Jack Ma unternimmt eine Tournee durch Europa, nachdem er fast zwei Jahre lang weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden war. Dies ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass Chinas Regierung den Druck auf den Unternehmer lockert. Gleichzeitig zieht sich Ma von seinem Geschäftsimperium zurück, das ihn zu einer der mächtigsten Personen des Landes gemacht hatte.

Der 57-jährige Mitbegründer der Alibaba Group tauchte in Restaurants in Österreich auf, besuchte eine Universität in den Niederlanden, um etwas über nachhaltige Landwirtschaft zu lernen, und legte mit seiner Yacht vor der spanischen Insel Mallorca an, wie «Bloomberg» und lokale Medien berichten.

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Gegen Regulierung von Ant protestiert

Es ist zwar nicht Mas erste Reise ausserhalb Chinas, seit er im Jahr 2020 Beamte der Kommunistischen Partei wegen der Regulierung seines Fintech-Riesen Ant Group kritisierte, aber es ist eine deutliche Veränderung gegenüber den Tagen, als der Milliardär von der Regierung angewiesen wurde, das Land nicht zu verlassen.

Ein Zeichen dafür, wie nervös die Anleger noch vor zwei Monaten über das Schicksal des Tycoons waren, war, dass Alibaba-Aktien kurzzeitig 26 Milliarden Dollar verloren, nachdem staatliche Medien berichtet hatten, dass die Behörden einer Person mit dem Nachnamen Ma Beschränkungen auferlegt hätten. Später zeigte sich, dass sich der Bericht auf eine andere Person bezog.

Regelmässige Rücksprache mit der Zentralbank Chinas

Ma musste Zugeständnisse machen, um aus der Schusslinie der Regierung zu kommen. Nachdem die Aufsichtsbehörden den mit Spannung erwarteten Börsengang von Ant im Jahr 2020 torpediert hatten, überarbeitete das Unternehmen seinen Betrieb, um strengere Kontrollen zu erfüllen, und diskutierte regelmässig mit der Zentralbank des Landes darüber, wie der Betrieb «korrigiert» werden könnte.

In den ersten Jahren bedrohte der Erfolg von Ant bei Dienstleistungen wie digitalen Zahlungen und Geldmarkteinlagen die Dominanz der grossen staatlich unterstützten Banken.

Ma muss seine Aktienmehrheit abgeben

Ant hat den Aufsichtsbehörden auch mündlich signalisiert, dass Ma seine Kontrolle über das Unternehmen abgeben will, so mit der Angelegenheit vertraute Personen, die diese Pläne den Behörden und der Zentralbank seit Jahren mitgeteilt haben.

Ein Vorschlag, der in Erwägung gezogen wird, beinhaltet die Übertragung von Ma's Aktien an andere Führungskräfte, damit das Unternehmen von einem Ausschuss überwacht werden kann, sagte eine der Personen.

In einer Mitteilung von dieser Woche bekräftigte Alibaba, dass Ma beabsichtigt, seine direkte und indirekte wirtschaftliche Beteiligung an der Ant Group im Laufe der Zeit auf einen Prozentsatz von höchstens 8,8 Prozent zu reduzieren. Ma hält derzeit 50,52 Prozent der Stimmrechte an Ant.

Das «Wall Street Journal» hatte zuvor berichtet, dass Ant den Aufsichtsbehörden mitgeteilt hat, dass Ma beabsichtige, die Kontrolle abzugeben und einen Teil seiner Stimmrechte an andere Top-Führungskräfte übertragen könnte. Die in Hongkong notierten Aktien von Alibaba fielen am Freitag im frühen Handel um 4 Prozent.

Ma hat keine Führungspositionen bei Ant inne und die Aufgabe der Kontrolle über das Unternehmen würde das Tagesgeschäft nur wenig stören, da er seit Jahren nicht mehr stark involviert war, sagten Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind.

Zweiter Anlauf zum Ant-Börsengang

Schon bevor Ma den Zorn der chinesischen Aufsichtsbehörden auf sich zog, hatte er sich von den Zwillingsimperien der E-Commerce-Riesen Alibaba und Ant distanziert. Ma trat 2013 als CEO von Alibaba und 2019 als Vorsitzender zurück. Bereits 2014 sagte er, er wolle seine Beteiligung an Ant auf höchstens 8,8 Prozent reduzieren und 611 Millionen Aktien für wohltätige Zwecke spenden. 

Die Änderungen der Eigentumsverhältnisse könnten die Wiederbelebung des lang erwarteten Börsengangs von Ant verzögern. Laut chinesischen Vorschriften dürfen Firmen nicht auf dem A-Aktienmarkt lanciert werden, wenn der Hauptaktionär in den letzten drei Jahren gewechselt hat. Für den Nasdaq-ähnlichen STAR-Markt gilt eine Wartezeit von zwei Jahren und in Hongkong ein Jahr.

Einst mit 300 Milliarden Dollar bewertet, ist der geschätzte Wert von Ant stark gesunken, nachdem die Aufsichtsbehörden die profitabelsten Geschäftsbereiche des Unternehmens, darunter das Verbraucherkreditgeschäft, eingeschränkt haben. Der Analyst Francis Chan von Bloomberg Intelligence schätzte im Juni den Wert von Ant auf etwa 64 Milliarden Dollar.

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