Die Apotheke um die Ecke war am Mittwoch früh leer. Die Pharmazeutin überreichte mir das kleine Paket mit fünf Selbsttests innert einer Minute. Das ist effizient. Sie anerbot sich, den Ablauf kurz zu erklären. Zwanzig Minuten später schritt ich zur Tat im Homeoffice: Die Nasenschleimhaut abstreichen, die Probe ins Röhrchen einbringen, die Flüssigkeit auf eine Testplatte auftragen, und fertig. Das Resultat: Ich bin Coronavirus-negativ.

Einfacher geht es nicht. Der Test ist gut. Und die Strategie, dass sich die Bevölkerung zuhause selber gratis testest, ist zielführend. So kann die Übertragung im privaten Bereich reduziert werden. Und jede Person kann selber handeln, sie kann Gesundheitsprävention in Eigenverantwortung betreiben.

Schluss mit den Schlangen vor Ärztepraxen und Testzentren, fertig mit überteuerten PCR-Tests zulasten der Testwilligen.

Doch die Strategie kommt vier Monate zu spät. Das Bundesamt für Gesundheit hatte bereits Ende November eine neue Teststrategie in Aussicht gestellt. Am 1. Dezember schrieb das Amt der «Handelszeitung»: «Derzeit wird evaluiert, ob in Zukunft breiter getestet werden soll, auch unter Einbezug asymptomatischer Personen. Diese Arbeiten sind im Gange und werden demnächst abgeschlossen. Der Bundesrat wird schon bald über eine allfällige Anpassung der Teststrategie informieren.»

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«Demnächst» heisst beim BAG und Bundesrat offenbar 4 Monate.

Mitverantwortlich für diese massive Verzögerung ist die Arzneimittelkontrolle Swissmedic. Während umliegende Länder den Schnelltest bereits Mitte November zuliessen, schaffte dies unsere Behörde erst am 31. März. Dies geschah wohl zudem nur auf politischen Druck hin, denn in der Mitteilung steht, dass Swissmedic eine «Ausnahmebewilligung» erteilte. Ohne den Druck der Öffentlichkeit hätte es wohl noch viel länger gedauert.

«Politisch zu verantworten hat dies Bundesrat Alain Berset allein, nicht der Gesamtbundesrat.»

In diesen vier Monaten erlitten Teile der Wirtschaft pandemiebedingt einen wirtschaftlichen Schaden von geschätzt 24 Milliarden Franken. Die Eidgenossenschaft und die Kantone mussten die Härtefallhilfe von 1,5 auf rund 12 Milliarden Franken aufstocken. Die Zahl der schweren Verläufe ging in die Tausende, die Zahl der Toten in die Hunderte.

Verloren ging auch der Glaube, dass der Schweizer Staat die richtigen Massnahmen in der heissen Phase der Pandemie zeitnah trifft. Politisch zu verantworten hat dies Bundesrat Alain Berset allein, nicht der Gesamtbundesrat. Berset ernennt die Geschäftsleitung des Bundesamtes für Gesundheit und überwacht sie und er nominiert den Verwaltungsrat der Swissmedic.

Ratschläge von Seiten der Wirtschaft gab es genug. So riet etwa der Dachverband Economiesuisse am 18. Dezember, die Teststrategie des Bundes zu beschleunigen. Doch Berset schlug die Vorschläge in den Wind. Einmal mehr.