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Internet-Identität: UBS stellt sich gegen SBB und Post

Internet-Identität: Grossbanken bekämpfen SBB und Co.
Schweizerische Identitätskarte: Verschiedene Pendants im Internet. Keystone

Die elektronische Identität ist die Basis für digitale Ökosysteme. Die UBS experimentiert mit einer eigenen Lösung. Damit positioniert sie sich gegen die bereits bestehende SuisseID von SBB und Post.

Von Matthias Niklowitz
2017-06-27

Die UBS und Allianz brachten Anfang Mai einen ersten Vorgeschmack auf die digitale Zukunft: Die Grossbank machte das Allianz-Portal my.Allianz auch aus der eigenen Online-Plattform heraus zugänglich. Technologische Grundlage ist eine digitale Identität (ID), welche die UBS von einem deutschen Unternehmen bezieht und als «Access Pass» bezeichnet.

Die UBS wird zukünftig bei den Kunden, bei denen sie aufgrund der Transaktionshistorie annimmt, dass sie auch Allianz-Kunden sind, ein entsprechendes Logo auf ihrem Online-Banking anbieten. Die Doppelkunden erhalten automatisch Zugriff auf die Allianz-Plattform – identifiziert haben sie sich, so die Logik, bereits bei der UBS.

Digitale Kontoeröffnung

Mit der eID beabsichtigen die Banken, für die ganze Bevölkerung in der Schweiz einen digitalen Ausweis zur Verfügung zu stellen. Neben einem einfachen und komfortablen Login in gesicherte Webseiten und Ähnliches werden auch anspruchsvolle Dienstleistungen bis hin zur qualifizierten elektronischen Unterschrift digital möglich sein.

Die UBS ist auch die erste Bank, welche im digitalen Kontoeröffnungsprozess die qualifizierte elektronische Signatur anbietet, wie Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern im IFZ Retail Banking Blog Mitte Juni 2017 zum Digital Onboarding bei UBS schreibt.

Sammelsurium an Lösungen

Bei den rein digitalen elektronischen IDs gibt es noch keine standardisierte, einheitliche Lösung. Jede Bank hat ihre IDs für die Online- und Mobile-Zugänge. Das gleiche gilt für die grossen E-Commerce-Firmen wie Amazon.com oder Zalando sowie die grossen IT-Anbieter wie Microsoft, Apple oder Google. Das Hauptproblem bei diesen Lösungen ist, dass sie untereinander nicht kompatibel sind.

Der einfachste Weg für eine einheitliche digitale Signatur wäre der staatliche, denn schafft ein Land eine national gültige und international anerkannte elektronische ID, lassen sich weitere Dienste für E-Banking, E-Government inklusive digitale Stimmabgabe, digitale Signatur, E-Commerce und E-Health darauf aufbauen.

In der Schweiz läuft es gemäss den Vorschlägen bisher auf eine typisch föderale Zwischenlösung hinaus, bei der sowohl private als auch öffentliche Träger die IDs ausstellen dürfen. In der Praxis haben sich auch bereits zwei Lager gebildet: Die Post und die SBB hatten Mitte Mai ihre SwissID lanciert. Diese wurde umgehend interessierten Behörden und Firmen angeboten. Wichtige frühere Nutzer sollen die Post-Portal-Kunden (ab Herbst 2017) und die SwissPass-Kunden der SBB (ab 2018) einbringen. Eine Erfolgsgarantie ist das nicht – die SwissID ist eine Weiterentwicklung einer vom Bund vor sieben Jahren vorgestellten SuisseID-Lösung, die sich allerdings nie durchgesetzt hatte.

Verzettelung droht

Das andere Lager besteht aus den Grossbanken und einem Telecom-Netzbetreiber. Ende Mai gab es aus dieser Richtung einen Aufruf zur Geschlossenheit und zur Entwicklung einer einzigen Lösung. Swiss Fintech Innovations als unabhängiger Fachverband will «die Anstrengung aller Parteien bündeln und koordinieren», wie es in einer Stellungnahme des Verbandes heisst.

Auf dem Spiel steht allerhand: Eine Vielfalt von elektronischen IDs könnte laut Experten eine Situation schaffen, wie sie vor der Bündelung der Kräfte bei mobilem Bezahlen hierzulande existierte, als sich Twint von Postfinance und Paymit der Banken gegenüberstanden. Auch bei der digitalen ID würden Insellösungen mit fehlender universeller Akzeptanz der elektronischen Signatur den Bau interessanter digitaler Ökosysteme behindern.

Dieser Text erschien zuerst im Fachmagazin «Schweizer Bank» unter dem Namen «Der lange Weg».

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