Schulleben lange vor der Pisa-Sudie: Der Ruf unserer Klasse war schlecht, sehr schlecht, und das zu Recht. Uninspiriert, unmotiviert, unangepasst, allen möglichen Facetten des Lebens mehr zugetan als dem Schulstoff, hockten die allermeisten die Stunden ab mit dem einzigen Ziel, irgendwie die Matura zu überstehen.

«Wenn es noch lange so weitergeht», pflegte ein frustrierter Klassenlehrer zu warnen, «geht es nicht mehr lange so weiter.» Wären uns als 15-Jährige die OECD-Pisa-Tests vorgelegt worden, hätten wir den Schnitt weit nach unten gezogen, was die Forderung nach mehr Geld zur Hebung des Niveaus noch akzentuiert hätte.

So mancher «Problemfall» macht Karriere

Jahre später grüssen diese Problemschüler als international tätige Anwälte, Bischof, Chefärzte, Diplomat, Hedgefonds-Manager oder Professoren an US-Universitäten. Schulleistungen, so der erste Befund, sind kein Kriterium für den beruflichen und wirtschaftlichen Erfolg.

Mehr noch: Wenn Lehrer spät am Abend ehrlich werden, erzählen sie, dass es in aller Regel nicht die besten Schüler sind, welche die steilsten Karrieren machen und das meiste Geld generieren, sondern ganz andere: unauffällig Gebliebene oder gar «Problemfälle». Sie relativieren damit die Wirkung ihrer Arbeit, vor allem aber die Effizienz des gesamten teuren Bildungssystems.

Was bringen die eingesetzten Bildungs-Milliarden wirklich?

Tatsächlich kann keine einzige Korrelation nachgewiesen werden zwischen den Investitionen in die Bildung, die den Trainingsfleiss mit Diplomen und Zertifikaten bis hin zur Titelflut belohnt, und dem BIP-Wachstum.

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Auch seriöse Bildungsforscher, die den generellen Nutzen der Schulung der Menschen bejahen, räumen ein, dass sie die positiven ökonomischen Effekte der eingesetzten Milliarden in immer neue Institute nicht vorzeigen können, weder für den Einzelnen noch für die Volkswirtschaft insgesamt.

Budget-Blähung als «beste Investition in die Zukunft»

Die (international normierte) Akademisierung, die mit den Pisa-Tests beginnt, wirkt nicht als Wirtschaftsmotor. Trotzdem ist es der Bildungsindustrie und der damit verbundenen Politik gelungen, die Blähung ihrer Budgets als «beste Investition in die Zukunft» und Garantie für einen steigenden Wohlstand zu etablieren.

Offensichtlich treiben aber ganz andere Kompetenzen den individuellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt an als die fehlerfreie Repetition des OECD-standardisierten und bisweilen banalen Lernstoffes.

Bitte fördern: Mut, Fantasie und ein Schuss Aggressivität

Es sind Eigenschaften wie Mut, Fantasie, Ehrgeiz, Durchhaltewille, Freude, Frechheit und ein Schuss Aggressivität. Sie bringen Bewegung und Entwicklung. Genau diese Dispositionen werden durch den fixen Blick auf die Pisa-Punkte und durch die Massnahmen zu deren raschen Steigerung jedoch mehr zugeschüttet als geweckt.

Wenn schon getestet werden soll, dann Kraft und Lust, Experimente zu wagen. Gefördert werden solch frische Charaktere, die für ökonomischen Schwung sorgen können, sicher nicht, indem zusätzliche Mittel in die totale Verschulung der Jugend gepumpt wird. «Beste Investitionen in die Zukunft» wären Freiräume, grosszügige Rahmenbedingungen wie der Zugang zu Risikokapital (auch für Nichtakademiker!) und attraktive fiskalische Konditionen.