Es braucht ein deutliches Zeichen, dass keine Massnahmen aufrechterhalten werden, die nicht unbedingt nötig sind», sagt FDP-Präsidentin Petra Gössi im Interview mit der «NZZ am Sonntag». Das heisse konkret, dass alle Geschäfte wieder öffnen sollen, die die Sicherheitsmassnahmen des Bundesamts für Gesundheit einhalten können: den Abstand von zwei Metern für alle Personen im Laden und sämtliche Hygienevorschriften.

«Wenn wir das nicht machen, setzen wir das Verständnis für die Massnahmen des Bundesrats unnötig aufs Spiel», erklärt Gössi. Ausserdem sorgt sich die Freisinnige um die Chancengleichheit der Kinder und Jugendlichen. «Ich fordere, dass die Volksschulen insbesondere auf der Unter- und Mittelstufe nach den Frühlingsferien ihren Betrieb wieder aufnehmen.»

Für viele Kinder funktioniere Homeschooling über eine gewisse Zeit. In fremdsprachigen und sozial benachteiligten Familien, wo die Eltern weniger helfen könnten, drohten Kinder den Anschluss zu verlieren. «Das darf nicht geschehen», sagt Gössi.

Berset: Zeitpunkt für Exit-Entscheid noch nicht gekommen

Bundesrat Alain Berset hält hingegen einen baldigen Ausstieg aus dem Stillstand für unrealistisch. Am Mittwoch will sich der Bundesrat zwar ein erstes Mal über die Möglichkeiten eines Exit unterhalten. Aber Berset sieht den Zeitpunkt für einen Exit-Entscheid noch nicht gekommen.

«Im Moment scheint es illusorisch, dass wir auf den 20. April viel ändern können», sagte Beset in einem Interview mit der «Sonntagszeitung». «Erst wenn die Zahlen der Infizierten und der Spitaleintritte eindeutig sinken, können wir an Lockerungen denken.» Die Erfahrung zeige, wer zu früh nachlasse, verlängere die Krise. Der Gesundheitsminister will gar noch härtere Massnahmen bis zu einer Ausgangssperre über Ostern nicht ausschliessen, wenn die Disziplin der Bevölkerung nachlasse.

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