«Super-Mario» sagte am Donnerstag «Arrivederci». Nach dem Rücktritt von Italiens Ministerpräsident Mario Draghi steht die drittgrösste Volkswirtschaft Europas vor Neuwahlen in rund zwei Monaten.

Die Lage ist derzeit noch unübersichtlich. Zu frisch sind das Abstimmungsdebakel für den parteilosen Regierungschef Draghi im Senat und der Sturz seines Kabinetts. Und doch könnte Italien ein Rechtsrutsch drohen. «Mitte-Rechts ist bereit, die Wahl am 25. September zu gewinnen», erklärte Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Lega noch am späten Donnerstagabend.

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Tatsächlich stehen die Chancen dazu nicht schlecht: Aktuell steht Girogia Meloni mit ihren Fratelli d’Italia gemäss Umfragen ganz vorne in der Wählergunst.

Giroga Meloni hat Matteo Salvini den Rang abgelaufen

Die Chefin der rechtsextremen Partei ist die italienische Antwort auf Marine Le Pen – europafeindlich und stockkonservativ. Und gleichzeitig gilt Meloni als die zurzeit schillerndste Figur in der Politik unseres südlichen Nachbarlandes. Die 45-Jährige hat Matteo Salvini, der lange Zeit der grösste Held im rechtspopulistischen Milieu war, den Rang abgelaufen. 

Es ist ein bemerkenswerter Aufstieg, den die Tochter einer Sardinierin und eines Sizilianers in kurzer Zeit hingelegt hat. Die in Rom geborene Meloni trat mit 15 Jahren der Fronte della Gioventù bei, der Jugendorganisation des neofaschistischen Movimento Sociale Italiano (MSI). Noch als Schülerin gründete sie ausserdem die Protestbewegung Gli Antenati («Die Vorfahren»), mit der sie sich gegen eine Schulreform von der christdemokratischen Unterrichtsministerin Rosa Russo Iervolino stark machte. 

1996 übernahm Meloni die Spitze der Azione Studentesca, der Studentenbewegung der nationalkonservativen Alleanza Nazionale (AN), die aus dem MSI hervorgegangen war. Später wechselte sie in die Führung der AN-Jugendorganisation, in der die aufstrebende Jungpolitikerin 2004 den Vorsitz übernahm

Meloni: Jüngste Abgeordnete, jüngste Ministerin Italiens

In die grosse nationale Politik stieg Meloni 2006 ein – und kletterte schnell die Karriereleiter weiter hoch. Bei den Wahlen 2006 schaffte die Postfaschistin den Sprung in die Abgeordnetenkammer. Zwei Jahre später wurde sie Vizepräsidentin der grösseren Parlamentskammer Italiens – als jüngste Abgeordnete jemals notabene. 

Der Aufstieg Melonis ging unaufhaltsam weiter. Unter Silvio Berlusconi, der bei den vorgezogenen Wahlen 2008 mit dem neuen Mitte-rechts-Bündnis Popolo della Libertà (PdL) einen deutlichen Sieg einfuhr, erhielt sie das Jugend- und Sportministerium. Mit bloss 31 Jahren war sie zur damals jüngsten Ressortchefin in der Geschichte der italienischen Republik aufgestiegen.

Im Dezember 2012 kam es zum Bruch Melonis mit Förderer Berlusconi und seinem Führungsstil. Zusammen mit dem früheren Verteidigungsminister Ignazio La Russa und anderen Mitstreitern gründete sie im Jahr darauf die Fratelli d’Italia (FdI), die «Brüder Italiens», benannt nach der Nationalhymne.

Als Vorsitzende seit 2014 hat es Meloni geschafft, den FdI, die bis heute das Flammensymbol der Mussolini-treuen Neofaschisten im Wappen haben, den Anstrich einer braven, nationalkonservativen Bewegung zu verpassen. Mit der aktuellen Popularität im Rücken könnte sie im kommenden Herbst ihren bisher schnurgeraden Aufstieg fortsetzen und zur Regierungschefin Italiens werden. 

Ihr nächstes Ziel hat Meloni jedenfalls fest im Blick: «Ich weiss, wie man regiert», sagte sie nach dem Rücktritt Draghis gegenüber Medienvertretern.