Nach rund 15 Stunden Verhandlungsmarathon gibt es im Fall Griechenland nun offenbar eine Einigung. Es ist klar: Die Eurogruppe – allen voran die deutschen Verhandlungsträger – wollten Athen keine nennenswerten Zugeständnisse machen. Auch wenn EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Montagvormittag von einer typisch europäischen Einigung sprach – bei der keine der verhandelnden Parteien verloren habe.

Doch Deutschland dürfte den Verhandlungen klar seinen Stempel aufgedrückt haben. Am Wochenende brachte Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble bereits einen temporären Grexit ins Spiel. Die Stimmung in Brüssel war teilweise «aggressiv», berichten Eingeweihte.

«Europäisches Projekt hat furchtbaren Schlag erlitten»

Und die Forderungsliste an Athen ist offenbar lang. Unter anderem soll Griechenland seine in den vergangenen Jahren bereits angehobene Mehrwertsteuer weiter erhöhen. Sollte der Primärüberschuss im Haushalt nicht wie geplant ausfallen, sollen nach dem Willen der Gläubiger offenbar automatische Budgetkürzungen greifen. Dies würde prozyklisch die ohnehin schon grossen Konjunkturprobleme zusätzlich verschärfen.

Deutschland agiert wie ein Hegemon

Im Netz wächst der Zorn ob der vermeintlich brutalen Forderungen: Unter dem Hashtag «#ThisIsACoup» – aus dem Englischen übersetzt: «Das ist ein Staatsstreich» – wächst der Unmut gegen die Gläubiger. Die Kritiker wähnen Griechenlands Souveränität am Ende. Nobelpreisträger Paul Krugman nannte die Forderungen der Eurogruppe «verrückt». Er spricht von «Rachsucht» aufseiten der Gläubiger – offenbar, weil Griechenlands Premier das Referendum ohne Absprache mit der Eurogruppe stattfinden liess.

Anzeige

«Das europäische Projekt – ein Projekt, das ich immer gelobt und unterstützt habe – hat gerade einen furchtbaren, vielleicht sogar tödlichen Schlag erlitten. Und was immer man von (der griechischen Regierungspartei) Syriza oder Griechenland hält – die Griechen haben es nicht verbockt», schrieb der Ökonom.

«Das hat in Europa noch nie funktioniert»

Vor allem die Vertreter aus Berlin stehen im Netz unter Beschuss. Deutschland agiere in Europa wie ein Hegemon. «Das hat in Europa noch nie funktioniert», twitterte etwa Reinhard Göweil, Chefredakteur der Wiener Zeitung. Wie er sind viele – vor allem linke Beobachter – empört über die vermeintliche Bevormundung der Griechen.

(mit Material von sda)

 

— Erik Marquardt (@ErikMarquardt) 12. Juli 2015
— Axel Reimann (@axel_reimann) 12. Juli 2015
— reinhard göweil (@boyfromcountry) 13. Juli 2015
— Christos Paloubis (@paloubis) 13. Juli 2015