1. Home
  2. Politik
  3. Wenn die Reichsten ihr Geld an die Armen verteilten

Radikal
Wenn die Reichsten ihr Geld an die Armen verteilten

In der Schweiz ist wie in vielen Ländern Wohlstand ungleich verteilt. Was würde passieren, wenn der reichste Bürger seine Milliarden den Ärmsten gäbe? Ein neuer Index hat das berechnet.

Von Julia Fritsche und Corinna Clara Röttker
am 23.09.2015

Armut und Vermögensungleichheit haben weltweit zugenommen. So vereinen die Superreichen einen immer grösseren Teil des gesamten Vermögens auf sich. Ein Beispiel – die Schweiz: Daten der Eidgenössischen Steuerverwaltung zeigen, dass in der Schweiz sagenhafte 86 Prozent des Vermögens auf das reichste Fünftel entfallen. Die ärmsten 60 Prozent besitzen nur gerade 4 Prozent des Vermögens.

Die ungleiche Vermögensverteilung besorgt vielerorts. Während die Reichen in Privatflugzeugen zu exotischen Destinationen jetten oder zuhause in Luxusvillen das gute Leben geniessen, kämpfen Arme täglich ums Überleben.

Radikale Umverteilung

Doch wäre die Welt besser dran, wenn der Reichste in jedem Land sein Geld den Armen geben würde? Die Nachrichtenagentur Bloomberg ist dieser Frage nachgegangen und hat den sogenannten Robin-Hood-Index geschaffen. Dieser setzt das Vermögen des Reichsten Menschen eines Landes in Beziehung zum Anteil der Armen im Land. Wie viele Dollar bekäme jeder Arme, wenn das Vermögen des reichsten Milliardärs auf die Ärmsten des Landes verteilt würde? Und in welchem Land würden die Armen am meisten profitieren, beziehungsweise wo würde das Vermögen versanden?

Für die Analyse hat Bloomberg 42 Länder gewählt, die sich in puncto Wirtschaft und Bevölkerung stark voneinander unterscheiden. Als Quelle für das Vermögen der Milliardäre dient der Bloomberg Billionaire Index, für den Anteil der Armen in den Ländern wurde das CIA World Factbook herangezogen. Das Ergebnis: Auf Zypern und in Schweden liesse sich vielleicht was bewegen, in Indien hingegen nicht (siehe Bildergalerie).

Geldsegen für die einen

Denn würde das Vermögen des reichsten Menschens Zyperns, John Fredriksen, verteilt werden, bekäme jeder arme Einwohner 45’987 Dollar. Der gebürtige Norweger, der einst Grossaktionär beim Reisekonzern Tui war, kommt laut Bloomberg auf ein Vermögen von 15 Milliarden Dollar.

Als reichsten Mann der Schweiz hat Bloomberg den Unternehmer Ernesto Bertarelli ausgemacht. Der italienisch-schweizerische Unternehmer erbte nach dem Tod seines Vaters mit Serono S.A. das drittgrösste Biotechnologie-Unternehmen der Welt. 15 Milliarden Dollar soll der 50-Jährigen schwer sein. Eine Verteilung seines Vermögens auf jeden in Armut lebenden Schweizer – insgesamt 7.6 Prozent der hiesigen Bevölkerung – ergäbe laut Bloomberg eine einmalige Auszahlung von 24'893 Dollar. Das ist die viertgrösste Summe aller untersuchten Länder.

Almosen für die anderen

Während auf Zypern und auch in der Schweiz die ärmere Bevölkerung also relativ gut bedient wird, fällt die Auszahlung in manch anderem Land nicht so happig aus – wenngleich die vermögendste Person des Landes um ein Vielfaches reicher ist als Fredriksen und Bertarelli.

Beispiel Indien: In Indien bekämen die Armen lediglich 59 Dollar, obwohl der reichste Inder namens Mukesh D. Ambani 22 Milliarden Dollar auf dem Konto hat. Das ist die kleinste Verteilungssumme aller untersuchten Länder. Grund ist der hohe Armenanteil von fast 30 Prozent in der Bevölkerung sowie die grosse Einwohnerzahl Indiens.

Noch mehr Vermögen als der Inder Mukesh D.Ambani besitzt Bill Gates. Der reichste Mensch der Welt kommt laut Bloomberg auf stolze 84 Milliarden Dollar. Jedem armen US-Bürger würde die Umverteilung seines Reichtums dennoch «nur» eine Einmalzahlung von 1'736 Dollar bringen.

Übrigens: Von den 42 Ländern war lediglich in Chile, Frankreich, den Niederlanden und Australien die reichste Person des Landes eine Frau.

(mit Material von Bloomberg)

Anzeige