Die Corona-­Politik ist stark von der falschen Darstellung der Statistiken in Politik und Medien getrieben. Die Rolle der Dunkelziffer der Infizierten wurde lange ignoriert. Dann sahen viele Medien eine hohe Dunkelziffer als Gefahr.

Dabei bedeutet sie, dass die wahre Sterblichkeit tiefer ist. Die Frage der Kausalität wurde ebenso vernachlässigt. Viele sind eher mit als wegen Corona gestorben.

Und immer reden die Medien von zwei Risikofaktoren: Alter und Vorbelastung. Dabei hängen sie zusammen und müssten statistisch separiert werden. Dann würde sich zeigen: Durch Corona gehen weit weniger Lebensjahre verloren als befürchtet und die Gefahr für gesunde Alte ist weit kleiner als gedacht.

Eine genüssliche Darstellung der Ausbreitung

Was verursacht solche Fehler? Mangelndes Statistikwissen ist keine gute Erklärung. In grösseren Medienhäusern und der sehr gut ausgestatteten Bundesverwaltung gibt es genügend Leute, die viel von Statistik verstehen.

Reiner Eichenberger ist Professor für Theorie der Finanz- und Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg.

David Stadelmann ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth.

Wichtiger dürften Ideologie und Eigeninteressen sein. Illustrativ ist die in vielen Medien genüssliche Darstellung der Ausbreitung von Corona in den USA. So berichtet SRF noch am ­ 7. April: «Mit mehr als 368'000 Infek­tionen sind die USA das mit Abstand am stärksten vom Coronavirus betroffene Land weltweit.»

Tatsächlich aber ist die Schweiz pro Einwohner mit ihren 25'000 Fällen mehr als doppelt so stark betroffen wie die USA und hat rund 2,5-mal so viele Todesfälle pro Einwohner. So oder so: Die Nachricht, dass in einem grossen Land vieles häufiger vorkommt, ist keinen Subventionsfranken wert.

Auf eigene Statistik hereingefallen

Es wäre die Pflicht des Bundes gewesen, in all seinen Mitteilungen immer klar und laut auf die riesigen statistischen Un­sicherheiten hinzuweisen. Dass er dies unterliess, brachte der Bevölkerung Angst, Leiden und Stress.

Zudem sind wohl manche Bundesleute auf ihre eigenen Statistiken hereingefallen. Dabei wurden sie durch das Verhalten mancher verängstigter Bürger bestärkt, die die «Einschliessung zur eigenen Sicherheit» fast dankbar hinnahmen.

Da fällt einem die Geschichte eines Dompteurs ein. Er achtete darauf, seinen Tiger im Käfig immer gut zu füttern. Er meinte, der Tiger liebe ihn und das Gehege. Als er dieses aufschloss, kam der Tiger nur ganz zögerlich heraus – dann verspeiste er den Dompteur.

Riesige Schäden könnten verhindert werden

Das darf uns keinesfalls passieren. Der Erfolg der Schweiz hängt vom Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Regierung und umgekehrt ab. Deshalb müssen wir schnell aus Corona herausfinden. Mit den Kreditgarantien ist ein guter erster Schritt gelungen.

Jetzt ist dafür zu sorgen, dass die Garantien nicht benötigt werden. Dafür müssen die Zwangsmassnahmen schnell ­abgebaut und die wertvollste Ressource im Kampf gegen Corona genutzt werden: die genesenen Infizierten, also die Immunen.

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Diese müssen gesucht, gefunden und zertifiziert werden und eine gelenkte Immunisierung darf nicht behindert werden. Nur so können weitere riesige Schäden durch den Faststillstand bei Gesundheitsleistungen, Wirtschaft, Politik, Kultur und Sport verhindert ­werden.

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