Eine Woche vor der Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative geht Glencore-Boss Ivan Glasenberg in die Offensive. Im Interview mit «SonntagsBlick» attackiert er NGOs und Medien: «Uns anzuprangern, ist das Businessmodell einiger NGOs

Die Anschuldigungen könnten sie oftmals aber nicht belegen, weil sie schlicht nicht stimmten. «Das beste Beispiel dafür ist der Vorwurf der Kinderarbeit in Glencore-Minen. Diese gibt es schlicht nicht.»

Ein Problem habe er inbesondere mit denjenigen NGOs, die die Situation vor Ort nicht verstünden, sondern Glencore aus ihren Schweizer Büros heraus kritisierten. «Ich habe viele mehrmals zum Gespräch mit mir eingeladen und angeboten, gemeinsam unsere Minen zu besuchen – aber die meisten von ihnen wollen gar keinen Dialog», so Glasenberg. Stattdessen suchten sie nach Missständen. «Und wenn sie nichts finden oder die Fakten nicht mögen, übertreiben sie oder erfinden einfach etwas.»

ARD, BBC und SRF «springen auf den Zug auf»

Auch renommierte Medienunternehmen wie ARD, BBC und SRF kritisiert der Glencore-Chef: «Die Medien beziehen ihre Informationen meist auch von NGOs. Sie springen auf den Zug auf.» Beweisen könnten sie die Vorwürfe meist ebenfalls nicht.

Auf die Frage, wieso Glencore jahrelang kaum auf Vorwürfe reagiert habe und ausgerechnet jetzt, eine Woche vor der Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative (Kovi) aktiv werde, sagt er: «Mit dem Vorwurf der Kinderarbeit haben die NGOs eine rote Linie überschritten. Das können wir nicht auf uns sitzen lassen.»

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Es gehe ihm um die 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Glencore in der Schweiz – und darum, den Ruf des Unternehmens zu schützen. «An unserer Arbeitsweise würde sich mit Kovi nicht viel ändern. Bei uns gelten schon heute überall auf der Welt die gleichen strengen Standards», so Glasenberg weiter.

Konzernverantwortung: Firmenchefs sind nervös

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(gku)