Er betreibt einen Podcast, der in China gesperrt ist, trotzdem setzt sich Kaiser Kuo auf der Bühne in Luzern für mehr Verständnis der chinesischen Sicht auf die Welt ein. Der amerikanisch-chinesische Intellektuelle sagt, um China besser zu verstehen, brauche es als erstes mehr Empathie und weniger Skepsis. «Es würde oft schon reichen, wenn wir ernsthafter versuchen, die Welt auch einmal durch die chinesische Brille zu betrachten»

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Die Realität der meisten der 1,4 Milliarden Chinesinnen und Chinesen sei eine andere, als wir es im Westen zu wissen meinten. Ein beachtlicher Teil habe zum Beispiel noch am eigenen Leib erfahren, was es heisst, Hunger zu leiden.

Chinas grosser Sprung

«Hunderte Millionen erinnern sich noch gut an die Zeit der Kulturrevolution oder der grossen Hungersnot», argumentiert Kaiser Kuo. Die meisten von ihnen seinen bis heute der kommunistischen Regierung dankbar, dass sie China aus diesen dunklen Jahren herausgeführt habe.

Dass die Irrungen der gleichen Regierung das chinesische Volk damals in die missliche Lage führten, lässt der Sino-Amerikaner an diesem Morgen unter den Tisch fallen. In seiner Erklärungslogik spielt es auch kaum eine Rolle. «Stellen Sie sich vor: 1979 verdiente eine Familie durchschnittlich 200 Dollar pro Jahr, eine gute Generation später sind es 10 000 Dollar.» Was so ein Sprung auslöse in einer Bevölkerung, könnten wir uns im Westen kaum vorstellen sagt Kaiser Kuo.

Logik verstehen lernen

Die Chinesinnen und Chinesen hätten nicht zuletzt wegen solcher Realitäten ein viel grösseres Vertrauen in ihre Regierung als die Amerikaner in die Ihrige. Gleichwohl wäre es aber falsch, die chinesische Logik nicht zu hinterfragen, sagt Kuo. Wenn die Chinesen sagen, ihre Institutionen seien speziell auf China zugeschnitten und der Westen würde dies nicht verstehen, sei dies genauso falsch, wie der Richtigkeitsanspruch der Amerikaner fürs eigene System. Mehr Verständnis für diese Logik könne aber helfen, China besser zu verstehen und dies wäre schon einmal ein wichtiger Schritt.

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