Zu Beginn ein Bekenntnis: Ich kaufe Bio. Immer. Oder zumindest immer dann, wenn es das Angebot gibt. Was meistens der Fall ist. Schliesslich ist es das Programm von Bio, einen möglichst grossen Teil der kulinarischen Warenwelt in Grün zu spiegeln. Doch manchmal, wenn ich bei Coop an der Kasse stehe und das Gläschen Bio-Konfitüre (Himbeere, 3.80 Franken für 225 Gramm), den Bio-Cherry-Tomaten-Mix (3.95 Franken) und das Engadiner Pro-Montagna-Joghurt über das Band wandern sehe und feststelle, dass vor und hinter mir die Wahl auf spanisches und türkisches Preisbrechergemüse und Prix-Garantie-Würste gefallen war, dann gerate ich ins Grübeln. Immerhin sind wir hier im ökologisch hoch sensibilisierten Basel, wo die richtige Zusammensetzung des Warenkorbs eine Frage der Weltanschauung ist. Wo, wenn nicht hier, sollte Öko die Regel und nicht die Ausnahme sein?
Gewiss, Bio floriert, zumindest zahlenmässig. Der Umsatz erreichte im vergangenen Jahr 4,3 Milliarden Franken, ein neuer Rekordwert. Die Schweizerinnen und Schweizer greifen für ihr gutes Gewissen gerne tief in die Taschen, letztes Jahr waren es 468 Franken pro Kopf. Bio ist ein gutes Geschäft, das gilt vor allem für Coop, der in dem Segment mit der ganz grossen Kelle anrichtet; der Grossverteiler lässt 42,9 Prozent der Bio-Umsätze über seine Kanäle laufen.
Mehr Umsatz, aber ...
Durchzogener ist die Bilanz für die Umwelt. Die Zahl der Bio-Betriebe ist zwar leicht gestiegen, aber das hat vor allem damit zu tun, dass die bis anhin als Lizenznehmer kategorisierten «landlosen» Bio-Imker neu zum harten Kern der Bio-Betriebe zählen. Kaum Bewegung gibt es folgerichtig bei der Fläche, die nach den Richtlinien der Knospe bewirtschaftet wird – sie stagniert bei 18,4 Prozent.
Die Zahlen zeigen: Bio mag ein Wohlfühlprogramm sein für den städtischen Bobo-Konsumenten. Das Versprechen aber, bei der ökologischen Bewirtschaftung systemisch eine neue Stufe zu zünden, erfüllt das Programm nicht – dafür hat es schlicht zu wenig Reichweite. Es reicht eben nicht, wenn Bio-Bauern auf einem kleinen Teil der Fläche alles richtig machen. Besser wäre, wenn mehr Bauern auf mehr Flächen mehr richtig machen würden. Die «Bauernzeitung» hat am 1. April die News verbreitet, Bio und IP Suisse würden fusionieren. Das war natürlich ein Scherz, aber dumm wäre es nicht. Zusammen hätten die Programme die nötige Schlagkraft, die landwirtschaftliche Produktion als Ganzes auf mehr Öko zu trimmen. Ganz nach der Devise: weniger Idealismus, mehr Impact.

