AmCham-Chefs unter Zugzwang. Heute Montag hat die Europäische Union Freihandelsgesprächen mit den USA zugestimmt. «Ein transatlantischer Freihandelsvertrag ist durchaus möglich», glaubt Naville. Das transatlantische Verhältnis sei zwar äusserst angespannt, die Differenzen aber nicht unüberbrückbar. Und falls sich Brüssel und Washington tatsächlich auf einen Freihandelsvertrag einigen würden, hätte die Schweiz laut Naville ein grosses Problem. «In diesem Fall wäre es überlebenswichtig, dass auch wir ein Abkommen bekämen.»

(mbü)