Die Mehrheit der Schweizer Städte behält ihre Bonitäts-Note der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Die angespannte Finanzlage in einigen Zentren und die Frage nach der künftigen Unternehmensbesteuerung haben die Unsicherheit aber erhöht.

Die Bewertung der grössten Schweizer Stadt Zürich, gleichzeitig mit 5,22 Milliarden Franken Anleihevolumen mit Abstand bedeutendster städtischer Schuldner, bleibt mit einer Kreditwürdigkeits-Note von AA bei stabilem Ausblick gleich. In der AA-Liga spielen auch Bern, Freiburg, Genf, Frauenfeld und St. Gallen, wie das am Donnerstag publizierte Rating zeigt.

St. Gallens Ausblick schlechter

Beim Thurgauer Kantonshauptort hat die ZKB den Ausblick von stabil auf positiv erhöht. St. Gallen hingegen fällt mit einer Rückstufung des Ausblicks von stabil auf negativ zurück. Die Begründung: Im Budget 2014 klaffe ein Finanzloch von 82 Millionen Franken und in den nächsten Jahren würden neue Investitionen nötig. Die Riege der Städte mit der höchsten von der ZKB verliehenen Bewertung AA+ besteht aus Aarau, Thun, Uster, Solothurn, Luzern. Sie alle behalten ihren Ausblick stabil, ausser die Stadt Luzern, der die ZKB neu den Ausblick negativ anheftet.

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Ein Rating A+ mit Ausblick stabil haben wie im Vorjahr die Westschweizer Städte La Chaux-de-Fonds, Lausanne und Neuenburg. Auch Lugano hält ein A+ mit negativen Ausblick, allerdings fuhr die Tessiner Stadt im Vorjahr noch mit einem höheren AA- negativ.

Lugano und Winterthur abgestuft

ZKB-Anleihenspezialist Peter Gasser erklärte die Herabstufung damit, dass Lugano erstens eine deutlich unterdeckte Pensionskasse aufweise und zweitens durch Eingemeindungen Orte mit einer hohen Schuldenlast integriert habe. Ebenfalls herabgestuft wurde Winterthur, das seit längerem mit einer angespannten Finanzlage kämpft.

Die zweitgrösste Stadt im Kanton Zürich trägt wie Biel, Chur, Emmen, Köniz und Schaffhausen die Bewertung AA-. Als einzige erfuhr sie aber eine Herabstufung von AA negativ auf AA- stabil. Winterthur hat 7 Anleihen über 725 Millionen Franken am Markt laufen und ist damit der zweitgrösste städtische Emissionär nach der Stadt Zürich.

Druck nimmt zu

Die schnell wachsende Stadt Winterthur hat bereits umfangreiche Sparpakete geschnürt, während die Politik Steuererhöhungen diskutiert. Laut Experte Gasser bildet Winterthur damit derzeit noch eine Ausnahme: Flächendeckend wird der Fiskus laut der ZKB derzeit nicht mehr Geld einfordern.

Auch Einschätzungen der ZKB über die Finanzkraft der Städte würden sich nicht grundlegend ändern: «Die Bonitäten dürften grosso modo so weiter bestehen, solange die Schweizer Wirtschaftslage so bleibt, wie sie derzeit ist«, sagte Gasser. Stabilisierend dürften zudem die kantonalen Gesetzgebungen und die Gemeindeaufsicht wirken.

Unternehmenssteuerreform sorgt für Unsicherheit

Grosser Unsicherheitsfaktor sei hingegen die Unternehmenssteuerreform III, über welche die Politik vor dem Hintergrund eines Streits mit der EU diskutiert. Die Städte fürchten, dass ihnen mit geänderten Steuerregimes für in- oder ausländische Firmen happige Steuererträge entgehen.

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Risiken macht die ZKB auch bei der demografischen Entwicklung aus: Das Älterwerden belaste Pensionskassen und das Wachstum der Städte erfordere dauernd neue Investitionen verschiedenster Art. Weiter könnten sich kantonale Sparmassnahmen auf die Städte und damit deren Kreditwürdigkeit auswirken.

(sda/moh)