1. Home
  2. Politik
  3. Wo das iPhone hergestellt wird

Handelsstreit
Das Rechenbeispiel für Donald Trump

Arbeiter im Foxconn-Werk in Shenzen, Südchina: Hier entstehen die iPhones – oder doch nicht?
Arbeiter im Foxconn-Werk in Shenzen, Südchina: Hier entstehen die iPhones – oder doch nicht? Quelle: Corbis/Getty

Welcher Anteil eines iPhones entsteht in den USA, welcher in China, welcher in Europa? Eine kleine Lektion in Globalisierungskunde.

Von Ralph Pöhner
am 10.07.2018

Das Handy ist ein globalisiertes Multikulti-Produkt. In einem iPhone stecken zum Beispiel die Bewegungssensoren von Bosch (Deutschland), die Batterien von Simplo (Taiwan) oder Sunwoda (China), der Flash-Speicher von Toshiba (Japan), die Chips von Qualcomm (USA), das Gyroskop von STM (Holland und Schweiz) – man könnte noch lange aufzählen.

Zusammengeschraubt wird das Gerät am Ende in der Volksrepublik China. In der Fabrik eines Unternehmens aus Taiwan.

Das Prinzip kennen viele. Trotzdem gibt es Politiker, die zwischen Import-Überschuss und Export-Unterschuss unterscheiden, die hier ein Missverhältnis sichten, die das Ganze dann als «unfair» erachten und es mit Zöllen bekämpfen wollen.

Eine konkrete Frage im aktuellen Zoll- und Handelsstreit von Donald Trump würde also lauten: Wieviel China wird importiert, wenn man ein iPhone von Schenzen nach San Francisco (oder auch in die Schweiz) verschifft?

Anteil der Europäer: gering

Dieser Frage gingen nun drei Ökonomen der Syracuse University sowie der University of California nach. Ihre Antwort: Es ist ganz wenig. Bei einem Fabrikpreis von 237,45 Dollar für ein iPhone 7 gehen bloss 8,46 Dollar an chinesische Hersteller. US-Betriebe stellen immer noch den grössten Teil eines Apple-Handys her (im Wert von 68,70 Dollar) – derweil europäische Partner lediglich Beiträge für 6,60 Dollar zuliefern.

Jason Dedrick, Kenneth L. Kraemer und Greg Linden verfolgen die Wertschöpfungsketten hinter der kalifornischen IT-Industrie schon seit Jahren, trotzdem dürften ihre Ergebnisse immer noch erstaunen. Denn in der Zollstatistik taucht das erwähnte Smartphone einfach als China-Import im Wert von knapp 240 Dollar auf – integral. Ergo bilden Handys für die USA mittlerweile das wichtigste einzelne Importprodukt aus dem Riesenreich, gefolgt von Computern, Telekommunikations-Anlagen und IT-Peripheriegeräten. Also von Waren, die uns ebenfalls oft als «amerikanisch» verkauft werden, während sie genauso ein Mischmasch sind wie das iPhone.

Anzeige
Quelle: Dedrick / Linden / Kraemer

Dedrick, Linden und Kraemer zeigen damit nebenbei auf, wer bei einer nächsten Eskalation des Zollstreits die grossen Opfer wären: Nicht die chinesischen Produzenten, sondern japanische, taiwanesische und amerikanische Hersteller – sowie die Konsumenten.

Man müsste korrekt rechnen

Zur Abkühlung der Lage raten die Wissenschaftler ganz trocken, das Handelsdefizit faktengetreuer zu rechnen. Entscheidend zur Beurteilung seien die 8,46 Dollar, welche den Beitrag der chinesischen Beteiligten erfassen – und nicht etwa die 240 Dollar des zusammengebauten Endprodukts, die dann verzollt werden und in der Statistik Donald Trump ärgern.

Es wäre eine Betrachtungsweise, die notabene auch den Aspekt der Fairness bei der Produktion eines globalen Industriegutes stärker ins Zentrum stellen würde. Denn etwas kommt ja noch hinzu: der Aufschlag zwischen dem Fabrikpreis und dem Endpreis. Er beträgt etwa 400 Franken und geht an lokale Händler – sowie zum allergrössten Teil an Apple Inc. in Cupertino, Kalifornien. Die dann den Gewinn in den USA versteuert.

Oder sonstwo. Aber das ist eine andere Globalisierungsgeschichte.

Quellen