Der Milliardär und Hedge-Fund-Gründer George Soros kritisiert den Vorstoss des Vermögensverwaltung-Riesen Blackrock nach China deutlich – es sei ein «Risiko für das Geld der Kunden». Und es sei obendrein eine Gefahr für die Sicherheitsinteressen der USA und der anderen Demokratien. «Es ist ein tragischer Fehler, jetzt Milliarden nach China fliessen zu lassen», schreibt Soros in einem Aufsatz, den er im «Wall Street Journal» veröffentlicht hat. Der Titel: «Blackrock's China Blunder».

Anlass ist, dass BlackRock – der weltgrösste Vermögensverwalter – seit Ende August seine Fonds und Investmentprodukte in China verkauft und nun offenbar seine Präsenz im Reich der Mitte ausbauen will. Kurz zuvor hatte die Firma ihren Kunden im Westen geraten, ihre Investitionen in China zu erhöhen. In einem Aktionärsbrief pries BlackRock-Konzernchef Larry Fink den chinesischen Finanzmarkt als Langfrist-Chance.

«Böses Erwachen»

Soros indessen hatte in den letzten Wochen in mehreren Texten davor gewarnt, noch engere Beziehungen zum Reich des Xi Jinping zu knüpfen. Angesichts der jüngsten Eingriffe des Pekinger Regimes in die Märkte nannte der Gross-Anleger Xi im letzten Monat «den gefährlichsten Feind offener Gesellschaften». Und in der «Financial Times» kündigte Soros an, dass allen, die in China investiert sind, ein böses Erwachen drohe. Der amerikanische Kongress, so seine Forderung, sollte die Investitionen von Vermögensverwaltern beschränken auf Unternehmen, «deren Leitungsstrukturen sind sowohl transparent als auch im Einklang mit den Aktionärsinteressen stehen».

Im neusten Text äussert Soros die Vermutung, dass BlackRock den chinesischen Präsidenten offenbar missverstehe – schliesslich betrachte Xi alle chinesischen Unternehmen als «Instrumente des Einparteien-Staates».

Dass mit George Soros und Larry Fink zwei der einflussreichsten Investment-Manager dermassen divergierende Ansichten vertreten, belegt das zunehmend schwierige Umfeld, auf das Finanzfirmen in Asiens grösster Volkswirtschaft stossen. Auf der einen Seite erleichterte Xi es ausländischen Firmen, im Reich der Mitte tätig zu sein; auf der anderen Seite nimmt seine Regierung immer stärker Zugriff auf den Privatsektor – und sie geht in vielen Feldern in Konflikt mit den USA, von der Cybersicherheit bis zu den Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang.

Immobilienkrise herrscht

Laut Soros begannen die Beschränkungen mit der plötzlichen Absage des Börsengangs der Ant Group im letzten Jahr – und seither steigerten sie sich stetig. Er zitierte dabei die Massnahmen gegen den Fahrdienstleister Didi Global unmittelbar nach dessen Notierung an der Börse von New York, und er führte das Vorgehen gegen «US-finanzierte» chinesische Nachhilfeunternehmen an.

Soros bemerkte weiter, dass sich BlackRock-Manager bewusst sein sollten, dass auf dem chinesischen Immobiliemarkt eine «enorme Krise» herrsche: Auch dessen sollte sich Blackrock bewusst sein.

Zu beachten ist dabei, dass Soros eine Art Aussenseiter an der Wallstreet ist. Er ist ein einflussreicher Unterstützer der Demokratischen Partei von Präsident Joe Biden; aber er verwaltet kein fremdes Geld mehr. BlackRock, Goldman Sachs und die meisten ihrer bedeutenden Konkurrenten im Geldmanagement und im Banking befanden, dass die Chancen in China die Risiken überwiegen.

George Soros sieht es grundsätzlicher: «Heute befinden sich die USA und China in einem Konflikt auf Leben und Tod zwischen zwei Regierungssystemen: repressiv und demokratisch», so sein neues Statement.

(«Bloomberg», rap)