Die Schweiz hat bis auf Weiteres nur noch den Status eines nicht-assoziierten Drittstaates beim EU-Forschungsprogramm Horizon Europe. Das hat die EU-Kommission laut Staatssekretariat für Bildung Forschung und Innovation (SBFI) am Montag der Schweiz mitgeteilt. Während die Schweiz Top-Forschende nun selber finanzieren will, lässt Brüssel durchblicken, sie erhielten EU-Gelder, wenn sie in ein EU-Land umzögen.

Zwar könnten sich Forschende in der Schweiz an gewissen Ausschreibungen beteiligen. Sie erhielten aber in der Regel keine Finanzierung mehr durch die EU, heisst es in der Mitteilung der SBFI. Daher erfolge überall dort, wo eine Teilnahme möglich ist, «die Finanzierung durch das SBFI».

Von einer Teilnahme ausgeschlossen sind Forschende aus der Schweiz hingegen an Einzelprojekten des Europäischen Forschungsrats (ERC), der Marie Skłodowska Curie Aktionen und des Europäischen Innovationsrates (EIC).

Grosser Nachteil für Forscher

Ausnahmen gibt es laut SBFI für die bereits geschlossenen Ausschreibungen von ERC-Stipendien: Projektanträge von Forschenden an schweizerischen Gastinstitutionen würden fertig evaluiert. Bei positiver Beurteilung biete das SBFI eine Direktfinanzierung an, heisst es weiter.

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Astrid Epiney Vizepräsidentin von Swissuniversities, dem Zusammenschluss der Schweizer Hochschulen, sagte am Mittwoch in der Sendung «Rendez-vous» von Radio SRF: «Das ist für die Forschenden ein grosser Nachteil.» Diese Stipendien seien quasi die Champions League in den internationalen Ausschreibungen «und auch wichtig für die internationale Anerkennung und Vernetzung».

Die EU-Kommission ihrerseits schreibt auf einer an Forschende gerichtete Webseite dazu, es gebe EU-Gelder für Forschende aus der Schweiz, wenn sie in einem EU-Mitgliedstaat oder in einem an Horizon Europe assoziierten Land angesiedelt seien. Forschende könnten dies als Aufforderung verstehen, die Schweiz zu verlassen.

«Aber es ist nicht alles verloren»

Matthias Egger, Präsident des nationalen Forschungsrates, bedauert ebenfalls diese Entwicklung. «Aber es ist nicht alles verloren. Wir haben die Mittel, diese negativen Effekte mindestens zum Teil aufzufangen», sagte er zu Radio SRF.

Man habe aber 2014 gesehen, dass «auch ein kurzer Ausschluss relativ lange negative Folgen hatte». Wegen der Annahme der Zuwanderungsinitiative hatte die EU damals die Verhandlungen mit der Schweiz über ihre Teilnahme am EU-Forschungsprogramm auf Eis gelegt.

Trotz des Ausschlusses 2014 sei jedoch das Schweizer Ranking in der Wissenschaft «hoch geblieben», sagte Egger weiter. Er hoffe aber, dass die Schweiz sehr schnell wieder assoziiert werden könne.

Zwei Bedingungen aus Brüssel

Gemäss SBFI strebt die Schweiz weiterhin eine Vollassoziierung an das EU-Forschungsprogramm an. Für eine Assoziierung stellt Brüssel jedoch Bedingungen: die Zahlung des zweiten Kohäsionsbeitrags und den Abschluss eines Dachabkommens.

Einzelheiten zu diesem Dachabkommen - das nichts mit dem Rahmenabkommen zu tun hat - sind noch nicht bekannt. Ausserdem stellt die EU-Kommission die Aufnahme von Verhandlungen in den Zusammenhang der Gesamtbeziehungen zwischen der Schweiz und der EU.

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Das Horizon Europe-Programm dauert von 2021 bis 2027 und ist mit einem Gesamtbudget von gut 95 Milliarden Euro das weltweit grösste Forschungs- und Innovationsförderprogramm.

(sda/gku)