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Martullo-Blocher: Vorzeigefrau... Nationalrätin?

Magdalena Martullo-Blocher ist die Vorzeigefrau der Schweizer Wirtschaft. Erfolgreich führt sie die Ems Chemie. Nun will die Tochter von Alt Bundesrat Blocher in die Politik – aller Dementi zum Trotz.

Von Mathias Ohanian
am 20.04.2015

Sie gilt als Vorzeigefrau der Schweizer Wirtschaft – und stritt bislang alle politischen Ambitionen ab. Zu wenig Zeit, lautete der in Interviews gebetsmühlenartig vorgetragene Einwand. Nun will die Lenkerin der Ems Chemie und Tochter von Alt Bundesrat Christoph Blocher doch in die Politik: Magdalena Martullo-Blocher kandidiert für den Nationalrat und ist eine der beiden Spitzenkandidaten der Bündner SVP für die Wahlen in diesem Jahr.

Mit ihr stelle sich eine ausgewiesene Wirtschaftsführerin für die Wahl ins Bundesparlament zur Verfügung, teilt die Partei heute mit. «Bereits seit über zehn Jahren führt sie als Mehrheitsaktionärin die Ems Chemie, das grösste Bündner Unternehmen, äusserst erfolgreich und ist mit der Situation und den Herausforderungen des Wirtschaftsstandortes Graubünden bestens vertraut.» Zudem setze sie sich seit Jahren aktiv für einen starken Wirtschaftsstandort und eine liberale Wirtschaftspolitik ein.

Ems Chemie langfristig erfolgreich

Tatsächlich gilt Martullo-Blocher heute als eine der erfolgreichsten Leaderfiguren der Schweiz. Sind Frauen in Toppositionen hierzulande noch eine Seltenheit, stellt sie so manchen männlichen Konzernlenker in den Schatten. Ihr Führungsstil indes gilt als autoritär. Martullo-Blocher regiert das Unternehmen wie ein Königreich, schrieb die «Bilanz» vor einem Jahr. «Wer nicht kuscht, bekommt ihren Zorn zu spüren.»

Als ihr Vater Christoph Blocher Ende 2003 in den Bundesrat gewählt wurde, übernahm seine älteste Tochter das Zepter bei der Ems Chemie – da war sie hochschwanger. Mit 34 Jahren wurde sie jüngste Konzernchefin der Schweiz. Seitdem ging es mit dem Aktienkurs nach oben: In den vergangenen zehn Jahren legte das Papier an der Börse um rund 570 Prozent zu, zeigte eine Auswertung der Handelszeitung im Februar. Seit 2009 steht ein Plus um 310 Prozent.

85 Millionen Dividende für Martullo-Blocher

Damit gehört Ems Chemie zu den besten Performern an der Schweizer Börse in der vergangenen Dekade. Heute floriert vor allem das Geschäft mit der Automobilindustrie, zudem stützt das zunehmend freundlichere Konjunkturumfeld. Den Rekord-Umsatz von 2013 toppte Ems-Chemie im vergangenen Jahr noch einmal: Der Umsatz legte um 4,6 Prozent auf 1,97 Milliarden Franken zu.

Dank dem neuerlichen Rekordgewinn stieg die Dividende pro Aktie von 11 auf 12 Franken. Das macht sich freilich auch im Portemonnaie der Mutter dreier Kinder bemerkbar: Als CEO und Grossaktionärin erhielt Martullo-Blocher 85 Millionen Franken an Dividenden, 8 Millionen mehr als im Vorjahr.

«Schweiz benötigt keine Konzessionen gegenüber der EU»

Dass die 45-Jährige trotz ihrer abwehrenden Haltung durchaus auch an politischem Format gewonnen hat, deutet sich schon länger an. Anlässlich der Präsentation des Halbjahresabschlusses hielt Martullo-Blocher im vergangenen Sommer ein zwölfseitiges Referat mit dem Titel «Forschungsplatz Schweiz benötigt keine Konzessionen gegenüber der EU».

Darin hob sie die Notwendigkeit von Innovationen für die Schweiz hervor und verwies auf die exzellente universitäre Ausbildung. Das in Europa etablierte Studentenaustauschprogramm Erasmus kritisierte Martullo-Blocher scharf. Dieses sei «für die Schweiz teuer, ineffizient und zweckentfremdet».

Wie der Vater so die Tochter: EU als Feindbild

Insofern kommt die 45-Jährige ganz nach ihrem Vater. Die Schweizer Hochschulen brauchten kein europäisches Austauschprogramm, sagte sie. So habe etwa die Uni Zürich bekannt gegeben, dass sie die bisherigen Erasmus-Verträge mit europäischen Universitäten bereits zu 96 Prozent bilateral neu geregelt habe und in den nächsten zwei Semestern 300 Studenten ins Ausland könnten.

Das Manuskript schickte Martullo-Blocher im Anschluss an die Parlamentarier in Bern – verbunden mit dem Wunsch, dass ihre «relevanten Erkenntnisse» in der Politik umgesetzt werden möchten. Dafür kann sie womöglich schon bald selbst kämpfen.

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