Academic Gateway hat an der Zürcher Löwenstrasse kürzlich ein Schulhaus eingeweiht; mit hochmodernen vernetzten Klassenzimmern, Laborräumen und Vorlesungssälen. Ob Internetleitungen, USB-Anschlüsse, Steckdosen an den Sitzplätzen, Mikrofone, Kameras, Laptops, Flatscreens oder Visualizer: Alles ist doppelt vorhanden. Die beiden Vorlesungssäle verfügen über hochwertige Soundsysteme, die bei Vorlesungen störende Echo-Effekte vermeiden. Zudem wurde eine Induktionsschleife verbaut, die sich automatisch mit Hörgeräten verbindet und bestmöglichen Empfang der Redebeiträge ermöglicht.

Es fiel nicht eine Lektion aus

Eines der Hauptangebote der Schule ist die Matura in nur einem Jahr. Erreicht wird dies durch einen hybriden Ansatz, also die Verbindung des klassischen Unterrichts mit digitalen Lernmethoden. Bildung ist hier digital transformiert, inklusive aller schulisch-administrativen Prozesse, und basiert auf einem universitären Unterrichtsstil schon ab der Mittelschule.

Aufgrund der guten Erfahrungen mit digitalen Lernmethoden plante Academic Gateway für August 2020 die Einführung einer reinen Online-Matura; also einen Online-Fernunterricht, der dem klassischen Präsenzunterricht gleichkommt. Der Corona-bedingte Lockdown kam im März 2020, und praktisch über Nacht hat Academic Gateway den Launch des rein digitalen Klassenzimmers vorgezogen. Es fiel keine einzige Unterrichtsstunde für die Schülerinnen und Schüler aus.

Eine Schule zu digitalisieren, bedeutet eben nicht, die Lehrbücher in ein PDF umzuwandeln und den Schülerinnen und Schülern aufs Tablet zu schicken, sagt Alexandre Touihri, CEO der Auf der Mauer Gruppe, zu der die Schule gehört. Vielmehr müssten die Prozesse und die Mentalität perfekt auf so ein Vorhaben ausgerichtet sein. Alle Lektionen liegen digital vor, aus jedem Klassenzimmer lässt sich sofort auf Knopfdruck streamen, weil jeder Raum via Glasfaser mit dem Internet verbunden und mit einem elektronischen Whiteboard ausgestattet ist sowie redundant mit Kameras und Mikrofonen.

Jede Schülerin und jeder Schüler kann zudem von zu Hause oder unterwegs mit einer browsergestützten Lösung am Unterricht teilnehmen und gar von der Lehrperson virtuell an die Tafel gebeten werden. Unterrichtsstunden und Vorlesungen werden alle aufgezeichnet, digital archiviert und können dann zum Repetieren nochmals angeschaut werden – aus Datenschutzgründen nur diejenigen der eigenen Klasse; und nach einem Jahr wird alles gelöscht. Vor einer Prüfung kommt so ein Archiv zupass. «Wir stellen fest, dass es bei einzelnen Fächern zu Binge-Watching kommt», sagt Alexandre Touihri – also dazu, dass alle Lektionen in einem Rutsch hintereinander nochmals angeschaut werden.

Als Schulen im Lockdown ihren Schülern verzweifelt Zoom-Zugänge verschickten, versandte Academic Gateway allen Lehrern ein Starterkit. Das bestand aus einem Visualizer (eine Art digitaler Hellraumprojektor), einem bewährten Mikrofon und einem Hintergrundtuch zum Aufhängen, damit alle Lehrerinnen und Lehrer auch beim Online-Fernunterricht im ähnlichen Erscheinungsbild unterrichten konnten.

Ab 2022 sollen im Geografie-Unterricht Drohnen zum Zug kommen.

Zu früh am Markt?

Academic Gateway hat das digitale Klassenzimmer selbst entwickelt. Die Lösung heisst Asismo und hat sich im Praxiseinsatz bewährt. Deshalb hat man die All-in-one-Lösung auch anderen Bildungseinrichtungen angeboten. Wider Erwarten verkaufte sich das Produkt nicht wie geschnitten Brot, wohl nicht zuletzt deshalb, weil das Verständnis für solche Bildungslösungen vielerorts noch fehlt und jeder Betrieb seine eigene Digitalisierungsstrategie durchziehen will.

In grösseren Rahmen eingebunden

Ein Angebot jedoch ist gut angekommen: Schüler öffentlicher Lehreinrichtungen durften während der Pandemie gratis die E-Learning-Inhalte von Academic Gateway benutzen. Schülerinnen und Schüler aus fast zwei Dritteln der Mittelschulen des Kanton Zürich haben davon Gebrauch gemacht.

Nun ist geplant, nächstes Jahr eine Hausmesse zu veranstalten, an der das Konzept und die Architektur einer digital durchtransformierten Schule gezeigt und die Lösung as a Service präsentiert werden kann.

Die Privatschule profitiert davon, dass sie zur Auf der Mauer Gruppe gehört, einer Unternehmensgruppe, die Firmen gründet, berät und entwickelt. Somit sind die entsprechenden Berater nie weit weg und man verpasst auch den technologischen Anschluss nicht.

Dank diesem Wissen wird in der Schule auch auf Trendthemen eingegangen. So erfährt man im Kunstunterricht unter anderem, wie man für das eigene Werk noch einen NFT erstellt (Non-Fungible Token, praktisch die Besitzrechteverwaltung auf der Blockchain). Das digitale Klassenzimmer beschränkt sich auch nicht auf Kameras, Kabel und Visualizer im Unterricht: Bei Academic Gateway wird geplant, ab nächstem Jahr im Geografie-Unterricht Drohnen einzusetzen und vermehrt Augmented Reality zu verwenden.